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1819/2021

Schenkung eines Kunstwerkes des Künstlers Danh Võ

Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 11.06.2021

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Beschlussvorlage Rat

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Beschlussvorlage Rat

9882 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
VII/4511 
 
Vorlagen-Nummer 
 1819/2021 
Freigabedatum 
11.06.2021  
Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung 
Betreff 
Schenkung eines Kunstwerkes des Künstlers Danh Võ 
Beschlussorgan 
Rat 
Gremium Datum 
 
Beschluss: 
Der Rat nimmt die Schenkung des Kunstwerkes von Danh Võ an das Museum Ludwig an. 
 
Ausschuss Kunst und Kultur 15.06.2021 
Rat 24.06.2021

2 
Haushaltsmäßige Auswirkungen 
 Nein 
 Ja, investiv Investitionsauszahlungen         € 
  Zuwendungen/Zuschüsse  Nein  Ja            % 
 Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme  600,00 € 
  Zuwendungen/Zuschüsse  Nein  Ja            % 
Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:       
a) Personalaufwendungen          € 
b) Sachaufwendungen etc.          € 
c) bilanzielle Abschreibungen         € 
Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:       
a) Erträge          € 
b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten         € 
Einsparungen: ab Haushaltsjahr:       
a) Personalaufwendungen          € 
b) Sachaufwendungen etc.          € 
Beginn, Dauer        
 
Auswirkungen auf den Klimaschutz 
 
  Nein    
  Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung)  
  Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung)  
 
 
Begründung 
Danh Võ *1975 in Ba Ria / Vietnam; lebt in verschiedenen Städten 
 
Grabeskreuz der Großmutter des Künstlers / The artist's grandmother's grave marker  
DV/I 2009/14 
Holz, Kalligraphie von Phung Vo / Wood, calligraphy by Phung Võ  
190,5 x 80 x 3,8 cm  
Wert: 145.000 Euro (inkl. VAT) ausweislich eines vorliegenden Wertgutachtens. 
 
 
Die Objekte, Installationen, Fotografien und Papierarbeiten des 1975 in Ba Ria geborenen, in Kopen-
hagen aufgewachsenen und heute in verschiedenen Städten lebenden Künstlers Danh Võ sind häufig 
verknüpft mit persönlichen Narrativen aus seiner Kindheit in Vietnam, der Geschichte seiner Familie 
und ihrer Flucht nach Europa. Seine Arbeiten verhandeln Fragen des Kolonialismus, der Migration 
und der kulturellen Identität. Die Thematisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und das Hinter-
fragen gesellschaftlicher Normen und Zuschreibungen – sowohl in der spätkapitalistischen Gesell-
schaft als auch im Kunstkontext – bilden ebenso rote Fäden in Võs Werk. 
 
In der Kölner Sammlung befinden sich bereits mehrere Werke des Künstlers, darunter die Papierar-

3 
beiten Pantoffel (2012) und 2.2.1861 (2009), die auch 2015 in seiner Ausstellung im Museum Ludwig 
zu sehen waren.  
 
Bei der Arbeit, die Daniel Buchholz und Christopher Müller der Stadt Köln schenken möchten, handelt 
es sich um ein weißes Holzkreuz, das den Namen und die (vermeintlichen) Lebensdaten der Groß-
mutter des Künstlers in der Kalligraphieschrift seines Vaters Phung Võ trägt. Das Objekt steht in Zu-
sammenhang mit mehreren Arbeiten, die Võ 2009 seiner verstorbenen Großmutter (mütterlicherseits) 
widmete, zum Beispiel mit Oma Totem von 2009, einem Ensemble aus Waschmaschine, Kühl-
schrank, Fernseher, Kruzifix und Kasinoticket. Seine Großmutter ist, anders als Danh Võ, nach ihrer 
Flucht aus Vietnam in den 1970er Jahren nicht in Dänemark, sondern in Hamburg angekommen. 
Nach ihrer Immigration wurde ihr von der deutschen Einwanderungsbehörde eine Waschmaschine, 
ein Kühlschrank und ein Fernseher zur Verfügung gestellt und vom katholischen Wohlfahrtsverband 
ein Kruzifix geschenkt, da sie von Geburt an Mitglied der katholischen Kirche war. Oma Totem ließ Võ 
im selben Jahr auch als flachen Grabstein aus Marmor, Granit, Holz und Bronze produzieren 
(Tombstone for Nguyen Thi Ty , 2009) . Die Objekte, die der Großmutter als nötigste Utensilien zum 
Leben in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden, werden in letzteren beiden Arbeiten in Bezie-
hung zu ihrem Leben und Ableben selbst gestellt.  
 
Anders als bei den zuvor erwähnten Arbeiten handelt es sich hier um eine Art handgemachtes 
Readymade. Zu diesem Grabeskreuz, das den Anschein hat, als sei es gerade aus der Erde gezogen 
worden, erzählte Võ in einem Interview folgende Geschichte: 
 
Das Kreuz ist ein vorübergehender Grabstein, den mein Vater für meine Großmutter ge-
macht hat, als sie vor zwei Jahren in Dänemark starb. Bei neuen Gräbern muss sich der 
Boden noch absetzen, bevor man einen Granitgrabstein darauf platzieren kann, was dazu 
führt, dass das Grab im Grunde lange Zeit nicht als solches ausgezeichnet ist. Mein Vater 
ist ein sehr frommer Katholik, und er konnte die Idee eines Grabes ohne Markierung nicht 
ertragen; also begann er, ein temporäres Grab zu bauen. Dies war das erste Grabes-
kreuz, das er seit dem Vietnamkrieg gefertigt hatte. Es sah aus wie eines aus dieser Zeit 
– einfach, weiß, hölzern und mit dem Namen meiner Großmutter in römischen Buchsta-
ben geschrieben ... Als der echte Grabstein kam, wusste der Friedhof nicht, was er damit 
anfangen sollte und schmiss es in einen Container. Zufällig besuchte meine Familie das 
Grab am ersten Jahrestag des Todes meiner Großmutter und fand es im Müll. Sie wuss-
ten nicht, was sie tun sollten, weil niemand aus meiner Familie es mit nach Hause neh-
men wollte, aber sie konnten es auch nicht im Container lassen. Dann kam meine kleine 
Schwester auf die Idee, dass ich es vielleicht gerne hätte, und alle stimmten zu, es mir 
nach Berlin zu bringen. Natürlich war ich schockiert, als sie es mir in einer schwarzen 
Plastiktüte persönlich an meine Tür brachten. Dieses Kreuz stand ein halbes Jahr lang auf 
meinem Balkon, bevor ich es vom Privatleben meiner Großmutter lösen konnte. Es 
brauchte Zeit, um dieses Objekt als etwas zu sehen, das nicht mit meiner Großmutter 
verbunden war, sondern nur die verschiedenen Dinge darstellte, die sie geprägt haben. 
Und so beginnt diese Arbeit zu existieren. Ich denke, es ist ein Prozess, bei dem man sei-
ne eigene Denkweise verbiegt. Dieses Objekt wurde am Ende rein zufällig gemacht. Und 
dies ist ein Hinweis darauf, dass ich Dinge nicht sofort sehe, ich sehe nicht sofort, ob sie 
die Eigenschaften eines Kunstwerks haben. Normalerweise muss ich lange bei ihnen 
bleiben. Dieses Objekt ist sehr essenziell für das Verständnis, wie ich mit Geschichte ar-
beite. Wie kann ich erwarten, dass Menschen, die es für einen Moment betrachten, es 
verstehen? Ich kann nichts erwarten. Dies ist nur eine weitere hermetische Skulptur, und 
auf dieser Abstraktionsebene finde ich die Qualität der Arbeit. Ich möchte, dass alle meine 
Objekte so sind – dass sie existieren, weil es keinen Ausweg gibt.  
Danh Võ im Interview mit Francesca Pagliuca in Mousse 17, Februar/März 2009 
 
Neben seiner Großmutter ist auch sein Vater Phung Võ in seinen Arbeiten überaus präsent: nicht nur 
als inhaltliche Referenzfigur, sondern auch als Akteur und Kollaborateur: Seit 2009 sind dessen kalli-
grafischen Schriftzüge ein wiederkehrendes Element im Werk von Danh Võ (u.a. auch in den weite-
ren Arbeiten in der Sammlung des Museum Ludwig). Sein Vater, so der Künstler selbst, sei in einfa-
chen vietnamesischen Verhältnissen als Kalligraf ausgebildet worden, doch lernte trotz seiner schö-
nen Handschrift nie, in westlicher Schrift zu schreiben: „Es gab nie Verwendung für sein Talent, und

4 
genau diese Frage, wer in einer Gesellschaft bestimmt, was nützlich oder nutzlos ist, bildet den Kern 
vieler meiner Arbeiten.“ (Danh Võ im Interview mit Michael Kohler, 17.8.2015)  
 
Danh Võs Werk gleicht einer Mindmap seiner Beziehungen zu Menschen und Dingen, die ihn umge-
ben und mitunter nicht zusammenpassen oder deren Zusammenführung wieder neue Bedeutungs-
ebenen eröffnet. Auch hier gibt es innerhalb der Narrative, die sich um sein Werk spinnen und die er 
selbst spinnt, inhärente Widersprüche. Weder können wir mit Gewissheit sagen, ob die Lebensdaten 
real sind noch ob die Entstehungsgeschichte des Kreuzes stimmt. Mit jedem Werk erweitert sich das 
Puzzle oder die Karte. Doch dabei arbeitet sich Danh Võ an vielfältigen Identitätskonstruktionen und 
Projektionen auf seine Person und seine Familienmitglieder ebenso ab wie er sie (re-)produziert, legt 
rätselhafte Fährten, konfrontiert uns einerseits mit einer ungewohnten Nähe, als schlage er einzelne 
Seiten eines Familienalbums auf, während er sich gleichermaßen auch immer wieder distanziert und 
Zuschreibungen entzieht. Danh Võs Werk speist sich durch sein fragmentarisches Verständnis von 
Identität und Kultur, ebenso wie von kulturellen Werten, Begriffen und Symbolen. Es geht ihm vor 
allem darum, die Paradoxien und Brüche aufzuzeigen, an denen jeder Versuch der eindimensionalen 
Identifizierung seiner selbst, seiner Familienmitglieder oder nationaler Kulturen scheitern muss. 
 
Das Kunstwerk befindet sich in Berlin und wird nach Annahme der Schenkung abgeholt. Die Trans-
portkosten betragen rd. 600 EUR und werden vom Museum Ludwig übernommen. Dafür stehen Auf-
wendungen im Teilergebnisplan 0402 – Museum Ludwig in der Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für 
Sach- und Dienstleistungen im Haushaltsjahr 2021 zur Verfügung. 
Die Bildrechte liegen bei der Courtesy Galerie Buchholz. Daher wird auf eine Abbildung verzichtet. Mit 
der Annahme der Schenkung ist die Ausstellung einer Spendenbescheinigung verbunden. Mit der 
Schenkung sind keine Auflagen verbunden. 
 
Haushaltsbewirtschaftung in der Corona-Krise 
Die Hauptaufgabe der wissenschaftlichen Museen ist der Auf- und Ausbau von Kunst- und Kulturgut 
durch Sammeln, Erhalten und Forschen. Durch die zweckgebundene Schenkung kann das Museum 
Ludwig das Kunstwerk von Danh Võ erwerben, welches den bestehenden Sammlungsbestand her-
vorragend ergänzt und zur Sicherung der bestehenden Strukturen beiträgt. 
 
Begründung der Dringlichkeit  
Die verwaltungsinterne Abstimmung, besonders zu der zunächst unklaren Situation hinsichtlich der 
Bildrechte war sehr zeitaufwändig. Nun drängen die Schenkenden auf eine kurzfristige Umsetzung 
der Schenkung.

Beratungsverlauf (2)

15.06.2021 Ausschuss Kunst und Kultur
TOP 6.2 Vorberatung (Fachausschuss) Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung
24.06.2021 Rat
TOP 2.3 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1819/2021
Typ
Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
Datum
11.06.2021
Erstellt
12.05.2021 14:17