BKA 0838
Antrag der Naturschutzverbände v. 18.03.2024: Seewasserqualität im Tagebausee Hambach in der Zwischennutzungsphase zwischen 2030 und 2070 – Bedeutung für die Nutzbarkeit des Sees
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Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss (Antrag der Naturschutzverbände v. 18.03.2024: Seewasserqualität im Tagebausee Hambach in der Zwischennutzungsphase zwischen 2030 und 2070 – Bedeutung für die Nutzbarkeit des Sees)
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Seite 1 von 1 Sitzungsvorlage Braunkohle- nausschuss - öffentlich - BKA 0838 Dezernat Regionalplanung, Braunkohlenplanung, Geschäftsstelle Ansprechperson Telefon BEZIRKSREGIERUNG Köln Datum 10.06.2024 Beratungsfolge Termin TOP Beratungsaktion Braunkohlenausschuss 14.06.2024 9.1 beschließend TOP: Antrag der Naturschutzverbände v. 18.03.2024: Seewasserqualität im Tagebausee Hambach in der Zwischennutzungsphase zwischen 2030 und 2070 – Bedeutung für die Nutzbarkeit des Sees Beschlussvorschlag: Der Antrag wird angenommen / abgelehnt. Erläuterungen: Anlage(n): 1. NSV_Antrag_BKA_2024_03_18_Seewasserqualität_in_der_Zwischennutzungsphase
Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss (NSV_Antrag_BKA_2024_03_18_Seewasserqualität_in_der_Zwischennutzungsphase)
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Jutta Schnütgen-Weber
Vertreterin der Naturschutzverbände
im Braunkohlenausschuss
Rauschgraben 22
50170 Kerpen
Schnuetgen-Weber@t-online.de
Mobil: 0172/9485089
An den
Vorsitzenden des Braunkohlenausschusses
Herrn Stefan Götz
Bezirksregierung Köln
Geschäftsstelle Braunkohlenausschuss
50667 Köln Kerpen, den 18.3.2024
Betr.: Seewasserqualität im Tagebausee Hambach in der Zwischennutzungsphase
zwischen 2030 und 2070 – Bedeutung für die Nutzbarkeit des Sees
Sehr geehrter Herr Götz,
am 22.2.2024 wurde der Rahmenplan Hambach durch die Neuland Hambach in Niederzier
vorgestellt. Darin sind auch Freizeitnutzungen des ehemaligen Tagebaus für den Zeitraum
von 2030-2070 dargestellt, die also in die Zeitspanne der Befüllphase fallen.
Im Rahmen des Braunkohlenplanverfahrens Tagebau Hambach für das geänderte
Tagebauvorhaben aufgrund des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes wurde das
Limnologische Prognosegutachten für den zukünftigen Tagebausee Hambach im Rahmen des
Beteiligungsverfahrens von der IWB (Dr. Uhlmann) vorgelegt. Auch das
Braunkohleplanverfahren für den Tagebausee Hambach und die wasserrechtliche
Einleitungsgenehmigung ist angekündigt. Somit wird sich der Braunkohlenausschuss mit dem
Thema Seewasserqualität befassen müssen.
Bei einer Durchsicht des oben genannten Gutachtens unter der Fragestellung, wie sich die
Seewasserqualität ab dem Beginn der Befüllung im Jahre 2030 entwickelt und sich während
der Zwischennutzungsphase bis zur vollständigen Befüllung des Tagebaus darstellt, fallen
mehrere Punkte auf und es ergeben sich die anschließend Fragestellungen und der unten
formulierte Antrag der Naturschutzverbände.
Zu den Fragestellungen:
1. Mit dem limnophysikalischen Modell CE-QUAL-W2 werden Szenarien für den
Zeitraum nach 2100 (Seite 18 (18), Seite 68 ff. Modelljahre 2101 bis 2142)
prognostiziert. Diese formulierten Aussagen beziehen sich also nur auf den Zeitraum
nach der beendeten Flutung.
2. Mit einem weiteren Modell/Modellkombination wird die sich entwickelnde
Wasserqualität prognostiziert. Die Berechnungen zur Trophieentwicklung weisen auf
Unsicherheiten für die Befüllungsphase hin, siehe hierzu auch Seite 120/121, 7.3.2
Flutungszeitraum. Während für den stationären Endzustand von oligotrophen
Bedingungen im See ausgegangen wird, wird in der Flutungsphase von einer höheren
Trophieebene ausgegangen (Seite 21 (33)). In diesen Kontext ist auch die
grundsätzliche Fragestellung an den Gutachter zu sehen, ob ein meromiktisches
Verhalten des Sees im stationären Zustand sicher auszuschließen ist (Seite 23). Dieses
wurde schon im Gutachten der IWB Dr. Uhlmann vom September 2009 im Auftrag
von RWE untersucht (Exemplarische Studie zur Wasserbeschaffenheit des Restsees
Tagebau Hambach). Dort gibt es aber z.T. andere Ergebnisse (Entstehen eines
Monolimnions in größerer Seetiefe, einer nicht von der Durchmischung erfassten
Seezone u.a.m.(Seite 67)).
3. Die erwartete Vollzirkulation (Seite 19, (20) und (22) ) ist angesichts der Seetiefe
erstaunlich. Der zum Vergleich herangezogene Bodensee leidet in den letzten Jahren,
die vom Klimawandel geprägt sind, immer wieder unter ausbleibenden
Vollzirkulationsphasen. Das ist für den Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser elementar
wichtig und somit auch für die biologischen und chemischen Umsetzungsprozesse im
Hypolimnion. Wir bitten daher um Erläuterung der erwarteten
Vollzirkulationsverhältnisse.
4. Die Prognose für die Wasserbeschaffenheit des Sees basieren auf den Daten zur
Rheinwasserqualität an der Messstelle Düsseldorf-Flehe und Dormagen-Stürzelberg,
beide deutlich flussabwärts gelegen, die Düsseldorfer Messstelle zudem auf der
anderen Rheinseite (Seite 16 (7) – Seite 17 (12), Seite 43). Um verlässliche Basisdaten
für die Modellierung zu haben, muss u.E. das Rheinwasser direkt oberhalb der
Entnahmestelle an einer neu einzurichtenden Messstelle entnommen und in das
kontinuierliche Messprogramm des LANUV aufgenommen werden. Die dort
gewonnenen Daten sollten dann Basis für eine modifizierte Modellierung der
Seewasserqualität für die Zwischennutzungsphase sein. Dies bezieht sich
ausdrücklich auch auf die Spurenstoffe (siehe hierzu auch Seite 95, Pkt. 4.3.4).
5. Es fehlen Aussagen zu möglichen stofflichen Interaktionen zwischen eingeleitetem
Rheinwasser und an der Oberfläche liegenden restlichen braunkohlehaltigen
Schichten.
6. Da für den Oberflächenwasserkörper Rhein-Leverkusen bis Duisburg
(DE_NRW_2_701494) im aktuellen Bewirtschaftungsplan eine Fristverlängerung bis
2039 festgelegt wurde (Seite 48), halten wir es für unabdingbar, dass eine
Begutachtung der Anreichung dieser und anderer organischer, langlebiger
Spurenstoffe für den entstehenden Restsee erfolgt (siehe auch Tabelle 9 und 10,
Seite 49).
7. Auf Seite 87 wird ein Seewassermonitoring ab Flutungsbeginn des Tagebausees
Hambach empfohlen. Dieses muss rechtzeitig vorbereitet werden, gerade um mit
dem Beginn der Flutung möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.
8. Die Entwicklung der Sulfatkonzentration nimmt in dem Gutachten breiten Raum ein.
Hier wird auf die kontroverse Diskussion über die Beeinträchtigung der
Gewässerbiozönosen durch Sulfat hingewiesen. Hierzu bedarf es einer näheren
Erläuterung, da Sulfat besonders zu Beginn aber auch in späteren Phasen eine Rolle
für die Seewasserqualität spielen wird.
Aufgrund der oben genannten Punkte wird deutlich, dass uns eine intensive Befassung des
BKA mit dem Thema Seewasserqualität ab Flutungsbeginn notwendig erscheint.
Wir beantragen daher, dass das Gutachterbüro IWB Dr. Uhlmann das Limnologische
Prognosegutachten im Braunkohlenausschuss vorstellt und die oben aufgeführten
Fragestellungen und weitere Fragen beantwortet. Die Seewasserqualität ist nicht nur für die
touristischen Nutzungen von großer Relevanz. Darüber hinaus – und das ist für die
Naturschutzverbände eine zentrale Fragestellung – muss gewährleistet werden, dass sich
gute ökologische Verhältnisse in dem Tagebausee aufbauen und schon zum jetzigen
Zeitpunkt mögliche Fehlentwicklungen prognostiziert werden, um sie vermeiden zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Jutta Schnütgen-Weber
In Kopie an:
Dirk Jansen (BUND NRW)
Heide Naderer (NABU NRW)
Mark vom Hofe (LNU NRW)
Rainer Polke (LNU NRW)
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- BKA 0838
- Typ
- Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss
- Datum
- 14.06.2024
- Erstellt
- 17.05.2024 12:48