AN/0421/2017
Bindungsenden im öffentlich geförderten Wohnungsbau – das dicke Ende kommt noch?
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Anfrage (Die Linke BV4)
5624 Zeichen
Fraktion in der Bezirksvertretung 4 – Ehrenfeld
Bezirksrathaus Ehrenfeld
Venloer Str. 419-421, 50825 Köln
Tel: 0221 / 221-94317
Fax: 0221 / 22194320
Eingang beim Bezirksbürgermeister: 13.03.2017
AN/0421/2017
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 20.03.2017, TOP 7.4
Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 08.05.2017, TOP 6.1
Bindungsenden im öffentlich geförderten Wohnungsbau – das dicke Ende kommt noch?
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister,
wir, die Fraktion DIE LINKE. BV Ehrenfeld, bitten Sie, folgende Anfrage in die
Tagesordnung der Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 20. März 2017
aufzunehmen:
Mieter*innen in Köln stecken in Schwierigkeiten . Denn während die Mieten immer weiter
steigen – seit 2010 um durchschnittlich 4 -8% –, wird die Nachfrage immer größer. Umzüge
innerhalb des Quartiers werden immer schwieriger. Neue, leistbare Wohnungen entstehen
viel zu wenig. Dabei Köln braucht bis 2029 65.524 neue Wohnungen, um Angebot und
Nachfrage nicht noch weiter auseinanderklaffen zu lassen. 1 Dies wird Verdrängungsprozesse,
die bereits im Vollen Gange sind, wie die Ergebnisse unserer Anfrage untermauen, kaum
zurückdrehen, sofern nicht der öffentlich geförderte Wohnungsbau massiv ausgebaut wird. 2
Diese Maßnahmen werden jedoch durch eine wieder ansteigende Anzahl an in
Eigentumswohnungen umgewandelte Mietwohnungen 3 sowie durch vorzeitig abgelöste
Mietpreis- und Belegungsbindungen konterkariert.4
1 Vgl. Anlage 1 Ds.Nr. 1028/2015.
2 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=65704&voselect=15593, Zugriff: 19.01.2017.
3 Amt für Wohnungswesen (Hg.): Wohnen in Köln, verschiedene Jahrgänge.
4 https://www.stadt-
koeln.de/mediaasset/content/pdf15/k__lner_statistische_nachrichten_2009_6_wohnraum_in_koeln.pdf, hier: S.
23, Zugriff: 19.01.2017.
Herrn Bezirksbürgermeister
Josef Wirges
Frau Oberbürgermeisterin
Henriette Reker
- 2 -
Diese Entwicklungen sind nicht neu, setzen sich aber in den vergangenen Jahren in
verschärfter Form fort.
Nach Berechnungen des Wohnungsamtes wird der Anteil der öffentlich geförderten
Wohnungen, sofern kein Neubau stattfindet, von 6,8 Prozent im Jahr 2015 auf 3 ,6 Prozent im
Jahre 2034 zurückgehen; 1990 hatte der Anteil noch 22,2 Prozent betragen.
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik (Hg.): Kölner Statistische Nachrichten. Preiswerter Wohnraum in Köln, Heft 6, Köln 2009, S. 11,
23. Eigene Darstellung.
Diese Entwicklung kann kaum überdramatisiert werden! Die gegenwärtig niedrigen Zinsen
werden aller Voraussicht nach zu einem Anstieg der vorzeitigen Bindungsenden führen. Schon
in den Jahren 2010 bis 2019 machen die außerplanmäßigen Bindungsenden nach B erechnungen
des Wohnungsamtes etwa 87 Prozent der Gesamtzahl aus. Aber auch planmäßig wird sich die
Anzahl um mehr als 11.000 Wohnungen – ein Drittel des Gesamtbestandes! – allein zwischen
2027 und 2034 reduzieren.
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik (Hg.): Kölner Statistische Nachrichten. Preiswerter Wohnraum in Köln, Heft 6, Köln 2009, S.23.
Eigene Darstellung.
- 3 -
Förderzusagen für Mietwohnungen mit Mietpreis - und Belegungsbindungen von 273 im
Stadtbezirk Ehrenfeld in 2016 sind eine gute Nachri cht.5 Doch 2014 und 2015 fiel die Bindung
für insgesamt 276 Wohnungen weg. 6 Nur 2015 überstieg die Zahl der Förderz usagen erstmals
die Zahl der im Wohnungsgesamtplan von 2004 geforderten 1.000 g eförderten Wohnungen
pro Jahr. In keinem einzigen Jahr übersti egen die Förderzusagen die Anzahl der Wohnungen,
die aus der Bindung herausfielen. Folglich ist die Notwe ndigkeit, leistbare Wohnungen für
untere und mittlere Einkommensschichten zu schaffen, nicht nur unverändert hoch, sondern
stetig wachsend.
In diesem Zusammenhang bittet die Fraktion DIE LINKE. BV Ehrenfeld die
Verwaltung folgende Fragen zu beantworten:
(1) Wie verhält sich Anzahl der außerplanmäßigen zu den regulären Bindungsenden
bei öffentlich geförderten Mietwohnungen (Typ A) in den Jahren 2010 bis 2016
im Stadtbezirk Ehrenfeld und seinen einzelnen Stadtteilen?
(2) Welche Zahlen für außerplanmäßige und reguläre Bindungsende bei öffentlich
geförderten Mietwohnungen (Typ A) sind im Stadtbezirk Ehrenfeld und seinen
einzelnen Stadtteilen in den Jahren 2017 bis 2029 zu erwarten?
(3) Welche Entwicklung in Bezug auf den Anteil an öffentlich geförderten
Mietwohnungen ist – sofern keine neuen (öffentlich geförderten) Wohnungen
errichtet werden – im Stadtbezirk Ehrenfeld und seinen einzelnen Stadtteilen in
den Jahren 2017 bis 2029 zu erwarten?
(4) Wie viele Mietpreis- bzw. Belegungsbindungen sind in den Jahren 2010 bis 2016
im Stadtbezirk Ehrenfeld und seinen einzelnen Stadtteilen angekauft worden?
(5) Der Bericht Wohnen in Köln beziffert die Anzahl der Wohnungen, die aus der
Belegungs- und Mietpreisbindung herausfallen, für die Jahre 2013, 2014 und
2015 auf 1046, 1667 und 1529. In den Statistischen Nachrichten Wohnraum in
Köln von 2009 wurde dieselben Jahre die Anzahl auf 599, 742 und 1710 beziffert.
Woraus resultiert diese Diskrepanz?
5 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=601399&type=do&, Zugriff: 04.03.2017.
6 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=588062&type=do&, Zugriff: 04.02.2017.
- 4 -
Herzlichen Dank im Vorhinein.
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Berndt Petri Christoph Besser
(Fraktionsvorsitzender) (Bezirksvertreter)
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zurückgestellt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0421/2017
- Typ
- Anfrage nach § 4 BV4 (Die Linke)
- Datum
- 25.04.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27