2165/2023
Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Hauptausschusses vom 10.07.2023 betreffend "Sicherheit unserer Feuerwehrleute: Mängel an den neu beschafften Atemschutzgeräten der Kölner Feuerwehr"
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Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HauptA)
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Dezernat, Dienststelle I/37 AN/1269/2023 Vorlagen-Nummer 10.07.2023 2165/2023 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Hauptausschuss 10.07.2023 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Hauptausschusses vom 10.07.2023 betreffend "Sicherheit unserer Feuerwehrleute: Mängel an den neu beschafften Atemschutzgeräten der Kölner Feuerwehr" Auf die Anfrage der SPD-Fraktion antwortet die Verwaltung wie folgt: 1. Wie viele bzw. welche Zwischenfälle hat es gegeben, und welche Konsequenzen wur- den daraus gezogen? Antwort zu 1. Die bisherige bei der Feuerwehr Köln betriebene mehr als 20 Jahre alte Atemschutztechnik wurde Ende des Jahres 2022 nach umfangreichen theoretischen und praktischen Schulungs- maßnahmen aller Mitarbeitenden durch eine neue Atemschutztechnik ersetzt. Das neue Atemschutzgerät der Firma Dräger, das Modell Airboss Connect, erfüllt alle Anforderungen und Zulassungen für Atemschutzgeräte im Feuerwehreinsatz und entspricht mit seiner Aus- stattung dem neuesten Stand der Technik. Seit der Einführung der neuen Gerätetechnik gab es bei der Feuerwehr Köln drei Fälle in denen ein Atemschutzgerät ausgefallen ist. Hierbei trat eine kurzzeitige Unterbrechung der Atemluftversorgung bei noch ca. 1/3 vorhandenem Rest- druck (verfügbare Atemluft) auf. Bei zwei Geräten trat diese Auffälligkeit während eines Brandeinsatzes im Außenangriff auf. Ein weiteres Gerät zeigte dieses Verhalten während der Ausbildung in einer Wärmegewöhnungsanlage. Dies sind kritische Ereignisse, bei denen kei- ner der Feuerwehrleute zu Schaden kam. Die betroffenen Atemschutzgeräte wurden sofort einer weiteren Benutzung entzogen und an die DEKRA als externe Prüf- und Zulassungsstelle übergeben. Im Rahmen der Einführung der neuen Atemschutzgeräte Dräger Airboss Connect sind dar- über hinaus technische Mängel festgestellt worden, die zwar Funktionen einschränken, aber nicht zu einer unmittelbaren Gefährdung für die Atemschutzgeräteträger*innen führen. So kam es z.B. an drei weiteren Lungenautomaten zu Auffälligkeiten, die ein erhöhtes Abströmen von Atemluft in die Maske vorwiesen. Zusätzlich wurde bei vier Atemschutzgeräten durch die je- weiligen Atemschutzgeräteträger*innen ein erhöhter Einatemwiderstand gemeldet – auch diese Geräte wurden mit sofortiger Wirkung der Benutzung entzogen und an die DEKRA zur weitergehenden Untersuchung übergeben. Im letztgenannten Falle liegt zum aktuellen Zeit- punkt noch keine Erkenntnisse über ein tatsächlich vorhandenes technisches Fehlerbild vor. Bei beiden beschriebenen Fehlerbildern war die Atemluftzufuhr zu keinem Zeitpunkt unterbro- chen. Diese Mängel werden alle, sobald diese erkannt werden, zusammen mit der Hersteller- firma aufgearbeitet und abgestellt. 2 2. Welche konkreten Erkenntnisse konnten von der Stadtverwaltung über die Mängel wie vieler Geräte in Erfahrung gebracht werden? Antwort zu 2. Trotz der sehr umfangreichen Tests und Prüfungen, welche auch das Zerlegen der Atem- schutzgeräte in die einzelnen Bestandteile beinhaltete, konnte für die vorgenannt beschriebe- nen drei Fälle, in denen ein Atemschutzgerät ausgefallen ist, auch durch die unabhängige Prüfstelle oder den Hersteller der Atemschutzgeräte keine eindeutige Ursache gefunden wer- den. Dabei wurden die Geräte auch unter realitätsnahen Einsatzbedingungen und bei maxi- malen Belastungen geprüft. Bei diesen Überprüfungen zeigen sich die Geräte in einem tech- nisch einwandfreien Zustand. Die Fehlersuche wird aber weiter fortgesetzt und wurde auch auf andere Einflussfaktoren wie z.B. den Wiederaufbereitungsprozess ausgeweitet. Ob die eineindeutige Ursache bestimmt werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Bei den drei oben genannten Lungenautomaten mit gesteigertem Abströmen in den Masken- körper konnten produktionstechnische Abweichungen im Verantwortungsbereich des Herstel- lers gefunden werden, bei welchen es sich um Einzelfälle handelt. In den vier Fällen mit einem erhöhtem Einatemwiderstand konnte durch die unabhängige Prüfstelle in Zusammenarbeit mit dem Hersteller die Ursache an einer Membran lokalisiert werden. Diese liegt im Toleranzbe- reich der Fertigung und Zulassung, kann aber in Einzelfällen zu einem gesteigertem Einatem- widerstand führen. Dieser Mangel wird durch Überprüfung und Austausch der betroffenen Membranen abgestellt. Bei beiden letztgenannten Fehlerbildern handelt es sich um keine kriti- schen Ereignisse. 3. Wie wird die Sicherheit der Einsatzkräfte derzeit gewährleistet, sofern die konkrete Ursache noch nicht identifiziert werden konnte? Antwort zu 3. Um das Risiko eines Ausfalls von Atemschutzgeräten zu minimieren, wird jedes Atemschutz- gerät vor jeder Benutzung sowohl einer umfangreichen Prüfung an dafür vorgesehenen Prüf- ständen in der Atemschutzwerkstatt der Feuerwehr Köln, als auch durch jede Feuerwehrein- satzkraft unmittelbar vor einem Einsatz einer Kurzüberprüfung unterzogen. Diese Prüfungen werden nach festgelegten Kriterien auf Grundlagen von technischen Regelwerken durchge- führt. Ereignen sich Unfälle oder Beinaheunfälle im Einsatz, wird jedes Ereignis bei der Feuer- wehr Köln seit 1996 durch die Ständige Unfallkommission aufgearbeitet. Bei der Untersu- chung der oben genannten ausgefallenen Atemschutzgeräte wird die Ständige Unfallkommis- sion durch die DEKRA als unabhängige Prüf- und Zulassungsstelle beraten und unterstützt. Dabei steht die Ursachenerforschung im Vordergrund, da sich bei Kenntnis der Ursache am wirksamsten Gegenmaßnahmen entwickeln lassen. In den aktuellen Fällen wurde zudem der Hersteller der Atemschutzgeräte bei der Fehlersuche beteiligt. Neben der Ursachenermittlung analysiert die Ständige Unfallkommission auch das beste- hende Sicherheitsniveau in Bezug auf die Atemschutztechnik. In diesem Rahmen wurde ne- ben der gesetzlich vorgeschriebenen Prüffolge ein weiterer Prüfmechanismus mit speziellen Prüfgeräten in der Atemschutzwerkstatt etabliert: Hier werden aktuell alle Atemschutzgeräte weiteren Prüfparametern, wie z.B. einer Langzeit- oder Schnellbeatmung unterzogen. Aktuell wurden hier bereits 10% aller Geräte präventiv untersucht. Dabei wurden bisher keinerlei Auf- fälligkeiten festgestellt. Diese Sonderprüfungen werden als erhöhte Sicherheitsmaßnahme weiter fortgesetzt. Kommt es dennoch im Einsatz zu einem kritischen Gerätedefekt eines Atemschutzgerätes, wird von den betroffenen Einsatzkräften per Funk ein Notruf abgesetzt. Durch den Notruf wird umgehend eine Rettungskette gestartet, welche fest vorgegebene und regelmäßig einstu- dierte Abläufe beinhaltet. Teil dieser Rettungskette ist der so genannte Sicherheitstrupp, der bei jedem Einsatz unter Atemschutz zusätzlich bereitstehen muss, um in solchen Notfällen un- mittelbar eingreifen zu können. Der Sicherheitstrupp ist mit spezieller Ausrüstung ausgestattet 3 und kann den verunfallten Trupp mit zusätzlicher Atemluft versorgen und erste Rettungsmaß- nahmen im verrauchten Bereich der Einsatzstelle einleiten. Diese taktischen Maßnahmen sind Teil der allgemein geltenden Feuerwehrdienstvorschrift. Diese Vorgaben werden in Köln durch zusätzliche Ausrüstung im Atemschutz und ein darauf abgestimmtes Notfallkonzept ergänzt. Die Abläufe und die praktische Durchführung des Atemschutznotfallkonzeptes sind elemen- tare Bestandteile der Ausbildung und Teil der jährlichen Pflichtfortbildung im Brandschutz. 4. Welche konkreten Schritte sind gemeinsam mit dem Hersteller geplant, um in Zu- kunft die 100%ige Funktionalität der neuen Gerätegeneration sicherzustellen? Antwort zu 4. Neben der gemeinsamen Untersuchung und Analyse der Fehlerbilder unterstützt die Herstel- lerfirma bei den zusätzlichen Sonderprüfungen aller Atemschutzgeräte. Gleichzeitig werden alle technischen Mängel und Auffälligkeiten der Herstellerfirma gemeldet sowie im engen Austausch analysiert und bearbeitet. Darüber hinaus werden durch den Her- steller auch auf der Grundlage eigener kontinuierlicher Qualitätskontrollen und den Rückmel- dungen von anderen Feuerwehren in unregelmäßigen Abständen Geräteüberprüfungen emp- fohlen oder Produktveränderungen umgesetzt. Dies führt unter anderem dazu, dass immer wieder Atemschutzgeräte in die Atemschutzwerkstatt gerufen werden, da dort die erforderli- chen Anpassungen oder Updates durchgeführt werden. Diese Maßnahmen stehen aber nicht im Zusammenhang mit den vorgenannt beschriebenen Ereignissen. Neben der kooperativen Mängelbeseitigung wird die Herstellerfirma im Rahmen des Regel- prozesses auch formell zur Nachbesserung und Mängelbeseitigung aufgefordert. Auch wurden alle Einsatzkräfte dahingehend sensibilisiert, jede Auffälligkeit an den Atem- schutzgeräten konsequent zu melden sowie im Übungs- und Einsatzfall auffällige Geräte der Nutzung zu entziehen. 5. Wie wird die transparente Kommunikation mit den Einsatzkräften über diese schwie- rige Situation sichergestellt? Antwort zu 5. Alle Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Einsatzkräfte werden durch Informationsschreiben der Amtsleitung sowie ergänzend durch Schreiben der Ständigen Unfallkommission über die Sachverhalte, den Ablauf der Untersuchungen, die eingeleiteten Maßnahmen und Ergebnis- zwischenstände informiert. Weiter können jederzeit alle Fragestellungen von allen Einsatzkräf- ten in Bezug auf die Atemschutztechnik an die Verantwortlichen im Bereich Atemschutz der Feuerwehr Köln, wie z.B. den Leiter Atemschutz oder die Atemschutzwerkstatt, gerichtet wer- den. Auch zukünftig werden kontinuierlich Informationsschreiben erstellt und den Mitarbeiten- den und ehrenamtlichen Einsatzkräften zur Verfügung gestellt. gez. Reker
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2165/2023
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HA)
- Datum
- 10.07.2023
- Erstellt
- 05.07.2023 17:03