1167/2025
Mitteilung zum Beschluss „Abschlussbericht zur Stufe 1 des nachhaltigen Mobilitätsplans "Besser durch Köln" (SUMP)“
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Mitteilung Ausschuss
6672 Zeichen
Dezernat, Dienststelle III/68/681/1 Vorlagen-Nummer 22.05.2025 1167/2025 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 5 (Nippes) 22.05.2025 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 22.05.2025 Stadtentwicklungsausschuss 22.05.2025 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 23.06.2025 Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 23.06.2025 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 26.06.2025 Bezirksvertretung 7 (Porz) 26.06.2025 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 26.06.2025 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 30.06.2025 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 30.06.2025 Mitteilung zum Beschluss „Abschlussbericht zur Stufe 1 des nachhaltigen Mobilitätsplans Besser durch Köln" (SUMP)“ Anlass Der Rat der Stadt Köln hat am 03.04.2025 einstimmig den Abschlussbericht zur Stufe 1 des nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“ beschlossen (Vorlagen-Nr. 0392/2025). Die Verwaltung wurde am 04.04.2019 durch den Rat der Stadt Köln beauftragt, zum ersten Mal einen „Nachhaltigen Urbanen Mobilitätsplan“ (Sustainable Urban Mobility Plan – SUMP) zu erstellen (Antrags-Nr. AN/0414/2019). Die Erarbeitung der Stufe 1 des nachhaltigen Mobili- tätsplans „Besser durch Köln“ begann im Herbst 2022 und wurde im Dezember 2024 abge- schlossen. Damit hat die Verwaltung einen wichtigen Meilenstein im Erstellungsprozess er- reicht. Die Ergebnisse sind in einem Abschlussbericht zusammenfassend dargestellt. Sie bil- den die Grundlage für die jetzt anstehende Bearbeitung von Stufe 2 (Vorlagen-Nr. 2197/2024). Breite Beteiligung – eine Besonderheit des Kölner SUMP Die Bearbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans erfolgt unter einer breiten Beteiligung ver- schiedenster Akteur*innen innerhalb der Stadtgesellschaft, darunter beispielsweise Vertre- ter*innen aus der Wirtschaft (u. a. IHK, HWK), von Verbänden (u.a. ADAC, ADFC und VCD) sowie aus dem sozialen Bereich (z.B. Sozialverbände und Gewerkschaften). 2 Auch zur aktiven Beteiligung der Kölner Bürger*innen wurden verschiedene Formate durchge- führt. Für diesen Beteiligungsprozess erhielt die Stadt Köln im Oktober 2024 die Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ des Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung e.V. Das Kompetenz- zentrum vergibt diese Auszeichnung jährlich in Kooperation mit dem Berlin Institut für Partizi- pation an kommunale Akteur*innen. Ausgezeichnet werden herausragende Projekte, die als Musterbeispiel für gute Öffentlichkeitsbeteiligung dienen können. Ergebnisse der SUMP Stufe 1 Die mit Stufe 1 abgeschlossenen Arbeiten umfassen konkret folgende Inhalte: Erstellung einer Grundlagenanalyse: Zu Beginn wurden bestehende Richtlinien, Kon- zepte und Beschlüsse gesichtet, eingeordnet und hinsichtlich ihres Ambitionsniveaus bewertet. Erarbeitung von Leitbild und Zielen: Mit dem Leitbild wurde anhand von fünf Zielbil- dern beschrieben, wie die Mobilität in Köln in 2035 aussehen soll. Dieses Leitbild wurde im September 2023 vom Rat der Stadt Köln einstimmig beschlossen (Vorlagen- Nr. 2060/2023). Um Fortschritte bei der Zielerreichung messbar zu machen, wurden außerdem geeignete Zielindikatoren für jedes Zielbild entwickelt. Durchführung einer Status Quo-, Chancen- und Mängel-Analyse: Mit dieser Unter- suchung wurde entlang der insgesamt 24 Zielindikatoren ermittelt, wo Köln im Verhält- nis zum Leitbild heute steht und auf welchen Stärken aufgebaut werden kann bzw. welche Defizite und Handlungsnotwendigkeiten bestehen (Vorlagen-Nr. 1682/2024). Die Festlegung einer Strategie zur Erreichung des Leitbilds mit abschließender Defini- tion von Zielindikatoren, Zielwerten und strategischen Maßnahmen. Der einstimmige Ratsbeschluss vom 03.04.2025 hat diese Strategie verabschiedet (Vorlagen-Nr. 2197/2024) Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist das sogenannte „Zielszenario“. Es kann als der Weg verstanden werden, mit dem das Leitbild unter der Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Chancen- und Mängelanalyse bis 2035 am ehesten erreicht werden kann. Es bildet eine we- sentliche Grundlage für die Auswahl geeigneter, konkreter Maßnahmen und Prioritäten im Rahmen der Stufe 2 des SUMP-Erstellungsprozesses. Das Zielszenario wurde in sieben Handlungsfelder unterteilt, die alle wesentlichen Verkehrs- mittel sowie die Raumplanung abdecken. Diese wurden wiederum mit sogenannten strategi- schen Maßnahmen unterfüttert. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe zu den konkreten Maßnahmen, die in Stufe 2 erarbeitet werden. Da das Mobilitätsverhalten in Köln räumlich sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, unterscheidet das Zielszenario in Anlehnung an den Köln-Katalog (Vorlagen-Nr. 3068/2022) zwischen den Raumtypen „Innenstadt“, „Innere Stadt“ und „Äußere Stadt“ und definiert darüber hinaus stra- tegische Maßnahmen, die für die Gesamtstadt gelten. Die strategischen Maßnahmen sind da- bei nicht auf einzelne Raumtypen beschränkt. Bestimmte strategische Maßnahmen aus der Innenstadt oder der inneren Stadt können beispielsweise auch in Stadtteilzentren der äußeren Stadt angewandt werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Strategie sind die Zielwerte. Sie ermöglichen eine regel- mäßige, methodisch fundierte und systematische (Zwischen-)Bewertung der Fortschritte, mit der eine erfolgreiche Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans sichergestellt werden soll. So können Erfolge objektiv gemessen und ungünstige Entwicklungen frühzeitig identifiziert werden, was es ermöglicht, Maßnahmen bei Bedarf rechtzeitig anzupassen. Für die Evaluierung wurden für alle 24 Zielindikatoren Zielwerte für das Jahr 2035 bestimmt, die durch die Umsetzung der strategischen Maßnahmen des Zielszenarios erreicht werden sollen. Der nachhaltige Mobilitätsplan ist nicht statisch, sondern prozessual zu verstehen. So- fern sich im weiteren Prozess neue Erkenntnisse ergeben, die eine Anpassung der Zielwerte erforderlich machen, besteht dazu die Möglichkeit. 3 Einbindung der Bezirksvertretungen in die nachfolgenden Arbeitsschritte Da es sich bei der Stufe 1 des nachhaltigen Mobilitätsplans um grundlegende gesamtstädti- sche und strategische Fragen zur Ausrichtung der zukünftigen Mobilität handelt, wurde der Beschluss der Arbeitsergebnisse durch den Verkehrsausschuss (dem Fachgremium für ge- samtstädtische Mobilitätsbelange) empfohlen. Der sich anschließende Ratsbeschluss erfolgte einstimmig. Da es in Stufe 2 um die Festlegung konkreter Maßnahmen geht, deren Umsetzung zum Teil konkrete Auswirkungen in den Bezirken hat, wird die Verwaltung die Bezirksvertretungen bei den dort anstehenden Beschlussfassungen beteiligen. Die Erarbeitung der Stufe 2 wird vo- raussichtlich im 3. Quartal 2025 beginnen. Gez. Egerer
III_Besser durch Koeln_Abschlussbericht Stufe 1_BARRIEREFREI
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Der nachhaltige
Mobilitätsplan
Abschlussbericht der Stufe 1:
Leitbild, Analyse und Strategie
Besser
durch Köln
3
Vorwort der
Oberbürgermeisterin
Liebe Leser*innen,
wir brauchen konkrete Zukunftsstrategien für Köln, um
unsere Metropole – angesichts der gewaltigen Heraus-
forderungen des 21. Jahrhunderts – für alle Menschen
nachhaltig und lebenswert weiterzuentwickeln. Die von
uns entwickelte Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ , die viele Bereiche wie Stadtentwicklung, Um-
welt, Wirtschaft und Bildung umfasst, hilft uns, dieses
Ziel zu erreichen.
Auch die Ausrichtung unserer Mobilität trägt entscheidend zu einem guten
Leben und einem klimaneutralen Köln bei. Nicht ohne Grund ist daher bereits in
unserer Stadtstrategie die Erarbeitung eines nachhaltigen Mobilitätsplans veran-
kert worden. Dieser schafft den Rahmen, um den Verkehr in den nächsten Jahren
stadtverträglich und umweltfreundlich zu gestalten und für alle Menschen
zugänglicher zu machen. Das spiegeln auch der Titel und das zentrale Leitbild wi-
der: Mit unserem nachhaltigen Mobilitätsplans kommen wir „besser durch Köln“ .
In der Ausarbeitung dieses Plans haben wir nun einen entscheidenden
Meilenstein erreicht: Mit dem Abschluss der ersten Stufe liegt uns jetzt der über-
geordnete „Fahrplan“ für die zukünftige Gestaltung unserer Mobilität vor.
Besonders hervorheben möchte ich, dass sich an diesem wegweisenden Projekt
bereits jetzt über 10.000 Kölner*innen beteiligt haben. Dafür bedanke ich mich
herzlich.
Auch für die weitere Entwicklung freue ich mich auf Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
Henriette Reker
Oberbürgermeisterin der Stadt Köln
4
5
Vorwort des
Beigeordneten für Mobilität
Liebe Leser*innen,
wir stehen vor der großen Herausforderung, die Mo-
bilität in unserer Stadt für die Zukunft zu gestalten.
In den nächsten Jahren muss sowohl ein Beitrag zur
Klimaneutralität Kölns als auch zur Sicherung der
Lebensqualität für alle Menschen erreicht werden.
Gleichzeitig muss Mobilität für die unterschiedlichsten
Anforderungen sichergestellt werden. Um diese Ziele
zu erreichen, dient uns der nachhaltige Mobilitätsplan
„Besser durch Köln“ als umfassender Wegweiser und
Handlungsrahmen.
Ich freue mich, dass uns mit Abschluss der ersten Stufe des nachhaltigen Mobilitäts-
plans nun eine klare übergeordnete Strategie vorliegt. Für die Erarbeitung haben wir
Zielbilder aus Sicht der Verkehrsteilnehmenden definiert und durch die eingehende
Untersuchung des aktuellen Zustands der Mobilität in Köln wertvolle Erkenntnis-
se für unseren künftigen Handlungsplan abgeleitet. Dabei flossen das Wissen, die
Erfahrungen und die Wünsche zahlreicher Menschen und Institutionen ein. In regel-
mäßigen Terminen mit Expert*innen und der organisierten Stadtgesellschaft sowie
durch die fortlaufende Beteiligung der Bürger*innen sind wir bei der Entwicklung in
einen kontinuierlichen Dialog getreten. Diese breite Bürger*innenbeteiligung wurde
bundesweit besonders positiv wahrgenommen und sogar prämiert.
Über all diese Schritte informiert Sie der vorliegende Abschlussbericht zur ersten
Stufe. Sie werden beim Lesen feststellen, dass wir die Strategie noch mit konkreten
Maßnahmen und klar formulierten Ressourcen hinterlegen müssen, um die definier-
ten Ziele zu erreichen. Diese Aufgabe ist Teil der noch anstehenden zweiten Stufe zur
Entwicklung des nachhaltigen Mobilitätsplans.
Auch dabei werden wir großen Wert auf eine breite Beteiligung legen.
Ich freue mich auf diesen Dialog und Ihre Unterstützung.
Ihr
Ascan Egerer, Beigeordneter für Mobilität
6
Die Oberbürgermeisterin
Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Visualisierungen
Jan Buckard/tippingpoints GmbH, Bonn
Satz
rheinsatz, Köln
13-St/68/02.2025
7
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Oberbürgermeisterin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Vorwort des Beigeordneten für Mobilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Der Weg zur Strategie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Beteiligungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Grundlagenanalyse (AP 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Auswertung bestehender Konzepte und politischer
Beschlüsse ................................................. 20
Bewertung bestehender Konzepte und politischer
Beschlüsse ................................................. 22
Leitbild und Ziele (AP 2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Leitbildentwicklung ........................................ 27
Zielindikatoren ............................................. 36
Handlungsfelder ........................................... 38
Analyse (AP 3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Status quo- und Chancen- und Mängelanalyse ........... 40
Vorläufige Zielwerte ........................................ 47
Strategie (AP 4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Stellschrauben ............................................. 51
Strategieszenarien ......................................... 55
Bewertung der Strategieszenarien ........................ 58
Der Kern der Strategie: das Zielszenario . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Gesamtstadt – Gemeinsam gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
Innenstadt – Platz für Begegnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Innere Stadt – Zuhause in meinem Veedel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
Äußere Stadt – Grün und gut verbunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Zielwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
Anhang: Strategieszenarien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
8
Abkürzungen
AP Arbeitspaket
CO₂ Kohlenstoffdioxid
CO₂e Kohlenstoffdioxid-Äquivalente
EU Europäische Union
EW Einwohner*innen
HVZ Hauptverkehrszeit (zwischen 6:30 Uhr und 9:00 Uhr)
Kfz Kraftfahrzeug
km Kilometer
KVB Kölner Verkehrs-Betriebe
MIV Motorisierter Individualverkehr
MRV Mobilitätsrelevantes Verkehrsnetz
NRW Nordrhein-Westfalen
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
PESTEL politische (Political), wirtschaftliche (Economic), soziale (Social),
technologische (Technological), ökologische (Environmental) und
rechtliche (Legal) Trends
Pkw Personenkraftwagen
Pkm Personenkilometer
PM10 Feinstaub
SULP Sustainable Urban Logistics Plan
SPNV Schienenpersonennahverkehr
SUMI Sustainable Urban Mobility Indicators
SUMP Sustainable Urban Mobility Plan
SVZ Schwachverkehrszeit (zwischen 20:00 Uhr und 23:00 Uhr)
TEN-V Transeuropäisches Verkehrsnetz
THG Treibhausgas
VEP Verkehrsentwicklungsplan
9
Einleitung
10
Einleitung
Die Entwicklung einer zukunftsfähigen Mobilität ist eine der zentra-
len Herausforderungen für wachsende Städte im 21. Jahrhundert.
Insbesondere in Stadtregionen wie Köln, die von vielfältigen sozialen,
ökologischen und ökonomischen Dynamiken geprägt sind, erfordert
die Mobilitätsplanung eine strategische und integrierte Herange-
hensweise. Der vorliegende Bericht dokumentiert die Ergebnisse
der ersten von zwei Stufen zur Erarbeitung des nachhaltigen Mobili-
tätsplans „Besser durch Köln“ , der auf die Verwirklichung einer sozial
gerechten, ökologisch verantwortungsvollen und wirtschaftlich trag-
fähigen Mobilität bis 2035 abzielt.
Der letzte umfassende Kölner Mobilitätsplan (damals „Gesamtver-
kehrskonzept“ genannt) stammt aus dem Jahr 1992. Das derzeit
noch für die Mobilitätsplanung leitende Strategiepapier „Köln Mobil
2025“ wurde in 2014 erarbeitet. Dementsprechend sind die Pläne
nicht mehr aktuell um bedürfen einer Aktualisierung. Der hier vorlie-
gende nachhaltige Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ berücksichtigt
alle Verkehrsträger sowie die Verflechtungen mit der Region. Er kon-
kretisiert außerdem die Ziele der 2021 durch den Rat der Stadt Köln
beschlossenen „Kölner Perspektiven 2030+“ im Bereich Mobilität
und bildet darüber hinaus ein wichtiges Instrument, um einen sekto-
ralen Beitrag für das Erreichen der Klimaneutralität Kölns bis 2035
zu leisten.
Die Erarbeitung folgt dem Konzept des „Sustainable Urban Mobility
Plan“ (SUMP), einem einheitlichen Standard für die Mobilitäts-
planung europäischer Städte. Hintergrund ist die europäische
TEN-V-Verordnung1, die vorsieht, dass die 432 Städte, die als städ-
tischer Knotenpunkt („urban node“) Teil des transeuropäischen
Verkehrsnetzes sind, bis Ende 2027 einen SUMP erstellt haben sol-
len und dieser politisch beschlossen sein soll. In Deutschland gibt es
78 dieser Knotenpunkte, darunter auch Köln.
Der Erarbeitungsprozess der hier adressierten ersten Stufe erstreck-
te sich über den Zeitraum von Herbst 2022 bis Ende 2024. In dieser
Zeit wurde eine umfassende Bestands- sowie Chancen- und Män-
gelanalyse vorgenommen, ein Leitbild mit fünf Zielbildern entwickelt
und die Strategie für die zukünftige Mobilität in Köln in einem Ziel-
szenario definiert.
1 BMDV (2023): Transeuropäische Verkehrsnetze (TEN-V), https:/ /bmdv.bund.
de/SharedDocs/DE/Artikel/G/transeuropaeische-verkehrsnetze.html
10
11
Besonders hervorzuheben ist der umfassende Beteiligungspro-
zess, der die Erarbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans begleitet.
Verwaltungsintern wurde der Prozess durch eine thematisch breit
gefächerte Projektgruppe sowie einen Lenkungskreis auf Ebene
der Beigeordneten bearbeitet. Zudem wurden zahlreiche Fachak-
teur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
einbezogen. Darüber hinaus wurden die vielfältigen Perspektiven
der breiten Öffentlichkeit auf intensive Weise berücksichtigt. Mit
einer Mischung aus bewährten und innovativen Formaten wie einem
Mobilitätsbeirat, Runden Tischen, Online-Beteiligungen, aufsuchen-
den Öffentlichkeitsbeteiligungen und einer gesonderten Kinder- und
Jugendbeteiligung wurde ein breites Spektrum an Meinungen und
Bedürfnissen eingefangen. Die Stadt Köln erhielt für diesen vor-
bildlichen Partizipationsprozess im Jahr 2024 die bundesweite
Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“2. Dieser Preis wird jährlich
durch das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung e. V. in Kooperation
mit dem Berlin Institut für Partizipation vergeben und ist ein Beleg
für die gelungene Integration vielfältiger Interessen und Sichtweisen.
Der hier vorliegende Bericht liefert eine fundierte Grundlage für die
zweite Stufe des Prozesses, in der ein konkreter Maßnahmen- und
Umsetzungsplan sowie ein Evaluationskonzept entwickelt werden,
um die Vision des nachhaltigen Mobilitätsplans umzusetzen und
sicherzustellen.
Köln möchte mit dem gewählten Ansatz nicht nur die Mobilität zu-
kunftsorientiert weiterentwickeln, sondern auch als Vorbild für
andere Städte wirken. Es soll aufgezeigt werden, wie Nachhaltig-
keitsziele mit einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz verbunden
und umgesetzt werden können.
2 https:/ /gutebeteiligung.de/koeln-nachhaltiger-mobilitaetsplan-besser-
durch-koeln/
12
Der Weg zur Strategie
13
Der Erstellungsprozess der ersten Stufe des nachhaltigen Mobili-
tätsplans in Köln wurde in vier Arbeitspakete (AP) gegliedert. In AP 1
(Grundlagenanalyse) wurden zunächst die Grundlagen zur Mobilität
in Köln untersucht. Darauf aufbauend wurde in AP 2 (Leitbild und
Ziele) das Leitbild „Besser durch Köln“ mit seinen dazugehörigen
Zielbildern und Zielindikatoren entwickelt. AP 3 (Analyse) beinhalte-
te einer Status quo-Analyse, um zu ermitteln, wo Köln im Verhältnis
zum Leitbild heute steht und welche Chancen bzw. welche Mängel
sich daraus ableiten lassen. Im AP 4 (Strategie) wurde auf dieser
Grundlage ein Zielszenario entwickelt. Das Zielszenario kann als
der Weg verstanden werden, der das Leitbild unter der Beachtung
der vorherrschenden Chancen und Mängel am besten verwirk-
licht. Zu diesem Zweck wurden zunächst drei Strategieszenarien mit
verschiedenen Schwerpunkten erstellt, bewertet und miteinander
verglichen, um daraus abschließend das Zielszenario für den Zeitho-
rizont bis 2035 abzuleiten.
Abbildung 1: Arbeitspakete der ersten Stufe zur Erstellung des
nachhaltigen Mobilitätsplans
AP 1
Grundlagen
AP 2
Leitbild und Ziele
AP 3
Analyse
AP 4
Strategie
1.1
Auswertung Konzepte
1.2
Auswertung politischer
Beschlüsse
1.3
Bewertung der
Datenlage
2.1
Leitbild und Ziele
2.2
Zielindikatoren
3.1
Status quo-Analyse
3.2
Chancen- und
Mängelanalyse
4.1
4.2
Szenarienentwicklung
4.3
Szenarienbewertung
Zielszenarien und
Zielwerte
In den folgenden Kapiteln wird die Vorgehensweise in den einzel-
nen Arbeitspaketen erklärt, um die Entwicklung des Zielszenarios
transparent herzuleiten. Dabei wird zunächst die methodische
Vorgehensweise erläutert und anschließend auf die wichtigsten Er-
gebnisse und Erkenntnisse eingegangen.
14
Der Weg zur Strategie
Beteiligungsprozess
Der nachhaltige Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ wird unter
umfassender Einbeziehung der Verwaltung sowie relevanter Fach-
akteur*innen und der breiten Öffentlichkeit erarbeitet. Abbildung 2
zeigt das Zusammenspiel zwischen der Mobilitätsplanung und der
Beteiligung im gesamten Prozessverlauf. Die vielfältigen Formate
zeigen deutlich auf, dass die Belange der Stadtgesellschaft bei der
Erarbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans umfassend berück-
sichtigt wurden. Im Folgenden wird ein Überblick über die Formate
und ihre jeweiligen Funktionen gegeben.
Abbildung 2: Beteiligungsformate zum nachhaltigen Mobilitätsplan
Januar Februar M ärz April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Rund er Tisch Mobilität & Gesells chaft
I 13.03.2023
Nachhaltiger Mobilitätsplan Köln
Mobilitätsplanung und Beteiligungsformate in den Arbeitspaketen 1 bis 4Mobilitäts-
pl anung
Projektgruppe
Bete iligung Online-Beteiligung Mobilitätsforum
I 23.09.2023
Okt.–Dez.
[A P 2 ] Leitbild
[A P 3] Chancen-Mängel-Analyse
2022 2023
[A P 1]
Grun d-
lagen
Mobilitätsbeirat 1
I 06.12.2022
Mobilitätsbeirat 2
I 28.03.2023
Mobilitätsbeirat 3
I 13.06.2023
Mobilitätsbeirat 4
I 26.09.2023
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mob.
I 09.03.2023
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mobilität
I 05. 06.2023
Au fsuchende Beteiligung
Regionalfo rum
I 12.06.2023
Kinder- & Jugen dbeteiligung
Einzelgesp räche mit Fachakteuren
15. – 22.09.2023
Au fsuchende Beteiligung
26. – 28.05.2023
01. – 14.02.2023
27.02. – 17.03.2023
Juni/ Juli 2023
Januar Februar M ärz April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Rund er Tisch Mobilität & Gesellschaft
I 29.02.2024
Januar
Online-Beteiligung
[A P 4] Strategieentwicklung
2024 2025
Mobilitätsbeirat 5
I 30.01.2024
Mobilitätsbeirat 6
I 22.03.2024
Mobilitätsbeirat 7
I 03.06.2024
Mobilitätsbeirat 8
I 08.10.2024
Mobilitätsbeirat 9
I 03.12.2024
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mobilität
I 22.01.2024
Regionalfo rum
I 12. 12.2024
Au fsuchende Beteiligung
I 24.–25.05.2024
I 11.–28.04.2024
Rund er Tisch
Mobilität & Gesellschaft
I 27.11.2024
Lenkungskreis
15
Abbildung 2: Beteiligungsformate zum nachhaltigen Mobilitätsplan
Januar Februar M ärz April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Rund er Tisch Mobilität & Gesells chaft
I 13.03.2023
Nachhaltiger Mobilitätsplan Köln
Mobilitätsplanung und Beteiligungsformate in den Arbeitspaketen 1 bis 4Mobilitäts-
pl anung
Projektgruppe
Bete iligung Online-Beteiligung Mobilitätsforum
I 23.09.2023
Okt.–Dez.
[A P 2 ] Leitbild
[A P 3] Chancen-Mängel-Analyse
2022 2023
[A P 1]
Grun d-
lagen
Mobilitätsbeirat 1
I 06.12.2022
Mobilitätsbeirat 2
I 28.03.2023
Mobilitätsbeirat 3
I 13.06.2023
Mobilitätsbeirat 4
I 26.09.2023
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mob.
I 09.03.2023
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mobilität
I 05. 06.2023
Au fsuchende Beteiligung
Regionalfo rum
I 12.06.2023
Kinder- & Jugen dbeteiligung
Einzelgesp räche mit Fachakteuren
15. – 22.09.2023
Au fsuchende Beteiligung
26. – 28.05.2023
01. – 14.02.2023
27.02. – 17.03.2023
Juni/ Juli 2023
Januar Februar M ärz April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Rund er Tisch Mobilität & Gesellschaft
I 29.02.2024
Januar
Online-Beteiligung
[A P 4] Strategieentwicklung
2024 2025
Mobilitätsbeirat 5
I 30.01.2024
Mobilitätsbeirat 6
I 22.03.2024
Mobilitätsbeirat 7
I 03.06.2024
Mobilitätsbeirat 8
I 08.10.2024
Mobilitätsbeirat 9
I 03.12.2024
Fo rum MIV-Grundnetz & Kfz-Mobilität
I 22.01.2024
Regionalfo rum
I 12. 12.2024
Au fsuchende Beteiligung
I 24.–25.05.2024
I 11.–28.04.2024
Rund er Tisch
Mobilität & Gesellschaft
I 27.11.2024
Lenkungskreis
Der Beteiligungsprozess der Verwaltung gestaltet sich wie folgt:
› Auf der Arbeitsebene wurde eine Projektgruppe mit beteiligten
Dienststellen aus den acht Dezernaten gegründet. Insgesamt
nahmen Mitarbeitende aus 26 Dienststellen an den 15 durchge-
führten Sitzungen teil und bereiteten die Entscheidungen für den
Lenkungskreis gemeinsam vor.
› Auf Entscheidungsebene wurde ein Lenkungskreis mit acht
Beigeordneten der Stadt gegründet. Es fanden insgesamt neun
Sitzungen statt.
16
Der Weg zur Strategie
Die Einbeziehung der Fachakteur*innen erfolgte in den folgenden
fünf Formaten3:
› Der Mobilitätsbeirat4 ist das zentrale Beratungsgremium zum
nachhaltigen Mobilitätsplan. Er wurde mit Beschluss des Ver-
kehrsausschusses5 der Stadt Köln vom 23. August 2022 ins
Leben gerufen und besteht aus 27 Fachakteur*innen aus Wissen-
schaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Der Mobilitätsbeirat
tagte bis Ende 2024 insgesamt neun Mal.
› Der Runde Tisch Mobilität und Gesellschaft hat die Aufgabe, die
soziale Perspektive des Mobilitätswandels in Köln zu beleuch-
ten. In diesem Format kommen etwa 20 zufällig ausgewählte
Kölner*innen sowie 20 Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher
Gruppen (zum Beispiel Sozialverbände, Gewerkschaften, Arbeit-
geber*innen, Vertretungen von gesellschaftlichen Gruppen)
zusammen und bewerten in drei Sitzungen die Zwischenergeb-
nisse der Mobilitätsplanung.
› Das Forum MIV-Grundnetz und Kfz-Mobilität hat den inhalt-
lichen Fokus auf die Kfz-Mobilität in Köln. Einberufen wurde es
auf Grundlage eines Ratsbeschlusses6 als Begleitgremium für die
Erarbeitung des sogenannten MIV-Grundnetzes für Köln. Es tagte
drei Mal. Die Planungen zum MIV-Grundnetz liefen parallel zur
ersten Stufe des SUMP . In Stufe zwei des SUMP wird eine integ-
rierte Netzbetrachtung erfolgen.
› Das Regionalforum dient dem Austausch mit den Nachbarkom-
munen. Die intensiven verkehrlichen Verflechtungen mit dem
Umland müssen nicht nur mitgedacht, sondern die Entwicklun-
gen, Perspektiven und Expertisen aus dem Umland müssen aktiv
einbezogen werden. Das Gremium tagte während der Projekt-
laufzeit zwei Mal.
3 https:/ /www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/mobilitaet/
nachhaltiger-mobilitaetsplan/beteiligung-von-fachleuten-fuer-den-nachhaltigen-
mobilitaetsplan
4 https:/ /www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/ausschuesse-und-
gremien/mobilitaetsbeirat
5 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=109473
6 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=100183
17
› Ergänzend zu diesen Formaten wurden im Sommer 2023 Einzel-
gespräche mit 16 Fachakteur*innen geführt. Diese Gespräche
dienten einem gesonderten fachlichen Feedback zur bisherigen
fachlichen Ausgestaltung sowie zum Beteiligungsprozess und der
begleitenden Kommunikation.
Auch zur Einbeziehung der Kölner Bevölkerung wurden fünf ver-
schiedene Formate durchgeführt. Neben dem Runden Tisch
Mobilität und Gesellschaft, in dem auch zufällig ausgewählte Bür-
ger*innen mitwirkten, fand die Beteiligung der Öffentlichkeit in Form
der folgenden Formate statt:
› Im Laufe des Prozesses wurden über das Beteiligungsportal
www.meinungfuer.koeln der Stadt Köln zwei Online-Beteiligun-
gen durchgeführt:
– Die erste Online-Beteiligung7 fand zu Beginn des Prozesses
statt. Sie bestand aus zwei Modulen: einer Einschätzung zur
Mobilität im Jahr 2035 als Grundlage für die Erarbeitung des
Leitbildes sowie einer Befragung zu den bereits sehr konkre-
ten Plänen in Bezug auf die Erstellung des MIV-Grundnetzes.
– Die zweite Online-Beteiligung8 wurde im Frühjahr 2024
durchgeführt. Sie fügte sich in die Phase der Strategieent-
wicklung (AP 4) ein und stellte die „Stellschrauben“ für die
Gestaltung der Mobilität in Köln in den Mittelpunkt. Diese
konnten sortiert nach Handlungsfeldern priorisiert und kom-
mentiert werden.
› Die breite Öffentlichkeit wurde im Rahmen einer aufsuchenden
Beteiligung9 eingebunden. An acht Tagen im September 2023
fand diese an 12 verschiedenen Standorten in allen neun Stadt-
bezirken statt, um die Menschen in ihrem direkten Lebensumfeld
auf ihre Perspektive zu den Stärken und Schwächen der aktuellen
Mobilitätssituation in Köln anzusprechen. Zusätzlich wurde im
Rahmen des polisMOBILITY Camps im Mai 2023 und Mai 202410
umfassend über den nachhaltigen Mobilitätsplan informiert.
Dabei wurden ebenfalls die Stärken und Schwächen der Kölner
7 https:/ /meinungfuer.koeln/group/31/content/166
8 https:/ /meinungfuer.koeln/mobilitaetsplan/online-beteiligung-2024
9 https:/ /meinungfuer.koeln/node/10257
10 https:/ /meinungfuer.koeln/sites/default/files/files/240826_sump_k_
polis24_doku_uberarbeitet_ohne-kommenti-erung_bfrei.pdf und
https:/ /www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/25834/
index.html
18
Der Weg zur Strategie
Mobilität diskutiert und mobilitätsbezogene Bedürfnisse und
Konflikte aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
› Auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker fand im
September 2023 das Mobilitätsforum zum nachhaltigen Mobili-
tätsplan im historischen Rathaus statt. In Kleingruppen wurde an
fünf Themenbereichen des nachhaltigen Mobilitätsplans gearbei-
tet. Im Rahmen einer begleitenden Ausstellung wurden zudem
das Leitbild und die fünf Zielbilder gemeinsam mit den zusam-
mengeführten Ergebnissen aus der aufsuchenden Beteiligung
präsentiert. Die Teilnehmenden konnten die Zwischenergebnisse
durch weitere Einschätzungen zu den Chancen und Mängeln der
Kölner Mobilität sowie durch konkrete ortsspezifische Beispiele
ergänzen.
› Im Rahmen der Kinder- und Jugendbeteiligung11 wurden die Teil-
nehmenden in ihrem räumlichen und sozialen Umfeld befragt. An
diesem Format wirkten 25 Schulen sowie Kinder- und Jugendein-
richtungen aus allen neun Kölner Stadtbezirken mit. So konnten
insgesamt 282 Kinder und 337 Jugendliche eingebunden werden,
für die zwei verschiedene Bearbeitungspakete erstellt wurden.
Alle teilnehmenden Klassen bzw. Gruppen erhielten ein Beteili-
gungspaket, das aus je drei Modulen bestand. Die Bearbeitung
erfolgte gleichermaßen in Eigenarbeit wie in Gruppenarbeit. Die
Ergebnisse flossen in die Ausarbeitung des Leitbildes ein.
11 https:/ /meinungfuer.koeln/group/31/content/167
19
Ausgezeichnete Beteiligung
Für den qualitativ hochwertigen Beteiligungsprozess zum nach-
haltigen Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ erhielt die Stadt Köln
im Oktober 2024 die Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ des
Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung e. V.. Das Kompetenzzen-
trum vergibt diese Auszeichnung jährlich in Kooperation mit dem
Berlin Institut für Partizipation an kommunale Akteur*innen. Aus-
gezeichnet werden herausragende Projekte, die als Beispiel für gute
Bürger*innenbeteiligung dienen. Im Jahr 2024 wurden von mehr als
50 Bewerbungen vier Projekte prämiert, darunter der nachhaltige
Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ .
In ihrer Begründung für die Auszeichnung lobte die Jury besonders
die Vielzahl der Beteiligungsformate zur Erreichung möglichst vieler
Zielgruppen und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen
in der Stadt und der Region. Das Partizipationsdesign gehe weit über
das durchschnittliche Mitwirkungsangebot anderer Städte hinaus.
Köln habe eine umfassende, gut abgestimmte und wirksame Form
der Beteiligung realisiert. Besonders hervorzuheben sei auch, dass
es der Stadt gelungen sei, dieses komplexe Design zeitgerecht, qua-
litativ hochwertig und aufeinander abgestimmt umzusetzten. Das
Leitbild sowie der Chancen- und Mängelbericht haben eine breite
Zustimmung in Politik und Gesellschaft erfahren. Das Kölner Verfah-
ren könne somit als beispielhaft und vorbildlich für die partizipative
Erstellung von Mobilitätsplanungen angesehen werden.
Das Foto zeigt die
beiden Projektmit-
arbeiterinnen Barbara
Pauli und Friederike
Christian (Mitte) bei der
Preisverleihung .
© Foto: Tanea Sommer
20
Der Weg zur Strategie
Grundlagenanalyse (AP 1)
Zu Beginn der Bearbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans wurden
zunächst Grundlagen zusammengetragen, ausgewertet und ana-
lysiert. Bestehende Richtlinien, Konzepte und Beschlüsse wurden
gesichtet und eingeordnet sowie hinsichtlich ihres Ambitionsni-
veaus bewertet. Ziel war es, bestehende Planungen und langfristige
Konzepte sinnvoll zu verknüpfen und an die Anforderungen einer
klimafreundlichen und wachsenden Stadt anzupassen. Die Vor-
gehensweise und Ergebnisse dieses Arbeitspakets werden im
Folgenden zusammenfassend dargestellt.
Auswertung bestehender Konzepte und politischer Beschlüsse
Um sicherzustellen, dass bei der Entwicklung des nachhaltigen
Mobilitätsplans keine bestehenden Vorgaben übersehen werden
und der Inhalt mit den relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen
im Einklang steht, wurden diese zunächst systematisch zusammen-
gefasst und geprüft. Die Ziele des Kölner Mobilitätsplans müssen
unter anderem die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes des Bun-
des erfüllen und eine signifikante Reduzierung der Treibhausgas
(THG)-Emissionen im Rahmen der vorgegebenen Minderungsziele
anstreben. Es wurden zunächst Richtlinien auf nationaler und EU-
Ebene und deren Relevanz für den nachhaltigen Mobilitätsplan
zusammengetragen und gesichtet. Zu jedem der Themenbereiche
Klimaneutralität/
Treibhausgase
Luftreinhaltung
Lärmschutz
Emissionsfreie
Fahrzeuge
Verkehrs-
sicherheit
Klimaschutzgesetz
Luftqualität und
saubere Luft für
Europa
6. Teil des BImSchG
& Verordnung über
Lärmkartierung
(34. BImSchV)
Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-
Gesetz
1.
StVO +
Straßenverkehrs-
ordnungs-Novelle
2.
Abbiegeassistent
Green Deal
Luftqualität und
saubere Luft für
Europa
Umgebungslärm-
richtlinie
Clean Vehicle
Directive
1.
Vision Zero
2.
Abbiegeassistent
Vorherrschende Richtlinie
Untergeordnete Richtlinie
Abbildung 3: Vorherrschende und untergeordnete Richtlinien
in der EU und nationalen Gesetzgebung
21
gibt es vorherrschende und untergeordnete Richtlinien und
gesetzliche Vorgaben, die als Orientierung für den nachhaltigen Mo-
bilitätsplan herangezogen wurden (siehe Abbildung 3). Dabei wurden
die EU-Richtlinien grundsätzlich als vorherrschende Richtlinien he-
rangezogen. Wurden diese durch nationale Richtlinien konkretisiert,
gelten diese als ausschlaggebend.
Darüber hinaus wurden Konzepte und Beschlüsse der Stadt Köln
analysiert und Schnittstellen zu Konzepten anderer Fachbereiche
hergestellt. Als besonders relevant und themenfeldübergreifend
wurden die folgenden fünf Konzepte eingeordnet:
› Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
› Köln Mobil 2025
› Strategie klimaneutrales Köln 2035
› Luftreinhalteplan bzw. Green City Masterplan
› Agglomerationskonzept Köln/Bonn e. V.
Diese Konzepte dienen als Leitlinien, die im nachhaltigen Mobilitäts-
plan weiterentwickelt und im Hinblick auf das Themenfeld Mobilität
konkretisiert werden.
Zusätzlich wurden die folgenden gesamtstädtischen Beschlüsse als
besonders relevant für die Ausrichtung des nachhaltigen Mobilitäts-
plans identifiziert und ausgewertet:
› Klimanotstand (2081/2019)12
› Klimaneutralität 2035 (AN/1377/2021)13
› SUMP-Beschluss (2609/2019)14
› SUMP-Bedarfsfeststellung (0313/2021)15
› MIV-Grundnetz (AN/0566/2021)16
› Gesamtnetzbetrachtung (AN/0171/2019).17
Diese Ratsbeschlüsse sind als richtungsweisende Entscheidungen
aufzufassen.
12 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=87854
13 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=102307
14 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=89634
15 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=99133
16 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=100183
17 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=84550
22
Der Weg zur Strategie
Der SUMP-Beschluss und die SUMP-Bedarfsfeststellung enthal-
ten neben dem grundlegenden Beschluss für die Ausarbeitung des
nachhaltigen Mobilitätsplans auch konkrete Ziele und Richtungsvor-
gaben, die für den Bearbeitungsprozess wegweisend sind.
Bewertung bestehender Konzepte und politischer Beschlüsse
Zur Beschreibung der Ausgangslage wurden die bestehenden sekto-
ralen und themenfeldübergreifenden Konzepte und Beschlüsse mit
Blick auf fünf Themenfelder beurteilt:
› Rad- und Fußverkehr
› Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
› Motorisierter Individualverkehr (MIV)
› Neue Mobilität (Bsp.: Sharing-Angebote, Digitale Vernetzung,
Mobilstationen)
› Logistik
Bei der Beurteilung stand der Mensch im Fokus, das heißt die
verkehrsträgerorientierten Themenfelder wurden stets im Zusam-
menhang mit den Bedürfnissen und Anforderungen der Menschen
betrachtet. Für die Beurteilung wurden für jedes Themenfeld spezi-
fische Maßnahmenkategorien entwickelt und diese mit Maßnahmen
hinterlegt, die in den Konzepten bereits verankert sind. Beispiels-
weise wurde das Themenfeld ÖPNV mit den Maßnahmenkategorien
„Nachhaltige Antriebe“ und „Sicherstellung attraktive Grundver-
sorgung“ spezifiziert. Die Maßnahmenkategorie „Nachhaltige
Antriebe“ wurde wiederum mit den Maßnahmen „Elektrifizierung der
ÖPNV-Flotte“ und „Laden mit Öko-Strom“ operationalisiert (siehe
Abbildung 4).
23
Abbildung 4: Bewertungsbeispiel Themenfeld ÖPNV mit
spezifischen Maßnahmenkategorien und möglichen Maßnahmen
5 Maßnahmen-Kategorien
› Nachhaltige Antriebe
› Sicherstellung attraktive Grundversorgung
› Qualitätsoffensive auf Kernrelationen
› Innovation und Automatisierung
› Zugänglichkeit und Einfachheit
Nachhaltige Antriebe
› Elektrifizierung der ÖPNV-Flotte
› Modernisierung Betriebshöfe, zum Beispiel
Ladeinfrastruktur und Umlaufoptimisierung
› Laden auf Strecken, zum Beispiel opportunity
charging und in-motion charging
› Laden mit Ökostrom
Innovation und Automatisierung
› Automatisierung von Bahn, Bussen und
Betriebshöfen
› Digitaler Vertrieb und Information
› Multimodale Integration (zum Beispiel Sharing, MaaS)
› Einführung/Ausweitung innovativer Angebots-
formen (zum Beispiel On-Demand, Seilbahn,
Wasserbus)
Sicherstellung attraktive Grundversorgung
› Ausbau Infrastruktur, zum Beispiel Verlängerung
von Bestandslinien, Schaffung zusätzlicher
Strecken und Linien
› Ausweitung der Betriebszeiten, zum Beispiel
frühere Beginn/Ende oder mehr 24/7 Linien
› Neue Haltestellen auf Bestandslinien
› Zusätzliche Umsteigemöglichkeiten und
direktere Linienführungen
Qualitätsoffensive auf Kernrelationen
› Größere, längere Fahrzeuge
› Taktverdichtungen auf Bestandslinien
› Expressbus-Linien
› Beschleunigung im Stadtverkehr (zum Beispiel
eigene Fahrspuren, Busschleusen, gesteuerte
Ampelschaltungen, Bevorzugung bei Baustellen)
Zugänglichkeit und Einfachheit
› Einfache und klare Komunikation
(zum Beispiel Fahrpläne, Fahrgastinformationen)
› Einfache und günstige Tarife
› Zusätzliche Zugänge zu Haltestellen und Bahnhöfen
› Komfortable und barrierefreie Haltestellen
und Fahrzeuge
› Umgestaltung von Angsträume an Haltestellen
und Bahnhöfen
Köln Mobil 2025
Kölner Perspektiven 2030+
Klimaneutralität 2035
3. Nahverkehrsplan
Infrastruktur-Planwerke
Agglomerationskonzept
Luftreinhalteplan/GCM
24
Der Weg zur Strategie
Um den aktuellen Stand der einzelnen Themenfelder in Köln zu
erfassen, wurden darauf aufbauend die in den Konzepten veranker-
ten Maßnahmen beurteilt. Als Referenz für die Bewertung wurden
Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten für jede der Maß-
nahmenkategorien recherchiert und mit den Maßnahmen in Köln
verglichen. Dafür wurden drei Bewertungskriterien genutzt: „politi-
sches Ambitionsniveau“ , „Messbarkeit“ und „Umsetzungsgrad“ . Die
Beurteilung erfolgte jeweils auf einer Skala von eins bis vier (siehe
Abbildung 5).
Abbildung 5: Beurteilung der Ausgangssituation in Köln anhand von drei
Bewertungskriterien, hier: Beispiel Themenfeld ÖPNV
Politisches
Ambitionsniveau
Vorreiter in
Deutschland und
international
Vorreiter unter
deutschen Städten
aber nicht
international
Vergleichbar
mit ähnlichen
deutschen
Städten*
Hinter ähnlichen
deutschen
Städten*
Messbarkeit
Haben messbare
Ziele, die auf
Gesamtziele
einzahlen
Haben durchgängig
messbar aber
isoliert stehende
Ziele
Haben vereinzelt
messbare Ziele
Keine messbaren
Ziele
* Städte mit mehr als ca. 600.000 Einwohner*innen
1
2
4
3
1
2
4
3
Umsetzungsgrad
Konzepte erstellt,
deren Ziele und
Maßnahmen
beschlossen
Konzepte erstellt
und deren Ziele
beschlossen
Erstellung der
Konzepte
beschlossen
Politische Ambitionen
bisher nur als
Willensbekundung
1
2
4
3
Das Ergebnis der Themenfeldanalyse zeigt für jedes der Themen-
felder auf, inwiefern die Ziele der Stadt ambitioniert, messbar und
umsetzungsbereit sind. Zusammenfassend lässt sich zu den einzel-
nen Themenfeldern Folgendes festhalten:
Rad- und Fußverkehr – Das Ambitionsniveau der Stadt Köln ist
vergleichbar mit anderen deutschen Großstädten. International kann
Köln in diesem Themenbereich nicht Schritt halten, andere Städte
verfolgen weitaus ambitioniertere Ziele. Messbare Ziele zur Quanti-
fizierung des Fortschritts sind teilweise festgelegt, sollten jedoch
zukünftig konsequent in der Maßnahmenentwicklung aufgenommen
werden.
25
ÖPNV – Köln hat viele Pläne für den Neu- und Ausbau des ÖPNV.
Um zu den Vorreitern in Deutschland zu gehören, muss die Stadt
allerdings noch weitergehen. Neben der Machbarkeitsstudie für
Wasserbusse gibt es beispielsweise nur wenige konkrete Ziele
und Maßnahmen im Bereich Innovation und Automatisierung des
ÖPNV. Köln verfolgt außerdem Ziele in Bezug auf Zugänglichkeit und
Barrierefreiheit, aber in anderen Bereichen (zum Beispiel benutzer-
freundliche Informationen) sind noch Anstrengungen erforderlich.
Die Ziele und Maßnahmen sollten in Zukunft stärker messbar wer-
den.
MIV – Köln ist auf einem guten Weg, ambitionierte Ziele für einen
stadtverträglichen MIV zu setzen. Mit dem MIV-Grundnetz und dem
Masterplan Parken hat die Stadt große Fortschritte gemacht und ist
damit anderen Vorreitern in Deutschland und Europa nähergekom-
men. Allerdings befinden sich die Ziele und Maßnahmen noch in der
Anfangsphase. Gleichzeitig könnte die Stadt ambitioniertere Ziele
und Maßnahmen in den Bereichen Verkehrsflussmanagement und
Verkehrssicherheit entwickeln. Im Bereich des MIV sind zwar viele
Ziele messbar, jedoch ist bislang keine durchgängige Messbarkeit
aller Ziele sichergestellt.
Neue Mobilität – Im europäischen Vergleich zeigt sich Köln beim
Thema Neue Mobilität im Mittelfeld. Das bisherige Ambitionsniveau
ist nicht überdurchschnittlich hoch, es sind keine besonders innova-
tiven Maßnahmen geplant. Die Messbarkeit der bereits erarbeiteten
Maßnahmen ist ebenfalls überschaubar und wenige Maßnahmen
wurden quantifiziert.
Logistik – In manchen Fällen liegt das Ambitionsniveau von Köln
höher als in anderen deutschen Städten, zum Beispiel bezüglich der
Förderung nachhaltiger Antriebe oder bezüglich des Lkw-Führungs-
konzepts. In anderen Aspekten liegt das Ambitionsniveau eher im
deutschen Durchschnitt. Zum Beispiel sind die Ziele zur Optimie-
rung von Teilen der Transportkette derzeit noch nicht ambitionierter
als die bestehenden Best-Practice-Standards. Außerdem haben
manche Maßnahmenkategorien bestenfalls vereinzelt messbare
Maßnahmen (zum Beispiel Nutzung von mit Wasserstoff betriebenen
Logistikfahrzeugen), während andere Kategorien derzeit noch nicht
mit messbaren Maßnahmen hinterlegt sind (zum Beispiel Lieferver-
kehr modernisieren).
26
Der Weg zur Strategie
Wichtige Beteiligungsformate in AP 1:
Mobilitätsbeirat
Der Mobilitätsbeirat18 begleitet den Erarbeitungsprozess des
nachhaltigen Mobilitätsplans seit Beginn. Somit spielte der Mobili-
tätsbeirat auch eine wichtige Rolle für die Erarbeitung der ersten
Grundlagen. Die erste Sitzung des Mobilitätsbeirats fand am
6. Dezember 2022 statt. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurde
eine sogenannte PESTEL-Analyse durchgeführt, mit der die Ein-
flussfaktoren auf die Mobilität in Köln betrachtet wurden. Analysiert
wurde, welche politischen (Political), ökonomischen (Economic),
sozialen (Social), technologischen (Technological), ökologischen
( Environmental) und rechtlichen (Legal) Faktoren die Entwicklung
der Mobilität in Köln beeinflussen.
18 https:/ /www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/ausschuesse-und-gre-
mien/mobilitaetsbeirat
27
Leitbild und Ziele (AP 2)
Das Leitbild zeigt auf, wie die Mobilität in Köln in Zukunft ausse-
hen kann und stellt somit eine Vision dar. Das Ziel des Leitbildes ist
es, die abstrakte Mobilitätsplanung mit einem klaren Zukunftsbild
begreifbar und konkret zu machen und bei Einzelmaßnahmen ver-
deutlichen zu können, auf welche Mobilitätszukunft diese einzahlen.
Die Entwicklung eines Leitbilds und zugehöriger Zielindikatoren
sind wichtig, um Orientierung in einem hochkomplexen Themen-
feld wie der städtischen Mobilität zu schaffen. Das Leitbild dient als
Richtungsweiser für andere städtische Konzepte und macht es nach-
vollziehbar, inwiefern sie einem übergeordneten Ziel folgen. Denn bei
vielen unterschiedlichen Einzelthemen mit häufig konträren inhalt-
lichen Schwerpunktsetzungen wird die Mobilitätsdiskussion schnell
unübersichtlich.
Das Leitbild wurde durch fünf Zielbilder konkretisiert. In den Zielbil-
dern wird beschrieben, wie die Mobilität in Köln zukünftig gestaltet
werden soll. Um Fortschritte bei der Zielerreichung messbar zu
machen, wurden für jedes Zielbild Zielindikatoren entwickelt. Die
Zielindikatoren dienen dazu, künftig evaluieren zu können, wie weit
die Stadt auf dem Weg zur Erreichung des Leitbilds vorangekommen
ist. In den nachfolgenden Unterkapiteln werden diese Arbeitsschritte
erläutert.
Leitbildentwicklung
Ein zentraler Aspekt bei der Entwicklung des Leitbildes und dessen
fünf Zielbilder ist eine klare Struktur, die eine zielgerichtete Kommu-
nikation ermöglicht. Zur Gestaltung und Entwicklung des Leitbildes
wurden verschiedene Interessenvertreter*innen beteiligt (siehe
Beteiligung). Zunächst wurden in verschiedenen Gremien wie dem
Lenkungskreis, dem Mobilitätsbeirat, der Projektgruppen sowie in
Interviews mit der Verwaltung Ideen gesammelt. Entlang der Frage
„Wie soll die Mobilität in Köln im Jahr 2035 aussehen?“ wurden
Attribute definiert, die ein positives Zukunftsbild beschreiben. Hier-
bei kristallisierten sich spezifische Ziele heraus, auf deren Basis
sich sukzessive das Leitbild entwickelte, welches vertieft und abge-
stimmt wurde.
28
Der Weg zur Strategie
Übergeordnet steht das Leitbild mit dem Titel: „Besser durch Köln“.
Der mit diesem Leitbild definierte Anspruch wird anschließend
in fünf konkretere Ziele heruntergebrochen und mit den im Be-
teiligungsprozess erarbeiteten Attributen beschrieben. Jedes Ziel
beschreibt einen Teilaspekt der Erfahrung, im Jahr 2035 besser
durch Köln zu kommen.
Jedes Ziel besteht wiederum aus vier Komponenten:
› Das Zielbild beschreibt in einem Satz aus der erläuternden „Ich-
Perspektive“ , wie sich die Mobilität im Jahr 2035 anfühlen soll.
Dies ist die Überschrift für jedes der fünf Zielbilder.
› Eine Zielbildvertiefung beschreibt die jeweiligen Inhalte genauer.
› Eine Visualisierung stellt darüber hinaus einen visuellen Eindruck
der zukünftigen Mobilität dar.
› Schließlich werden für jedes Ziel geeignete Zielindikatoren defi-
niert, die es messbar machen.
Diese Vorgehensweise trägt dazu bei, dass die Ziele greifbarer ge-
macht und alle betroffenen Personengruppen eingeschlossen
werden: Arbeitnehmer*innen, Pendler*innen und Gäste werden
ebenso mitgedacht wie Gewerbetreibende, Lieferant*innen und Ein-
satzkräfte wie Feuerwehr und Rettungsdienste.
Im Ergebnis formuliert das erarbeitete Leitbild einen klaren An-
spruch: „Besser durch Köln“ . In den fünf Zielbildern ausgedrückt,
bedeutet das:
29
Ich komme gut durch Stadt und Umland:
Mobilität ist schnell, zuverlässig und gut vernetzt .
Mobilität stärkt Kölns Attraktivität als Wohnort, Arbeitsort und Wirt-
schaftsstandort.
Auf dem Weg nach Köln, durch Köln und in das Umland kommen Be-
wohner*innen, Gäste, Arbeitnehmer*innen und Gewerbetreibende
angemessen schnell voran. Gut erhaltene Infrastruktur sowie intelli-
gente Verkehrsführung und -steuerung tragen zu einem optimierten
Verkehrsfluss auf den Kfz-Hauptrouten bei. Ein leistungsstarker
ÖPNV und gut ausgebaute, schnelle Radverbindungen bieten wirk-
liche Alternativen zum Pkw.
Mobilität ist zuverlässig. Die nächste ÖPNV-Station und geteilte
Mobilitätsangebote sind gut erreichbar. Busse und Bahnen sind
pünktlich und verkehren in attraktiven, gut abgestimmten Takten
und auch zu Tagesrandzeiten. Autonome Fahrzeuge tragen, je nach
Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung, zu einem flexib-
leren Angebot bei.
Bei der Weiterentwicklung der Infrastruktur wurden technische In-
novationen berücksichtigt. Mobilitätsangebote sind darüber hinaus
gut vernetzt. Digitale Angebote und Mobilstationen ermöglichen den
nahtlosen Übergang zwischen Sharing-Angeboten und öffentlichem
Verkehr. Ein Netz an Bike + Ride- sowie Park + Ride-Anlagen erleich-
tert intermodales Reisen, insbesondere auch auf Pendelstrecken.
Abbildung 6: Zielbild
„Ich komme gut durch
Stadt und Umland“
30
Der Weg zur Strategie
Ich erledige vieles direkt im Veedel:
Veedel ermöglichen kurze Wege, laden zum Verweilen
ein und stellen Erreichbarkeit sicher .
Die Kölner Veedel sind lebens- und liebenswerte Orte, die zur aktiven
Fortbewegung einladen.
Viele Orte des täglichen Lebens sind auf kurzem Wege zu Fuß oder
mit dem Rad zu erreichen. Hierzu tragen kompakte, durchmischte
und vielfältige Stadtteile bei. Die Nahversorgung und das nächste
Bezirkszentrum sind gut zu erreichen.
Die Veedel laden zum Verweilen ein. Die Neuverteilung des Stra-
ßenraums hat Platz für spielende Kinder, Begegnungen zwischen
Menschen und Stadtgrün geschaffen. Es fahren spürbar weniger
Autos und sie bewegen sich langsamer durch die Straßen.
Die Erreichbarkeit wird dabei sichergestellt. Einsatzkräfte, Hand-
werker*innen, Lieferant*innen und andere Gewerbetreibende
kommen ans Ziel. Mobilitätseingeschränkte Menschen haben Zu-
gang zu angemessener Mobilität und auch Patient*innen und
Kund*innen erreichen ihre Ziele.
Abbildung 7: Zielbild
„Ich erledige vieles
direkt im Veedel“
31
Ich kann am gesellschaftlichen Leben teilhaben:
Mobilität ist barrierefrei, bezahlbar und
eröffnet Chancen .
Mobilität ermöglicht es Menschen, selbstbestimmt und unabhängig
von Alter, Geschlecht, Gesundheit, familiärer Situation, Vermögen
oder Herkunft am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
Die Angebote des ÖPNV sind durchweg barrierefrei und auch im
Straßenraum wurde dieses Ziel umfangreich berücksichtigt, so dass
beispielsweise Senior*innen gut mobil sein können. Sollten relevante
Verkehrsmittel oder Infrastrukturen, zum Beispiel Aufzüge, einmal
ausfallen, so werden betroffene Menschen schnell über digitale An-
gebote informiert.
Mobilität ist bezahlbar. Jeder Mensch in Köln kann sich Fahrten mit
dem ÖPNV leisten. Dort wo Leistungen, die die Mobilität betreffen,
zukünftig mehr kosten, wie zum Beispiel beim Bewohnerparken,
werden diese sozial gerecht gestaltet.
Schließlich eröffnet Mobilität Chancen. Insbesondere Kölner Sozial-
raumgebiete sind gut angebunden und das Angebot ist nicht nur auf
klassische Pendelverkehre ausgelegt. Komplexere Wegeketten aus
Erledigungen und dem Holen und Bringen von Kindern sind gut ohne
eigenes Auto zurückzulegen. Auch Menschen, die beispielsweise
noch nicht lange in Deutschland leben oder Köln als Tourist*innen
besuchen, finden sich zurecht, denn Mobilität ist verständlich.
Abbildung 8: Zielbild
„Ich kann am gesell-
schaftlichen Leben
teilhaben“
32
Der Weg zur Strategie
Ich fühle mich wohl, wenn ich unterwegs bin:
Mobilität ist sicher, sauber und Menschen
nehmen Rücksicht aufeinander .
Köln ist ein lebendiger Ort und Menschen fühlen sich wohl, wenn sie
unterwegs sind.
Mobilität ist sicher. Kinder können sich im Umfeld ihres Wohnortes
und auf dem Schulweg sicher bewegen und Jugendliche autonom in
der Stadt unterwegs sein. Angsträume wurden konsequent reduziert
und ihrer Entstehung wurde bei neuen Angeboten von Beginn an
vorgebeugt. Schwere Unfälle sind die absolute Ausnahme.
Öffentliche Verkehrsmittel und Straßen sind sauber. Auch ein über-
sichtlicher und geordneter öffentlicher Straßenraum trägt zum
Wohlbefinden bei, denn so stehen Verkehrsmittel nicht im Weg.
Menschen nehmen aufeinander Rücksicht. Die Gestaltung der
Verkehrsinfrastruktur, Kontrollen und die Sensibilisierung für die Per-
spektiven aller Verkehrsteilnehmer*innen fördern mehr Miteinander
auf den Straßen unserer Stadt.
Abbildung 9: Zielbild
„Ich fühle mich wohl,
wenn ich unterwegs bin“
33
Ich bewege mich aktiv und tue etwas
für Umwelt und Klima:
Mobilität trägt zu einem gesünderen
Stadtleben bei und fördert Klimaneutralität
sowie die Anpassung an Klimafolgen .
Durchmischte Stadtteile vermeiden längere Wege durch die Stadt.
Attraktive Mobilitätsangebote, eine ÖPNV-orientierte Siedlungs-
entwicklung und mehr Sicherheit auf den Straßen motivieren die
Menschen in Köln, ihre Fortbewegung zunehmend auf das Zufußge-
hen, das Rad sowie öffentliche und Sharing-Angebote zu verlagern.
Bei den verbleibenden Kfz-Verkehren sind alternative, nachhaltige
Antriebsformen wie die Elektromobilität weit verbreitet. Die not-
wendige Ladeinfrastruktur ist vorhanden. Auch andere Technologien
wie Wasserstoffantriebe leisten, dort wo sie effizient und ökologisch
sinnvoll sind, einen Beitrag zur Antriebswende.
So trägt Mobilität zu einem gesünderen Leben für die in Köln
wohnenden Menschen bei, denn einerseits haben aktive Mobilitäts-
formen an Beliebtheit gewonnen und andererseits gibt es weniger
Lärm und Luftschadstoffe.
Auch die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors wurden auf-
grund dieser Maßnahmen stark reduziert und Mobilität in Köln leistet
einen wichtigen und den erforderlichen Beitrag zur Klimaneutralität.
Abbildung 10: Zielbild
„Ich bewege mich
aktiv und tue etwas für
Umwelt und Klima“
34
Der Weg zur Strategie
Schließlich trägt der Mobilitätssektor auch zur Anpassung an die
Folgen des Klimawandels bei. Entsiegelung und Begrünung von
Flächen bieten Abkühlung bei Hitze und erlauben Versickerung bei
Starkregen. Infrastruktur und Angebote im Mobilitätsbereich wur-
den so angepasst, dass sie den negativen Folgen des Klimawandels
trotzen können.
Um das Leitbild zu erreichen, müssen bei der weiteren Erstellung des
nachhaltigen Mobilitätsplans und seiner Umsetzung insbesondere
die folgenden Rahmenbedingungen und Anforderungen berücksich-
tig werden:
› Das Leitbild wird schrittweise realisiert.
› Köln ist auf die Unterstützung anderer politischer Ebenen und
Akteur*innen angewiesen.
› Das Leitbild muss auf technologische, gesellschaftliche, demo-
grafische und ökonomische Entwicklungen reagieren.
Das Leitbild mit seinen Zielbildern wurde am 7. September 2023
einstimmig vom Rat der Stadt Köln beschlossen (Vorlagen-Nr.
2060/2023)19 und verfügt somit über die größtmögliche politische
Legitimation. Dieses Fundament bildet nicht nur eine wichtige
Grundlage für die nächsten Arbeitspakete, sondern wird auch über
den Bearbeitungsprozess hinaus als klare Vision den Maßstab für
die weitere Mobilitätsentwicklung und konkrete Verkehrsplanungen
dienen.
19 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=116037
35
Beteiligungs-Highlight in AP 2:
Kinder- und Jugendbeteiligung
Das Leitbild stellt die Zukunftvision der Mobilität in Köln dar. Alle
Menschen sollen sich vorstellen können, wie die Mobilität in Köln
zukünftig aussehen soll. Dabei ist die Perspektive der Kinder und
Jugendlichen von besonderer Bedeutung. Darum wurde für dieses
Arbeitspaket – gemeinsam mit dem Amt für Kinder, Jugend und
Familie – ein eigenes Format zur Einbeziehung dieser beiden Ziel-
gruppen entwickelt.20
Für eine Begegnung auf Augenhöhe wurde mit 25 Schulen aus allen
neun Stadtbezirken kooperiert. Für die Jahrgangsstufen 3 und 4
sowie 8 und 9 wurden jeweils ein eigener, altersgerechter Fragen-
katalog entwickelt, der gemeinsam mit Lehrkräften im Unterricht
bearbeitet wurde. Die Fragen konzentrierten sich sowohl auf das
gegenwärtige Mobilitätserlebnis der Kinder (sowie deren Stärken
und Schwächen) als auch auf ihre Wünsche und Vorstellungen für
die Zukunft der Mobilität (Leitbild). Insgesamt konnten so die Pers-
pektiven von 282 Kindern und 337 Jugendlichen einbezogen werden.
20 https:/ /meinungfuer.koeln/group/31/content/167
Dieses Bild ist im Rah-
men der Kinder- und
Jugendbeteiligung
entstanden . Es zeigt,
wie sich eines der
teilnehmenden Kinder
den Straßenraum der
Zukunft vorstellt .
36
Der Weg zur Strategie
Zielindikatoren
Die Zielbilder beschreiben, wie die Mobilität in Köln zukünftig aus-
sehen soll. Um künftig herausfinden zu können, ob der richtige Weg
zur Erreichung dieser Zielbilder eingeschlagen wurde, ist es not-
wendig, den Fortschritt messbar zu machen. Dazu wurden für die
fünf Zielbilder jeweils Zielindikatoren definiert, die maßgeblich auf
den erarbeiteten Attributen der Zielbilder basieren. Für das Zielbild
„Ich fühle mich wohl, wenn ich unterwegs bin“ sind dies zum Beispiel
die Attribute „sicher“ , „sauber“ und „Rücksichtnahme“ . Aus diesen
Attributen wurden konkrete Zielindikatoren abgeleitet. Das Attribut
„sicher“ wurde beispielsweise mit den Zielindikatoren „Verkehrstote
und Schwerverletzte“ , „Unfallhäufungsstellen“ und „Wahrgenomme-
ne Sicherheit“ messbar gemacht.
Bei der Auswahl der Zielindikatoren waren drei Kriterien wichtig:
Bereits bestehende Festlegungen: Zu Beginn des Auswahlprozes-
ses wurde herausgearbeitet, welche Zielindikatoren bereits durch
bestehende Beschlüsse bzw. Konzepte der Stadt Köln festgelegt
oder etabliert sind (zum Beispiel CO₂e). Darüber hinaus wurden
gesetzliche Vorgaben (zum Beispiel zu Luftschadstoffen) und die
Sustainable Urban Mobility Indicators (SUMI) der EU und deren lau-
fende Überarbeitung berücksichtigt.
Relevanz für die Messung der definierten Ziele: Bereits während
der Erarbeitung der Zielbilder wurden diese mit möglichen Zielindi-
katoren abgeglichen. Nach der Fertigstellung des Leitbilds und der
Zielbilder wurden jene Zielindikatoren ausgewählt, die die darge-
stellte Mobilitätserfahrung am direktesten messbar machen. Dabei
wurden neben qualifizierbaren, das heißt objektiv messbaren auch
qualitative Zielindikatoren, die die subjektive Wahrnehmung wider-
spiegeln, aufgenommen.
Gute Messbarkeit: Schließlich wurde geprüft, ob die Stadt Köln be-
reits über Daten zur Messung des jeweiligen Indikators verfügt oder
ob eine sehr große Menge an neuen Daten erfasst werden müsste.
So wird sichergestellt, dass die definierten Zielindikatoren auch tat-
sächlich zum weiteren Prozess und zur längerfristigen strategischen
Steuerung beitragen können.
Letztlich wurden aus den fünf Zielbildern insgesamt 24 Zielindikato-
ren abgeleitet, die das Leitbild „Besser durch Köln“ messbar machen
(siehe Abbildung 11).
37
Abbildung 11: Leitbild, Zielbilder (in Grün) und Zielindikatoren (in Weiß
Leitbild: „Besser durch Köln“
Ich komme gut
durch Stadt und
Umland
Wahrgenommene
Aufenthaltsqualität
Ich erledige vieles
direkt im Veedel
Barrierefreiheit Haltestellen
Kostenbelastung
ÖPNV-Ticket
Erschließungsqualität ÖPNV
in Sozialräumen
Ich kann am
gesellschaftlichen
Leben teilhaben
Verkehrstote und
Schwerverletzte
Ich fühle mich
wohl, wenn ich
unterwegs bin
Luftschadstoffe (NO x, PM10)
Treibhausgase (CO 2 e)
Lärmbelastung
Ich bewege mich
aktiv und tue
etwas für Umwelt
und Klima
Modal Split
Wahrgenommene Sicherheit
Wahrgenommene Sauberkeit
Wahrgenommene
Rücksichtnahme
Anteil Kinder, die zu Fuß/mit
Fahrrad zur Schule kommen
Anteil kurze Wege
Reisezeitvergleich
Erschließungsqualität ÖPNV
Verspätungen und Ausfälle
ÖPNV
Stau MIV
Anzahl Mobilstationen pro
100.000 Einwohner*innen
Anzahl Sharing-
Mitgliedschaften
Veränderung in Anzahl
der Parkplätze
Ausbau Radwege
Anzahl und Nachhaltigkeit
von Pkw
Anzahl der Unfall-
häufungsstellen
38
Der Weg zur Strategie
Es wären eine Vielzahl weiterer Indikatoren denkbar. Die Anwendung
weiterer möglicher Indikatoren wurde im Rahmen des Prozesses
geprüft und deren Auswahl mit Hilfe der oben genannten Kriterien
abgewogen. Zur Gewährleistung der Übersichtlichkeit und Hand-
habbarkeit wurde die Auswahl auf 24 Zielindikatoren beschränkt. Im
Rahmen des in Stufe 2 zu erarbeitenden Evaluationskonzepts und
der Fortschreibung des SUMP können jederzeit weitere Indikatoren
aufgenommen werden, zum Beispiel um als Maßnahmenindikator
den Fortschritt einzelner Maßnahmen messbar machen.
Die Zielindikatoren dienen einem regelmäßigen Monitoring, mit dem
die Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans begleitet wird und
aus dem mögliche Anpassungsbedarfe abgeleitet werden können.
Wird beispielsweise der Zielwert für die Reduzierung von Treibhaus-
gasemissionen mit den vorgesehenen Maßnahmen absehbar nicht
erreicht, macht das Monitoring dieses Defizit sichtbar. Die Ursachen
dafür können dann frühzeitig erörtert und entsprechend nachge-
steuert werden. Die je Zielindikator festzulegenden Zielwerte sollen
bis zum Jahr 2035 erreicht werden.
Handlungsfelder
Im Zuge der Leitbilderarbeitung wurden die Handlungsfelder entwi-
ckelt, in denen das Mobilitätserlebnis für das Jahr 2035 beschrieben
wird. Sie bündeln planerische Ansätze entlang von Verkehrsmitteln
(zum Beispiel dem ÖPNV) bzw. Themengebieten (zum Beispiel der
Raumplanung und -nutzung). Die Handlungsfelder wurden weit-
gehend aus den Themenfeldern des ersten Arbeitspakets (der
Grundlagenanalyse) abgeleitet und erweitert. Neu hinzugekom-
men ist das Handlungsfeld „Raumplanung und -nutzung“ , das als
wichtiges Querschnittsthema dient. Diese Struktur wurde in der
Strategieentwicklung genutzt, um strategische Maßnahmen für das
Zielszenario zu entwickeln.
39
Im Einzelnen wurden folgende sieben Handlungsfelder bestimmt:
Fußverkehr
Radverkehr
ÖPNV
MIV
Multimodalität21
Wirtschafts- und Lieferverkehr
Raumplanung und -nutzung
21 Das Handlungsfeld umfasst sowohl die Themen Multimodalität als auch Inter-
modalität und neue Mobilität
40
Der Weg zur Strategie
Analyse (AP 3)
Im Leitbild wird beschrieben, wie die Mobilität in Köln im Jahr 2035
aussehen soll. Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen: „Wie
weit ist die Stadt Köln von der Verwirklichung des Leitbilds derzeit
entfernt?“ und „welche Chancen und Mängel bestehen im Status
quo?“ . Im Prozess der Erstellung des nachhaltigen Mobilitätsplans
wurden diese Fragen im Rahmen des AP 3 „Analyse“ behandelt, mit
dem Ziel, den aktuellen Stand der Mobilität in der Stadt zu erfas-
sen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Basis für die
darauffolgende Entwicklung des Zielszenarios. Die detaillierten Er-
gebnisse dieses Arbeitspakets lassen sich der Mitteilung 2281/2024
bzw. dem Zwischenbericht zur Analyse des Status quo sowie der
Chancen und Mängel entnehmen.22 Sie sind nachfolgend kurz zu-
sammengefasst:
Status quo- und Chancen- und Mängelanalyse
Als Grundlage für die Analyse dienten die 24 Zielindikatoren, die
den fünf Zielbildern des Leitbildes zugeordnet sind. Die Zielindika-
toren wurden zunächst beschrieben und je Zielindikator ein Status
quo-Wert ermittelt. Sofern möglich, wurde im Sinne einer differen-
zierteren räumlichen Betrachtung nach den Raumtypen Innenstadt,
Innere Stadt und Äußere Stadt unterschieden. Als Grundlage für die
räumliche Differenzierung diente der „Köln-Katalog“ , eine Planungs-
grundlage für verschiedene Dichtetypen in der Stadtentwicklung. Im
oben genannten Zwischenbericht werden Chancen und Mängel je
Zielbild übersichtlich dargestellt, wobei sowohl auf Analyseergebnis-
se als auch auf Erkenntnisse aus der Beteiligung Bezug genommen
wird (siehe Abbildung 12).
22 https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=122555
41
Abbildung 12: Beispielhafte Darstellung der Chancen und Mängel abgeleitet aus den Analyse- und
Beteiligungsergebnissen zum Zielbild „Ich komme gut durch Stadt und Umland“
40 41
Zielbild „Ich komme gut durch Stadt und Umland“
Chancen Mängel
Analyse Beteiligung Analyse Beteiligung
Reisezeitvergleich › Gute ÖPNV-Anbindung
von der Äußeren Stadt
in Innenstadt und in der
Innenstadt selbst
› Gute Netzqualität
› Gute Orientierung durch
digitale Angebote
› Dominierende radiale Verbindungen und
fehlende tangentiale Verbindungen und
Rheinquerungen
› Mangelnde Abstimmung zwischen Bus-
und Bahnverbindungen
› Fehlerhafte und unzuverlässige digitale
Anzeigen und mangelnder Service
Erschließungsqualität › Sehr gute Erschließung
(auch in SVZ) in der Kölner
Innenstadt
› Abnehmende Erschließungsqualität in
den äußeren Bezirken
Pünktlichkeit und
Ausfälle
› Zunehmende Ausfälle und abnehmende
Pünktlichkeit im ÖPNV
› Unzuverlässiger ÖPNV durch Ausfälle und
Verspätung
Stau MIV › Gestaute Kilometer liegen
im gesamtdeutschen
Vergleich im Durchschnitt
› Laufende Sanierungs-
maßnahmen und lang-
fristig wirksame Instand-
setzungskonzepte verbessern
Straßenqualität
› Sanierungsbedürftige Infrastruktur
Anzahl Mobilstationen › Unkomplizierte
Realisierung von
Mobilstationen durch
Baukasten-System von
Go.Rheinland
› Gutes multimodales Angebot › Unterentwickeltes Angebot von Car-
Sharing in den äußeren Stadtbezirken
› Sharing-Angebote in den äußeren
Stadtbezirken und am Hauptbahnhof
kaum verfügbar
› Geringe tarifliche Integration
Anzahl Sharing-
Mitgliedschaften
› Hohe Anzahl an Sharing-
Mitgliedschaften in
innenstadtnahen Bezirken
› Geringere Anzahl Sharing-
Mitgliedschaften im äußeren Stadtgebiet
Ausbau der Radwege › Vermehrte Umsetzung von
Maßnahmen zu Gunsten
des Radverkehrs
› Entwicklung der
Radverkehrsinfrastruktur und
Ausbau des Radwegenetzes
› Weiterhin Neu- und Ausbaupotenzial
für ein durchgängiges Netz
› Qualität bestehender Radwege nicht
ausreichend
› Fehlende qualitativ hochwertige
Abstellmöglichkeiten
› Fehlende Radschnellwege
42
Der Weg zur Strategie
Bei der Betrachtung der zentralen Ergebnisse der einzelnen Ziel-
bilder zeigt sich ein differenziertes Bild. Kölns konzentrische
Stadtstruktur ermöglicht vor allem in der Innenstadt und entlang
der wichtigen Radialen ein gutes nachhaltiges Mobilitätsangebot. In
den äußeren Stadtgebieten und den Räumen zwischen den Radia-
len wird dieses Angebot jedoch dünner. Viele bundesweite Trends
zeigen sich auch in Köln, beispielsweise der steigende Anteil an
Radfahrer*innen, die Abnahme der Pünktlichkeit im ÖPNV oder die
weiterhin hohen Emissionen im Verkehrssektor. Im Folgenden wer-
den die wichtigsten Schlussfolgerungen für jedes der fünf Zielbilder
zusammengefasst:
Die Analyse des Zielbildes „Ich komme gut durch Stadt und Um-
land“ hat gezeigt, dass besonders im Innenstadtbereich bereits
ein gut ausgebautes System nachhaltiger Mobilität besteht. Auch
in der Schwachverkehrszeit erschließt der öffentliche Verkehr die
Innenstadt im 10-Minuten-Takt. Die Reisezeiten von der Äußeren
Stadt in die Innenstadt mit dem ÖPNV sind im Verhältnis zum MIV
schnell und konkurrenzfähig. Auch die Fortschritte beim Ausbau der
Radverkehrsinfrastruktur sind erkennbar und werden positiv wahr-
genommen. Um eine flächendeckend attraktive und nachhaltige
Mobilität zu gewährleisten, bedarf es eines weiteren konsequenten
Ausbaus des Angebots und der Infrastrukturen über die Innenstadt
hinaus. Im öffentlichen Verkehrsbereich erfordert dies einerseits
eine engere Taktung und neue Angebote in den Randgebieten
sowie eine Verbesserung der Zuverlässigkeit durch gezielte Kapa-
zitätserweiterungen, erhöhte Pünktlichkeit und weniger Ausfälle.
Für den Radverkehr sind Lücken im Radnetz zu schließen und die
Qualität der Radinfrastruktur zu erhöhen. Für den MIV ist Köln gut
erschlossen und der Ausbau von Sharing-Angeboten entscheidend.
Insbesondere eine deutliche Verdichtung von Car-Sharing in der
Innenstadt sowie ein flächendeckendes Angebot in der Äußeren
Stadt sind erforderlich, um die Anzahl der Privatfahrzeuge zu redu-
zieren. Die Mobilitätsverflechtungen mit dem Umland konnten in
der Analyse nicht umfassend betrachtet werden, da differenzierte
und regelmäßig erhobene Datenquellen noch nicht verfügbar sind.
Es wird daher empfohlen, das Monitoring um einen Zielindikator für
regionale Mobilitätsströme zu erweitern, sobald neue Daten verfüg-
bar sind.
43
Dass vieles direkt im Veedel erledigt wird, konnte vor allem für die
Innenstadt beobachtet werden; hier liegt die knappe Mehrheit der
Wege unter zwei km. Dies deutet auf Stadtviertel mit einem hohen
Anteil an aktiver Mobilität (zu Fuß gehen und Radfahren) hin. Der
Anteil kurzer Wege ist im Stadtbezirk Chorweiler am geringsten. An-
sonsten ähneln sich die Verhältnisse im gesamten Stadtgebiet. Im
Rahmen der Beteiligung wurde die generelle Zugänglichkeit von
Zielen in Köln zu Fuß und mit dem Fahrrad positiv hervorgehoben. Es
besteht der Wunsch nach einer verbesserten Qualität der Gehwege,
zusätzlichen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und einer gestei-
gerten Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Die Bewertung
letzterer konnte bisher nicht durchgeführt werden, jedoch ist eine
Erhebung für die Zukunft geplant.
In Bezug auf die gesellschaftliche T eilhabe zeigen sich sowohl
Chancen als auch Defizite. Die 15 Sozialraumgebiete in Köln wei-
sen keine systematischen Nachteile in Bezug auf die Anbindung
mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf, wobei einige Gebiete im
Rechtsrheinischen sogar überdurchschnittlich gut versorgt sind.
Ausnahmen gibt es in einigen Sozialräumen in der Äußeren Stadt, wo
die ÖPNV-Infrastruktur insgesamt weniger entwickelt ist. Die Bar-
rierefreiheit im ÖPNV ist noch nicht vollständig gewährleistet; rund
drei Viertel der Stadtbahn- und etwa die Hälfte der SPNV-Haltestel-
len sind barrierefrei zugänglich. Selbst in der Innenstadt erschweren
Hindernisse auf den Gehwegen laut den Beteiligten die Mobilität von
Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit. Der Ticketpreis des
ÖPNV ist für Menschen mit niedrigem Einkommen und Köln-Pass
nur bedingt erschwinglich.
Wie wohl sich die Menschen bei ihren Wegen durch die Stadt füh-
len, wurde indirekt über die zentralen Zielindikatoren zu den Themen
Sicherheit, Sauberkeit und Rücksichtnahme sowie dem Anteil an
Schulkindern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen,
untersucht. Besonders deutlich sind die Defizite im Bereich der Ver-
kehrssicherheit. Viele Städte und Regionen haben bereits Konzepte
für eine „Vision Zero“ entwickelt, die das Ziel verfolgt, null Verkehrs-
tote und Schwerverletzte in den Unfallstatistiken zu erreichen. Im
Jahr 2022 verunglückten in Köln noch 13 Menschen tödlich, davon
waren sechs zu Fuß und fünf mit dem Fahrrad unterwegs. Zudem
wurden 668 Personen schwer verletzt. Diese Zahlen bewegen sich
seit 2018 auf einem ähnlich hohen Niveau. Unfallhäufungsstellen
44
Der Weg zur Strategie
treten besonders dort auf, wo verschiedene Nutzungsansprüche auf
begrenztem Raum aufeinandertreffen. Um das persönliche Sicher-
heitsempfinden im Straßenverkehr zu stärken, ist es daher vorrangig
notwendig, die Sicherheit zu verbessern und auf eine „Vision Zero“
hinzuarbeiten.
Dass die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor seit zehn Jahren nicht
nennenswert gesenkt werden konnten, ist eine der wichtigsten Fest-
stellungen zum Zielbild „Ich bewege mich aktiv und tue etwas für
die Umwelt“ . Dies unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf
in diesem Bereich. Die Zielindikatoren zeigen einige Gründe dafür
auf: Die Pkw-Dichte hat in den letzten zehn Jahren stark zugenom-
men und ist seit 2010 um 13,6 % gestiegen. Der Anteil an Pkw mit
alternativen Antrieben ist mit 10,6 % weiterhin gering. Bei der Stick-
stoffdioxidbelastung, die im Jahr 2022 ihren bisherigen Tiefpunkt
erreichte, zeigt sich seitdem eine positive Entwicklung. Obwohl der
Anteil des Umweltverbunds seit 2017 gestiegen ist (von 65 % auf
75 %), geht dieser Anstieg hauptsächlich auf die Zunahme des Fahr-
rad- und Fußverkehrs zurück, während der Anteil des öffentlichen
Nahverkehrs von 19 % auf 17 % gesunken ist. Diese Entwicklungen
müssen jedoch auch im Zusammenhang mit der COVID-19-Pan-
demie interpretiert werden. Da der öffentliche Nahverkehr
insbesondere auf längeren Strecken den MIV ersetzen sollte, spielt er
eine besondere Rolle bei der Emissionsreduzierung.
45
Beteiligungs-Highlight in AP 3:
Aufsuchende Beteiligung und
Mobilitätsforum
Wenn es darum geht, den Status quo der Mobilität in Köln zu ver-
stehen und zu beschreiben, ist die Perspektive der Menschen, die
diese Chancen und Mängel in ihrer alltäglichen Mobilität erleben,
besonders wertvoll. Daher wurden in diesem Arbeitspaket eine
aufsuchende Beteiligung und ein öffentliches Mobilitätsforum
durchgeführt, um die individuellen Perspektiven der Kölner*innen zu
erfassen.
Eine erste aufsuchende Beteiligung wurde vom 26. bis 28. Mai 2023
im Rahmen des polisMobility Camps auf dem Rudolfplatz in der
Kölner Innenstadt durchgeführt. Um unterschiedliche Bevölkerungs-
gruppen zu berücksichtigen und insbesondere auch solche Gruppen
anzusprechen, die durch bisherige Beteiligungsformate noch nicht
ausreichend erreicht wurden, fand im September während der Euro-
päischen Mobilitätswoche eine größere aufsuchende Beteiligung
statt.23
Dazu machte das Team des nachhaltigen Mobilitätsplans in den
acht Tagen vom 15. bis 22. September 2023 an insgesamt 12 Stand-
orten in allen Kölner Stadtbezirken Station. Die Standorte wurden
dabei so ausgewählt, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen
gezielt erreicht werden konnten.
23 https:/ /meinungfuer.koeln/node/10257
Eindrücke der aufsuchenden Beteiligung
46
Der Weg zur Strategie
Am Beteiligungsstand wurde den Besucher*innen das Leitbild
präsentiert und sie wurden gebeten, entlang der Zielbilder des Leit-
bilds ihre Einschätzung zu den Chancen und Mängeln der Kölner
Mobilität abzugeben. Zudem wurde ein besonderer Fokus auf die
Messbarkeit des Fortschritts bei der Erreichung des Leitbilds gelegt.
Teilnehmer*innen definierten in Interviews, was ihre Wahrnehmung
bestimmter schwer messbarer Aspekte des Leitbildes prägt. Die
Standorte der aufsuchenden Beteiligung wurden im Vorfeld auf der
Website und dem Beteiligungsportal der Stadt Köln und über soziale
Medien kommuniziert, sodass interessierte Menschen den Stand ge-
zielt aufsuchen konnten.
Die Beteiligung zu den Chancen und Mängeln der Kölner Mobilität
wurde im Rahmen des Mobilitätsforums24 direkt im Anschluss an
die aufsuchende Beteiligung am 23. September 2023 im histori-
schen Rathaus der Stadt Köln fortgesetzt. Auf Einladung von
Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatten alle Interessierten die
Gelegenheit, über die Zwischenstände des nachhaltigen Mobilitäts-
plans zu diskutieren. Dabei konnten die Teilnehmer*innen weitere
Anregungen zu den Chancen und Mängeln einbringen. Zudem wur-
den in fünf Arbeitsgruppen konkrete Fragestellungen und
Zielkonflikte mit besonderer Relevanz für die Mobilitätsplanung und
Stadtentwicklung diskutiert. Um möglichst vielen Menschen die
Teilnahme am Mobilitätsforum zu ermöglichen, wurde der Termin auf
einen Samstag gelegt und ein zentraler Veranstaltungsort gewählt.
24 https:/ /meinungfuer.koeln/node/10265
Eindrücke des Mobilitätsforums
47
Vorläufige Zielwerte
Basierend auf den Status quo-Werten wurden je Zielindikator zu-
dem vorläufige Zielwerte diskutiert und festgehalten. Diese müssen
zukünftig erreicht werden, um das Leitbild zu verwirklichen. Dabei
wurde ein ambitionierter Ansatz gewählt, der dem Spannungsfeld
zwischen Realisierbarkeit und visionärer Kraft Rechnung trägt. Als
vorläufig wurden die Zielwerte in dieser Phase betrachtet, weil ihre
endgültige Festlegung erst nach Ausarbeitung des Zielszenarios
erfolgen sollte.
Für die Bestimmung der vorläufigen Zielwerte wurden folgende Her-
angehensweisen und Quellen gewählt:
› Wenn bereits in anderen Strategiepapieren der Stadt oder auf der
nationalen oder EU-Ebene Zielwerte festgelegt wurden (siehe
auch Kapitel Grundlagenanalyse (AP 1)), wurden diese übernom-
men. Beispielsweise wurde der Vorschlag der EU hinsichtlich des
Zero Pollution Aktionsplans für den Zielwert des Indikators Luft-
schadstoffe übernommen.
› Für weitere Zielindikatoren wurden Werte herangezogen, die
entweder in anderen vergleichbaren Städten (Best-Practice-
Beispiele) erreicht werden konnten oder angestrebt werden.
› In einigen Fällen wurden bewusst keine Zielwerte festgelegt.
Die entsprechenden Zielindikatoren wurden als Beobachtungs-
indikatoren definiert.
› Die vorläufigen Zielwerte wurden im Rahmen der Beteiligung mit
den zuständigen Fachabteilungen der Stadt und externen Ak-
teuren, wie zum Beispiel der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB),
besprochen und validiert.
Die endgültige Festlegung der Zielwerte erfolgte nach der Bestim-
mung des Zielszenarios.
48
Der Weg zur Strategie
Beteiligungsergebnis:
Der Runde Tisch Mobilität und
Gesellschaft und die sieben Kernelemente
sozialverträglicher Mobilität
Das Leitbild für den nachhaltigen Mobilitätsplan stellt das Mobili-
tätserlebnis der Menschen in den Vordergrund. „Besser durch Köln“
bedeutet auch, mehr Lebensqualität für die Menschen zu schaffen.
Neben ökologischen und ökonomischen Verbesserungen spielt
dabei auch die Sozialverträglichkeit eine wichtige Rolle in der Mo-
bilität. Diese wichtige Perspektive wird im „Runden Tisch Mobilität
und Gesellschaft“ 25 betrachtet. Das Gremium setzt sich aus rund
20 Vertreter*innen sozialer Verbände, Unternehmen und weiterer
Institutionen sowie aus rund 20 per Los zufällig ausgewählten Köl-
ner*innen zusammen.
Im Prozessverlauf tagte der Runde Tisch insgesamt drei Mal, um die
Sozialverträglichkeit der Zwischenergebnisse der Mobilitätsplanung
zu prüfen und zu diskutieren. Darüber hinaus beschäftigte sich der
Runde Tisch auch grundsätzlicher mit der Frage, was Sozialverträg-
lichkeit in der Mobilität bedeutet. Daraus entstand im Laufe des
Prozesses die Arbeitshilfe „Kernelemente sozialverträg licher Mobili-
tät“ , die im Folgenden vorgestellt wird.
25 https:/ /www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/mobilitaet/
nachhaltiger-mobilitaetsplan/beteiligung-von-fachleuten-fuer-den-nachhaltigen-
mobilitaetsplan
Eindrücke aus dem Runden Tisch Mobilität und Gesellschaft
49
Die Kernelemente sozial-
verträglicher Mobilität
Im Rahmen der Diskussionen im Runden Tisch Mobilität und Gesellschaft
wurden sieben Kernelemente herausgearbeitet, die für eine sozialverträgliche
Mobilität zentral sind. Darüber hinaus wurde ihr Verhältnis zueinander diskutiert
und bestimmt. Diese Ergebnisse wurden innerhalb der Verwaltung und im Mobi-
litätsbeirat vorgestellt und diskutiert. Sie dienen als Empfehlung für die weitere
Bearbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans, aber auch der generellen Stär-
kung einer sozialverträglichen Mobilitätsplanung. Auch in die Entwicklung des
Zielszenarios wurden sie einbezogen.
Folgende sieben Kernelemente wurden herausgearbeitet und sind in der weite-
ren Bearbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans zu berücksichtigen:
› T eilhabe: Die Mobilität soll alle Menschen in Köln bei ihren sozialen und wirt-
schaftlichen Aktivitäten fördern und unterstützen. Der öffentliche Raum soll
als Bewegungsraum und als Aufenthalts- und Begegnungsort zur Verfügung
stehen. Auch Kinder sollen sich frei und selbstständig in der Stadt bewegen
können.
› Barrierefreiheit: Die Angebote des Kölner Verkehrssystems sollen von allen
Menschen in Köln nutzbar sein. Unterstützende Infrastruktur (zum Beispiel
Behindertenparkplätze, Fahrstühle etc.) sollte in angemessenem Maße und
ausreichender Ausstattung vorhanden sein.
› Bezahlbarkeit: Alle Kölner*innen sollen sich Mobilität leisten können. Dort, wo
besonderer Bedarf besteht, sollten Fördermöglichkeiten geprüft werden.
› Erreichbarkeit: Die Mobilität in Köln soll so gestaltet sein, dass alle relevanten
Ziele unabhängig von der Verkehrsmittelwahl innerhalb einer angemessenen
Zeit gut erreichbar sind. Ebenso müssen alle Menschen in Köln gut von essen-
ziellen Diensten (zum Beispiel Rettungsdienste, körpernahe Dienstleistungen,
Handwerker und ähnliche) erreicht werden können.
› Zuverlässigkeit: Die Menschen in Köln sollen sich darauf verlassen können,
dass sie ihre Ziele planmäßig erreichen. Dabei sollte die Verkehrsmittelwahl
keine Rolle spielen.
› Sicherheit: Die Menschen in Köln sollen sich unabhängig von ihrem Alter,
Geschlecht, Herkunft oder ihren körperlichen Fähigkeiten ohne Angst im
Stadtraum bewegen können.
› Gesundheit: Mobilität soll positiv zur Gesundheit der Menschen in Köln
beitragen. Negative Auswirkungen von Mobilität (zum Beispiel Verkehrs-
emissionen) sollten nicht zu einer überproportionalen Belastung einzelner
Bevölkerungsgruppen führen.
50
Der Weg zur Strategie
Alle Kernelemente sind gleichermaßen unverzichtbar für eine so-
zialverträgliche Mobilität. Abbildung 13 führt Sie in einem „Haus“
zusammen. Die Kernelemente erfüllen darin unterschiedliche Funkti-
onen und stehen in unterschiedlichen Zusammenhängen zueinander.
„Sicherheit“ und „Gesundheit“ stellen als Fundament Grundvor-
aussetzungen für eine sozialverträgliche Mobilität und sind eng
miteinander verknüpft: Eine sozialverträgliche Mobilität muss das
Recht auf Unversehrtheit wahren und schützen. Die Kernelemente
„Zuverlässigkeit“ , „Bezahlbarkeit“ , „Barrierefreiheit“ und „Erreichbar-
keit“ sind ebenfalls eng miteinander verbunden. Sie alle beeinflussen
den Zugang zu Mobilität und zahlen maßgeblich auf das Kernele-
ment „Teilhabe“ ein. Gemeinsam stellen diese vier Kernelemente die
prägenden Faktoren für die erlebte soziale Verträglichkeit der Mobili-
tät dar.
Abbildung 13: Die Kernelemente sozialverträglicher Mobilität
im Kontext des nachhaltigen Mobilitätsplans
T eilhabe
Zuverlässigkeit
Sicherheit
Bezahlbarkeit
Barrierefreiheit
Erreichbarkeit
Gesundheit
51
Strategie (AP 4)
In diesem Arbeitspaket wurden die zentralen Erkenntnisse aus den
vorherigen Arbeitspaketen und Beteiligungsformaten zusammen-
geführt, um eine Strategie zu entwickeln, die sicherstellt, dass die
Kölner*innen künftig im Einklang mit den erarbeiteten Zielbildern
mobil sein können. Aufbauend auf den Ergebnissen der Status
quo- und Chancen- und Mängelanalyse wurden zunächst Stell-
schrauben definiert. Diese Stellschrauben dienen als Werkzeuge,
um die Mobilitätssituation entlang der sieben Handlungsfelder im
Sinne der Zielbilder zu gestalten. Auf dieser Grundlage wurden drei
Strategieszenarien entwickelt – eine methodische Herangehens-
weise, bei der unterschiedliche Konstellationen der Stellschrauben
gegenübergestellt und bewertet wurden. Aus den Erkenntnissen
dieser Strategieszenarien wurde schließlich ein Zielszenario mit dem
Zeithorizont 2035 abgeleitet, in dem die wirkungsvollsten und tragfä-
higsten Bausteine der drei Szenarien zusammengeführt wurden. Das
Zielszenario als finales Produkt dieser ersten Stufe des nachhaltigen
Mobilitätsplans beschreibt den Weg, um das Leitbild zu erreichen. Es
setzt die Leitplanken für die Mobilitätsplanung der nächsten Jahre
und ist für die Maßnahmen- und Umsetzungsplanung in der kom-
menden zweiten Stufe essenziell.
Stellschrauben
Die Stellschrauben bilden die Grundlage für die Ausrichtung von
drei unterschiedlichen Strategieszenarien, die sich auf jeweils ver-
schiedene Entwicklungsrichtungen fokussieren. Jedem der sieben
Handlungsfelder (Fußverkehr, Radverkehr, ÖPNV, MIV, Multi-
modalität, Wirtschafts- und Lieferverkehr sowie Raumplanung
und -nutzung) wurden vier spezifische Stellschrauben zugeordnet.
Darüber hinaus existieren drei übergeordnete Stellschrauben (Orga-
nisation und Mobilitätsmanagement, Information/Kommunikation/
Kampagnen sowie Automatisierung und Digitalisierung), die im
Sinne von Querschnittsthemen für alle Handlungsfelder gelten (siehe
Abbildung 14).
52
Der Weg zur Strategie
Abbildung 14: Übersicht der Handlungsfelder und der zugehörigen Stellschrauben
Radverkehr
Fußverkehr
Inter- und
Multimodalität
Wirtschafts- und
Lieferverkehr
Raumplanung
und -nutzung
Fahrrad-
abstellplätze
Radverkehrsnetz
Radverkehrs
-
infrastruktur
Angebotsvielfalt
von Fahrrädern
Platz für
Fußgänger*innen
Fußverkehrsnetz
Aufenthaltsqualität
Barrierefreiheit
Organisation und Mobilitätsmanagement
Information / Kommunikation / Kampagnen
ÖPNV
ÖPNV-Netz
Fahrplanangebot und
Haltestellendichte
Angebotsvielfalt
Zugänglichkeit
Einfachheit
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
Flächendeckende
Sharing-Angebote
Auf- und Ausbau von
Mobilstationen
Zugänglichkeit und
Einfachheit
Verknüpfung der
Verkehrsnetze
Motorisierter
Individualverkehr
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
MIV
-
Infrastruktur
MIV
-
Netz
Parkraum
Alternative Antriebe
und Fahrzeuge
Parkplätze für
Lieferungen und
Dienstleister
Wirtschafts- und
Lieferverkehrsnetz
Warenumschlag,
Abholstellen
Kompakte Bebauung
Klimaresiliente
Stadtplanung
Vielfältige Nutzung
von Gebäuden und
Flächen
Erreichbarkeit
alltäglicher Ziele
Automatisierung und Digitalisierung
53
Beteiligungs-Highlight AP 4:
2 . Online-Beteiligung
Mit der Strategieentwicklung wurden wichtige Weichen für die
zukünftige Entwicklung der Mobilität in Köln gestellt. Umso wich-
tiger war es, die Kölner*innen auch in dieser fachlich komplexen
Arbeitsphase gut zu informieren und sie in die Erarbeitung miteinzu-
beziehen. Eine Online-Beteiligung bietet die Chance, möglichst viele
Menschen frühzeitig auf das Projekt aufmerksam zu machen und
ihnen mit Hilfe eines niedrigschwelligen Angebots die Möglichkeit
zur Mitwirkung zu geben. Im Laufe des Prozesses wurden über das
Beteiligungsportal der Stadt Köln daher zwei Online-Beteiligungen
durchgeführt.
Die erste Online-Beteiligung26 im Februar 2023 wurde im Rahmen
der Leitbildentwicklung durchgeführt. Sie konzentrierte sich auf die
Identifikation von Präferenzen für die zukünftige Mobilität sowie die
Bildung von Schwerpunkten für das Leitbild.
26 https:/ /meinungfuer.koeln/group/31/content/166
Ansicht der Startseite der 2 . Online-Öffentlichkeitsbeteiligung
54
Der Weg zur Strategie
Im Rahmen der Strategieentwicklung fand im April 2024 eine zweite
Online-Beteiligung27 statt. Sie befasste sich mit den Stellschrauben
der Kölner Mobilität. Die Teilnehmenden konnten sich über die Stell-
schrauben informieren und sie innerhalb der sieben Handlungsfelder
priorisieren und kommentieren. Zusätzlich konnten ergänzende Hin-
weise zur Realisierung der Stellschrauben abgegeben werden.
Die Befragung erzielte eine große Resonanz: Während des Be-
fragungszeitraums wurden insgesamt 4.239 Eingaben zu den
Handlungsfeldern und Stellschrauben gemacht und 634 weitere Bei-
träge sowie 242 Kommentare im Diskussionsbereich veröffentlicht.
27 https:/ /meinungfuer.koeln/node/11179
55
Strategieszenarien
Um das Zielszenario methodisch fundiert herleiten zu können, wur-
den auf Basis der Stellschrauben zunächst drei Strategieszenarien
entwickelt. Als Grundlage für die Herleitung der einzelnen Strategie-
szenarien dienten die Ergebnisse aller vorherigen Arbeitspakete:
› Das durch den Rat der Stadt Köln beschlossene Leitbild
mit fünf Zielbildern
› Ergebnisse der Status quo- und Chancen- und
Mängelanalyse
› Zielindikatoren
› Vorläufige Zielwerte
› Stellschrauben
› Beteiligungsergebnisse28
Zusätzlich wurden Trends berücksichtigt, die innerhalb des Mobili-
tätsbeirats am 6. Dezember 2022 identifiziert wurden. Dabei handelt
es sich um Entwicklungen, die absehbar sind und das Mobilitäts-
verhalten der Menschen und damit auch die Mobilitätsplanung
beeinflussen werden. Mit Hilfe einer PESTEL-Analyse29 wurden in
den Beteiligungsformaten die Entwicklungen, die die Mobilität in der
Stadt Köln zukünftig beeinflussen werden, identifiziert. Dabei wur-
den folgenden Trends festgestellt:
› Die Stadtgesellschaft wird älter und diverser.
› Die Wohnungsmarktsituation wird angespannter.
› Die Freizeitmobilität nimmt zu.
› Die Mobilität für Besorgungen nimmt ab.
› Multi-/intermodales Verkehrsverhalten nimmt zu.
› Die Gesellschaft übt zunehmend Veränderungsdruck auf die
Politik aus.
› Lieferverkehre nehmen zu.
› Spürbare Klimafolgen nehmen zu (zum Beispiel Hitzewellen,
Starkregen).
› Die Verfügbarkeit von Verkehrsdaten wird besser.
28 https:/ /meinungfuer.koeln/mobilitaetsplan
29 PESTEL-Analyse: Identifizierung von Politische (Political), wirtschaftliche
(Economic), soziale (Social), technologische (Technological), ökologische (Environ-
mental) und rechtliche (Legal) Trends
56
Der Weg zur Strategie
Für die Entwicklung der Strategieszenarien wurde der in der Mo-
bilitätsplanung international etablierte „Vermeiden, Verlagern,
Verbessern“-Ansatz30 gewählt, da er eine ganzheitliche Mobilitätspla-
nung ermöglicht, die nicht entlang einzelner Verkehrsträger, sondern
aus der Perspektive der Menschen und ihrer Mobilitätsbedürfnis-
se gedacht wird. Jedes der drei entwickelten Strategieszenarien
legte den Fokus auf einen dieser Ansätze, enthielt aber auch Ele-
mente der beiden anderen, da alle drei eng miteinander verknüpft
sind und nicht isoliert betrachtet werden können. Die Strategie-
szenarien dienten dazu, verschiedene Perspektiven auf mögliche
Mobilitätsstrategien einzunehmen. Letztlich wurde nicht eines der
drei Strategieszenarien als das weiter zu verfolgende ausgewählt,
sondern aus den wirkungsvollsten Elementen aller drei Strategie-
szenarien ein viertes, integriertes Zielszenario entwickelt. Dies
gewährleistet, dass das Zielszenario die Stärken und wirksamsten
Bausteine aller Ansätze kombiniert und eine ausgewogene Grundla-
ge für die Maßnahmen- und Umsetzungsplanung bildet.
Auf der Basis dieser Überlegungen sind die drei folgenden Strategie-
szenarien entstanden:
› Im Szenario A: Fokus „Vermeiden“ liegt der Schwerpunkt auf der
Reduzierung, also Vermeidung von Verkehr. Im Fokus ist dabei die
Quartiersebene. Nutzungsmischung und kompakte, lebenswer-
te Quartiere befördern kurze Wege und reduzieren Verkehr und
Flächenverbrauch.
› Im Szenario B: Fokus „Verlagern“ liegt der Schwerpunkt auf der
Verlagerung vom MIV auf den Umweltverbund. Dazu gehört auch,
die Mobilität durch gezielte Förderung vielfältiger Mobilitäts-
angebote und deren Vernetzung untereinander zu verbessern.
Dieses Szenario betont die Förderung von Multimodalität, mit
dem Ergebnis einer geringen Pkw-Nutzung und der damit einher-
gehenden Verringerung der Flächeninanspruchnahme durch den
ruhenden Verkehr.
30 Der „Vermeiden, Verlagern, Verbessern“-Ansatz ist ein strategischer Rah-
men zur nachhaltigen Verkehrsplanung. Er zielt darauf ab, Verkehr zu reduzieren
(Vermeiden), auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern (Verlagern) und
bestehende Verkehrsangebote effizienter und emissi-onsärmer zu gestalten (Ver-
bessern).
57
› Das Szenario C: Fokus „Verbessern“ konzentriert sich auf die
Nutzung technologischer Möglichkeiten für alternative Antriebe
und einen effizienteren Einsatz von Fahrzeugen. Ziel ist es, Um-
welt- und weitere Belastungen durch innovative Angebote zu
reduzieren und den Privatbesitz von Fahrzeugen zu minimieren.
Im Fokus stehen dabei Multimodalität, Umsteigepunkte zwischen
verschiedenen Verkehrsträgern und Sharing-Angebote.
Zunächst wurde für jedes der drei Strategieszenarien der Einfluss
der unterschiedlichen oben genannten Stellschrauben bestimmt.
Stellschrauben, die einen starken Einfluss auf das jeweilige Strate-
gieszenario haben, wurden dunkelblau eingefärbt. Stellschrauben,
die eine untergeordnete Rolle spielen, wurden hellblau eingefärbt.
Für einen mittleren Einfluss wurden die Stellschrauben blau einge-
färbt. Die handlungsfeldübergreifenden Stellschrauben wurden bei
dieser Vorgehensweise außen vorgelassen (siehe Abbildung 15). Das
liegt daran, dass alle handlungsfeldübergreifenden Stellschrauben in
jedem der Strategieszenarien eine zentrale Rolle spielen und daher
gleichermaßen berücksichtigt werden.
Abbildung 15: Einfluss der Stellschrauben am Beispiel von
Strategieszenario A: Fokus „Vermeiden“
Radverkehr
Fußverkehr
Inter- und
Multimodalität
Wirtschafts- und
Lieferverkehr
Raumplanung
und -nutzung
Fahrrad-
abstellplätze
Radverkehrsnetz
Radverkehrs-
infrastruktur
Angebotsvielfalt
von Fahrrädern
Platz für
Fußgänger*innen
Fußverkehrsnetz
Aufenthaltsqualität
Barrierefreiheit
Organisation und Mobilitätsmanagement
Information / Kommunikation / Kampagnen
ÖPNV
ÖPNV-Netz
Fahrplanangebot und
Haltestellendichte
Angebotsvielfalt
Zugänglichkeit
Einfachheit
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
Flächendeckende
Sharing-Angebote
Auf- und Ausbau von
Mobilstationen
Zugänglichkeit und
Einfachheit
Verknüpfung der
Verkehrsnetze
Motorisierter
Individualverkehr
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
MIV-Infrastruktur
MIV
-
Netz
Parkraum
Alternative Antriebe
und Fahrzeuge
Parkplätze für
Lieferungen und
Dienstleister
Wirtschafts- und
Lieferverkehrsnetz
Warenumschlag,
Abholstellen
Kompakte Bebauung
Klimaresiliente
Stadtplanung
Vielfältige Nutzung
von Gebäuden und
Flächen
Erreichbarkeit
alltäglicher Ziele
Automatisierung und Digitalisierung
58
Der Weg zur Strategie
Im Anschluss daran wurde jeder der 24 Zielindikatoren mit Stell-
schrauben verknüpft, die einen Einfluss auf die Erreichung ihrer
Zielwerte haben. Die Stellschrauben, die in den jeweiligen Szena-
rien einen großen Einfluss haben, wurden in Handlungsoptionen
übersetzt. Handlungsoptionen sind dabei als mögliche, konkretere
Maßnahmen zu verstehen, die im jeweiligen Strategieszenario um-
gesetzt werden können, um das Leitbild zu verwirklichen. Diese
sind zunächst als Beispielmaßnahmen zu verstehen, denn konkre-
te Maßnahmen werden erst in der zweiten Stufe des nachhaltigen
Mobilitätsplans definiert. Anschließend wurden die jeweiligen Hand-
lungsoptionen den sieben Handlungsfeldern zugeordnet und jeweils
ein Narrativ je Szenario beschrieben. Narrative beschreiben ein Bild
des Wegs in die Zukunft und helfen zu verstehen, wie die einzelnen
Strategieszenarien konkret aussehen könnten. Sie sind im Anhang zu
finden (ab Seite 113).
Bewertung der Strategieszenarien
Im nächsten Schritt wurden die Strategieszenarien qualitativ be-
wertet. Um eine ganzheitliche Bewertung der Strategieszenarien im
Sinne der Nachhaltigkeit zu gewährleisten, die sowohl ökologische,
wirtschaftliche und soziale Aspekte als auch technologische und
rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt, wurden die Kriterien
CO₂-Emissionen, Reisezeitvergleich, Modal Split, Kosteneffizienz,
Flexibilität, rechtliche Umsetzbarkeit, technologische Machbarkeit,
Innovation, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz
herangezogen. Für die Bewertung wurde jede Handlungsoption nach
den genannten Kriterien auf einer Skala von 1 (geringster Wert) bis
5 (höchster Wert) eingeordnet. Die Bewertung der Kriterien CO₂-
Emissionen, Reisezeitvergleich und Modal Split war nicht bei jeder
Handlungsoption möglich. Zum Beispiel hat die Handlungsoption
„Schaffung von hochwertigen Fahrradabstellanlagen“ keinen direk-
ten Einfluss auf CO₂-Emission, Reisezeitvergleich oder Modal Split
und kann deswegen nicht bewertet werden. Wo es möglich war, wie
etwa bei dem Ausbau von RadPendlerRouten, wurde zunächst der
Einfluss auf den Modal Split abgeschätzt. Daraufhin wurde die CO₂-
Einsparung durch die Verlagerung von Personenkilometern vom MIV
auf den Umweltverbund ermittelt.
59
Zusätzlich wurden die einzelnen Handlungsoptionen nach Relevanz
und Einfluss auf das Mobilitätsverhalten gewichtet. Beispielsweise
wird der Einfluss der Handlungsoption „Ausbau von Radabstellan-
lagen“ auf die Mobilität in Köln geringer eingeschätzt als der Einfluss
der Handlungsoption „Ausbau von RadPendlerRouten“ .
Jede Bewertung wurde erläutert und mit Studien, Beispielen aus
anderen Städten oder Ergebnissen aus den Auswertungen der
Öffentlichkeitsbeteiligung belegt.
Auf dieser Grundlage wurde für jedes der drei Szenarien ein Durch-
schnittswert je Kriterium über alle Handlungsoptionen hinweg
berechnet und die Ergebnisse in Form eines Spinnennetzes gegen-
übergestellt (siehe Abbildung 16).
Abbildung 16: Ergebnisse der Bewertung der drei
Strategieszenarien
0
1
2
3
4
5
CO 2-Einsparung
Modal Split
Reisezeitvergleich
Kosteneffizienz
Flexibilität
Rechtliche Umsetzbarkeit
Soziale Gerechtigkeit
Innovation
T echnologische
Machbarkeit
Gesellschaftliche
Akzeptanz
Szenarienbewertung
Szenario A: Fokus „Vermeiden“
Szenario B: Fokus „Verlagern“
Szenario C: Fokus „Verbessern“
60
Der Weg zur Strategie
Ein Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Szenarien zeigt geringe
Unterschiede in ihrer Wirkung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass
jedes Strategieszenario – wie eingangs erwähnt – bewusst Elemente
der anderen beiden Szenarien integriert, um einen ganzheitlichen
Ansatz zu gewährleisten. Diese Methodik diente vor allem dazu,
schrittweise eine fundierte Grundlage für die Entwicklung des Ziel-
szenarios zu schaffen, indem die wirkungsvollsten Elemente aus der
Bewertung integriert wurden, anstatt die einzelnen Schwerpunkte
(Vermeiden, Verlagern und Verbessern) isoliert zu betrachten. Einige
relevante Besonderheiten und Unterschiede sind dennoch zu beob-
achten:
Strategieszenario A: Fokus „Vermeiden“
› Da im Modal Split eine Zunahme der Wege des Umweltverbundes
angenommen wird, kann von einer hohen Einsparung von CO₂
ausgegangen werden.
› Der Reisezeitvergleich wurde geringer als in den beiden anderen
Szenarien bewertet, da hier nur die Reisezeit zwischen ÖPNV und
MIV betrachtet wird und in diesem Szenario überwiegend Hand-
lungsoptionen der aktiven Mobilität betrachtet wurden.
› Ein hoher Wert bei „technologischer Machbarkeit“ korreliert mit
einem niedrigen Wert im Bereich „Innovation“ . Viele der Hand-
lungsoptionen sind Maßnahmen, die bereits mit einfachen Mitteln
umgesetzt werden können (zum Beispiel Diagonalsperren, die
eine Durchfahrt mit dem Pkw durch ein Wohngebiet verhindern)
und bereits umgesetzt werden.
› Ein hoher Wert bei „soziale Gerechtigkeit“ ergibt sich aus der gu-
ten Zugänglichkeit der meisten Mobilitätsoptionen.
Strategieszenario B: Fokus „Verlagern“
› Ein hoher Wert beim „Reisezeitvergleich“ ist darauf zurückzufüh-
ren, dass ein erheblicher Teil der Maßnahmen im Handlungsfeld
ÖPNV darauf abzielt, häufig mit dem Pkw zurückgelegte Wege
auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern. Zudem liegt der Fo-
kus ebenfalls auf dem schnellen Vorankommen mit dem Fahrrad
durch die RadPendlerRouten.
61
› Ein hoher Wert bei der „technologischen Machbarkeit“ korreliert
mit einem niedrigen Wert im Bereich „Innovation“ (wie bei Stra-
tegieszenario A). Viele der Handlungsoptionen sind Maßnahmen,
die bereits mit einfachen Mitteln umgesetzt werden können (zum
Beispiel der Ausbau von Tempo 30-Bereichen – das heißt stre-
ckenbezogen und mit Tempo 30-Zonen) und bereits umgesetzt
werden.
Strategieszenario C: Fokus „Verbessern“
› Der niedrigste Wert (im Vergleich zu den anderen beiden Stra-
tegieszenarien) bei „technologischer Machbarkeit“ korreliert mit
dem höchsten Wert bei „Innovation“ . Viele innovative Maßnah-
men, wie etwa der weiträumige Gebrauch von autonomen Autos
oder Geofencing31 bei privaten Pkw, erzielen zwar eine hohe Be-
wertung im Bereich Innovation, sind jedoch derzeit technologisch
nur schwer umsetzbar.
› Bei der Bewertung der Kosteneffizienz sind nur die Kosten für die
Stadt – wie beispielsweise für den Ausbau von autonomen ÖPNV-
Angeboten – und nicht diejenigen für die Endnutzer*innen bei
autonomen elektrischen Autos betrachtet und bewertet worden.
› Durch den Einsatz alternativer Treibstoffe kann eine erheb-
liche CO₂-Einsparung erzielt werden. Diese wurde jedoch
nicht berücksichtigt, da die Bewertung ausschließlich die CO₂-
Reduktionen durch Veränderungen im Modal Split betrachtete.
› Der niedrigste Wert bei „soziale Gerechtigkeit“ kommt zustande,
da für technologische Neuerungen der Kauf teurer Pkw mit neuen
Antriebstechnologien notwendig ist. Derzeit sind allein elektrisch
betriebene Fahrzeuge noch deutlich teurer als solche mit Ver-
brennungsmotor.
31 Geofencing bezeichnet eine technologiegestützte Methode zur virtuellen
Abgrenzung geografischer Bereiche mithilfe von GPS, RFID oder Mobilfunkdaten.
Beim Betreten oder Verlassen eines solchen Gebiets können automatisierte Ak-
tionen ausgelöst werden, etwa Benachrichtigungen, Zugangskontrollen oder die
Aktivierung bestimmter Funktionen.
62
Der Kern der Strategie:
das Zielszenario
63
Nachdem die Herleitung und Entwicklung des Zielszenarios sowie
seine Bedeutung für die zweite Stufe des SUMP und dessen späte-
re Umsetzung in den vergangenen Abschnitten bereits eingehend
beschrieben wurde, sollen in diesem Kapitel nun die Vorgehenswei-
se bei der Entwicklung und der Inhalt des Zielszenarios vorgestellt
werden.
Das Zielszenario bildet das strategische Gerüst, das als Weg zur Er-
reichung des Leitbilds des nachhaltigen Mobilitätsplans verstanden
werden kann. Es dient dazu, fundierte Entscheidungen in der Mobili-
tätsplanung treffen zu können, die der Umsetzung des Leitbilds bis
2035 entsprechen. Das Zielszenario ist als Ergebnis aller vorange-
gangenen Arbeitsschritte entstanden und setzt sich übergeordnet
mit der Fragestellung auseinander, wie die Mobilität im nächsten
Jahrzehnt gestaltet werden soll.
Das Leitbild mit seinen fünf Zielbildern ist der Ausgangspunkt und
beschreibt den Zustand, der im Jahr 2035 erreicht sein soll. Die Ziel-
bilder definieren den Rahmen, wie sich Mobilität und Verkehr in den
entsprechenden Schwerpunktbereichen entwickeln sollen. Die aus
dem Zielszenario abgeleiteten strategischen Maßnahmen bilden die
notwendigen Bausteine, die eine Mobilitätsplanung im Sinne des
Leitbilds ermöglichen.
Ein wesentlicher Schritt der Entwicklung des Zielszenarios bestand
darin, die Handlungsoptionen aus den Strategieszenarien in stra-
tegische Maßnahmen zu transformieren. Die Handlungsoptionen
in den Strategieszenarien dienten dazu, Ausgestaltungsmöglich-
keiten aufzuzeigen, die geeignet sind, um die Zielbilder zu erreichen.
Das Zielszenario hingegen umfasst nun konkretere Empfehlungen
(strategische Maßnahmen). In diesem Zusammenhang wurden die
Handlungsoptionen der Strategieszenarien daher…
64
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
… räumlich differenziert betrachtet:
Die Kölner*innen weisen kein homogenes Mobilitätsverhalten auf
und insbesondere räumlich unterscheiden sich die Nutzungsan-
sprüche und Mobilitätsmuster stark. Sowohl in der Beteiligung als
auch in der Analyse des Status quo konnten hier große Unterschiede
festgestellt werden. Hier sind die Ergebnisse der Kölner Mobilitätser-
hebung 2022 hervorzuheben, die deutliche räumliche Unterschiede
im Mobilitätsverhalten aufgezeigt haben.32 Als Grundlage für die
räumliche Differenzierung diente der „Köln-Katalog“ , eine Planungs-
grundlage für verschiedene Dichtetypen in der Stadtentwicklung.
Darin wird zwischen drei Raumtypen unterschieden: Innenstadt,
Innere Stadt und Äußere Stadt. Für diese drei Raumtypen ergeben
sich im Zielszenario des nachhaltigen Mobilitätsplans teilweise
unterschiedliche strategische Maßnahmen. Diese Maßnahmen sind
jedoch nicht ausschließlich für die jeweiligen Raumtypen gedacht.
Stattdessen wird bei den spezifischen Raumtypen ein besonde-
rer Fokus auf bestimmte strategische Maßnahmen gelegt. Viele
strategische Maßnahmen können auch in anderen Raumtypen
angewendet werden. Zum Beispiel können Maßnahmen, die für die
Innenstadt vorgesehen sind, auch in Stadtteilzentren der Inneren
und Äußeren Stadt genutzt werden.
… um gesamtstädtisch bedeutsame strategische
Maßnahmen ergänzt:
Neben den strategischen Maßnahmen je Raumtyp ergeben sich
auch strategische Maßnahmen, die keinen besonderen Fokus auf
einen Raumtypen zulassen, sondern die Gesamtstadt betreffen.
32 https:/ /www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf68/mobilitaetsbe-
richt-10-11-2022.pdf
65
… um handlungsfeldübergreifende strategische
Maßnahmen ergänzt:
Während sich die Handlungsoptionen der Strategieszenarien in
erster Linie auf ein spezifisches Handlungsfeld konzentrieren, um-
fasst das Zielszenario auch strategische Maßnahmen, die keinem
bestimmten Handlungsfeld zugeordnet werden können. Dies
betrifft vor allem jene strategischen Maßnahmen, die aus den
handlungsfeldübergreifenden Stellschrauben „Organisation und Mo-
bilitätsmanagement“ , „Information, Kommunikation und Kampagnen“
und „Automatisierung und Digitalisierung“ stammen.
… auf ein Strategieniveau gebracht:
Die Handlungsoptionen aus den Strategieszenarien wurden auf das
gleiche strategische Level gebracht. Bei den strategischen Maßnah-
men handelt es sich in der Regel um übergeordnete Maßnahmen, die
ein Bündel an konkreten Einzelmaßnahmen enthalten können. Diese
konkreten Einzelmaßnahmen werden in der zweiten Stufe des nach-
haltigen Mobilitätsplans detailliert bestimmt.
Im Folgenden werden zunächst die strategischen Maßnahmen
vorgestellt, die für die gesamte Stadt Köln gelten. Diese gesamtstäd-
tischen Maßnahmen werden keinem spezifischen Handlungsfeld
zugeordnet, da sie größtenteils handlungsfeldübergreifend wirken
und alle Bereiche betreffen. Als nächstes werden die strategischen
Maßnahmen für die jeweiligen Raumtypen vorgestellt. Sie sind nach
den sieben Handlungsfeldern strukturiert. Um die spezifischen
Bedürfnisse und Anforderungen der einzelnen Raumtypen klar her-
auszustellen, werden ergänzend die zentralen Ergebnisse der Status
quo- und Chancen- und Mängelanalyse noch einmal zusammenge-
fasst.
66
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Gesamtstadt – Gemeinsam gestalten
Die strategischen Maßnahmen für die Gesamtstadt sind keine
isolierten Einzelansätze, sondern eng miteinander verzahnt, um
ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: Köln soll eine Stadt werden, in
der alle Menschen – unabhängig von ihren Lebensumständen –
sicher, nachhaltig und vernetzt leben und sich fortbewegen können.
Eckpfeiler dieses Konzeptes sind Teilhabe, Zusammenarbeit, Digita-
lisierung und eine vorausschauende und durchdachte Stadtplanung.
Sie bilden die Grundlage, um Köln als Gesamtstadt zu stärken
und zukunftsfähig zu gestalten. Die im Folgenden beschriebenen
strategischen Maßnahmen für die Gesamtstadt markieren die not-
wendigen Schritte, um das Leitbild „Besser durch Köln“ mit seinen
fünf Zielbildern zu verwirklichen.
T eilhabe fördern
Damit alle Menschen am städtischen Leben teilhaben können,
müssen Barrierefreiheit sowie konsumfreie Aufenthalts- und Sitz-
möglichkeiten im öffentlichen Raum konsequent gewährleistet
werden. Dies betrifft insbesondere die barrierefreie Gestaltung
von Anlagen des Fußverkehrs sowie den Ausbau barrierefreier
ÖPNV-Haltestellen gemäß den Vorgaben des Personenbeförde-
rungsgesetzes.
Unabhängig vom Raumtyp sind die definierten Standards des Ge-
staltungshandbuchs „Köln. Gestaltet. Standards. “ anzuwenden. Auch
sind die im Beschluss zum Masterplan Parken getroffenen Vorgaben
zu Gehwegparken und mindestens vorhandenen Gehbahnbreiten
zu beachten. Das Prinzip der „Freien Ecke“ ermöglicht den zu Fuß
Gehenden eine sichere Querung in Kreuzungsbereichen und soll, wo
bequeme und sichere Querungen momentan nicht möglich sind, an-
gewendet und umgesetzt werden.
67
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau sicherer Schulwege
und dem schulischen Mobilitätsmanagement. Köln soll dabei seiner
Vorreiterrolle bei der Einrichtung von Schulstraßen gerecht bleiben.
Darüber hinaus ist es entscheidend, Unfallhäufungsstellen gezielt
umzugestalten und zu entschärfen, um dadurch die Sicherheit im
städtischen Raum zu erhöhen. Dies schafft eine Umgebung, in der
sich alle Menschen – von jung bis alt – sicher bewegen können.
Die alleinige Anpassung der Infrastruktur reicht jedoch nicht aus.
Ergänzend sollen durch eine flächendeckende Erweiterung von
Sharing-Angeboten wie Lastenfahrrädern und stationsbasiertes
Carsharing neue Möglichkeiten geschaffen und zusätzliche Zielgrup-
pen angesprochen werden. Besonders wichtig ist es, diese Angebote
gezielt für Familien und ältere Menschen zugänglich zu machen,
da ihre spezifischen Bedürfnisse bei Sharing-Angeboten bislang
nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Um auch einkommens-
schwache Haushalte zu unterstützen, sollen Sharing-Angebote zu
vergünstigten Konditionen verfügbar sein. Zusätzlich soll das ÖPNV-
Ticket für Köln-Pass-Inhaber*innen weiterhin zu einem reduzierten
Preis angeboten werden.
Netzwerke schaffen
Eine vernetzte Stadt entsteht nicht nur durch Technologie, sondern
durch die Zusammenarbeit der Menschen und Organisationen, die
sie prägen. Dafür sind bestehende Netzwerke zu stärken und neue
Kooperationen aufzubauen. Dazu gehört unter anderem die Fortfüh-
rung des Mobilitätsbeirats – ein Gremium von Expert*innen, das im
Rahmen des nachhaltigen Mobilitätsplans ins Leben gerufen wurde.
Dieses Gremium bringt Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik und
Mobilität zusammen und ermöglicht, die gesamtstädtische Mobili-
tätsplanung kontinuierlich aus Sicht der Multiplikatoren vielfältiger
Gruppen zu begleiten.
Zukünftig soll die regionale Abstimmung und Organisation des Pen-
del- und auch des Logistikverkehrs gezielt verbessert werden. Als
bedeutender Wirtschaftsstandort und Ziel zahlreicher Einpendler*in-
nen, aber auch als Ausgangspunkt von Auspendler*innen ist Köln
eng mit dem Umland verknüpft, weshalb regionale Lösungsansätze
68
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
unverzichtbar sind. Für die städtische Logistik sowie die spezifi-
schen Bedürfnisse des Einzelhandels und der Handwerksbetriebe
soll der Dialog mit der Stadtverwaltung intensiviert werden, um
gemeinsam tragfähige Lösungskonzepte zu entwickeln. Eine ge-
nauere gesamtstädtische und auch raumspezifische Betrachtung
von Logistik und Wirtschaftsverkehr erfolgt im Rahmen des noch zu
erarbeitenden Sustainable Urban Logistics Plan (SULP). Hier werden
auch die im SUMP genannten strategischen Maßnahmen weiter kon-
kretisiert und durch weiterführende Maßnahmen ergänzt.
Kooperationen mit Arbeitgebern sollen aufgebaut werden, um
Anreize für die Durchführung betrieblicher Mobilitätsmanage-
ment-Maßnahmen zu schaffen. Insbesondere sollte die Stadt Köln
selbst als eine der größten Arbeitgeberinnen mit gutem Beispiel
vorangehen und ein betriebliches Mobilitätsmanagement schaffen.
Unternehmen können gezielt auf die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Mit-
arbeiter*innen eingehen und entsprechende Lösungen finden.
Neben der Einbindung verschiedener Stakeholder*innen ist es
besonders wichtig, die Kölner Bevölkerung aktiv in Planungspro-
zesse einzubeziehen. Die Bedürfnisse, Perspektiven und räumlich
individuellen Erfahrungen der Kölner*innen leisten einen wesent-
lichen Beitrag zur Entwicklung akzeptierter und bedarfsgerechter
Lösungen. Um dies zu ermöglichen, sollen einerseits klare Ver-
antwortlichkeiten und Strukturen für Bottom-up-Prozesse bei
Mobilitätsprojekten innerhalb der Verwaltung weiter gestärkt und
besser kommuniziert werden, so dass die Menschen sich ermutigt
fühlen, diese Prozesse anzustoßen. Andererseits sollen Kreativ- und
Ideenwerkstätten in den Bezirken unterstützt werden beispielswei-
se durch unterstützende Infrastruktur, um den Austausch und die
Mitgestaltung vor Ort zu stärken.
Digital vernetzt sein
Für das Funktionieren einer modernen und effizienten Stadt ist der
Einsatz innovativer Technologien unverzichtbar. Digitale Echtzeit-
informationen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Einerseits sollen sie
69
flächendeckend im ÖPNV eingesetzt werden, um Planungssicherheit
und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Andererseits sollen Echtzeit-
daten in intelligente Verkehrsleitsysteme integriert werden, um
Verkehrsflüsse zu optimieren. Ebenso soll die digitale Erfassung und
Koordination von Stellplätzen zu einer effizienteren Flächennutzung
beitragen und Parksuchverkehre reduzieren.
Die Etablierung eines urbanen Datenökosystems mit Zugriffs-
möglichkeiten für verschiedene Akteur*innen eröffnet zudem neue
Perspektiven. Sie erleichtert nicht nur die Zusammenarbeit zwi-
schen Stakeholder*innen, sondern schafft auch die Grundlage für
datenbasierte Entscheidungen, die passgenaueres Handeln ermög-
lichen. Dabei gilt es, bereits bestehende städtische Anwendungen
und Plattformen, wie zum Beispiel das Portal für Offene Daten
der Stadt Köln33, im Sinne einer ganzheitlichen Dateninfrastruktur
so in das Datenökosystem zu integrieren, dass der übergreifende
und wertschöpfende Datenaustausch rechtssicher und im Rah-
men einer umfassenden Data Governance erfolgen kann. Dadurch
können (auch dynamische) Daten in Echtzeit integriert, analysiert,
nutzungsfreundlich visualisiert und für verschiedene städtische An-
wendungen bereitgestellt werden.
Stadtplanung integrieren
Die integrierte Stadtentwicklung betrachtet Mobilität, Wohnen,
Arbeiten, Schule, Ausbildung, Freizeit und Umwelt als miteinander
verknüpfte Systeme. Sie bildet den grundlegenden Rahmen für die
künftige Mobilitätsplanung. Entsprechend dieser engen Verknüp-
fung vertieft der nachhaltige Mobilitätsplan die Zielsetzungen und
Handlungsempfehlungen der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ . Ein wesentlicher Ansatz in der Stadtstrategie ist die För-
derung polyzentrischer Strukturen. Hierfür sollen im Rahmen der
zukünftigen Fortschreibungen des Einzelhandels- und Zentrenkon-
zeptes der Stadt Köln unter anderem auch Mobilitätsaspekte auf
Ebene der einzelnen Stadtbezirke verstärkt berücksichtigt werden,
um eine integrierte Zentrenplanung zu ermöglichen. Darüber hinaus
geht es bei der Förderung polyzentrischer Strukturen auch um die
Integration von Gewerbegebieten, um eine ausgewogene Verteilung
von Arbeits- und Wohnstandorten zu gewährleisten.
33 https:/ /offenedaten-koeln.de
70
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Um Mobilität bereits bei Neubauprojekten systematisch zu berück-
sichtigen, sollen Leitlinien für die Quartiersentwicklung erarbeitet
werden. Diese Leitlinien dienen als Orientierungshilfe für quar-
tiersbezogenes Mobilitätsmanagement neuer sowie bestehender
Stadtviertel. Gleichzeitig wird der Fokus verstärkt auf eine klimaresi-
liente Stadtplanung gelegt, um die Stadt besser auf die Folgen des
Klimawandels vorzubereiten und ökologische Aspekte stärker in die
Entwicklungsprozesse einzubinden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bestands- und Innenentwick-
lung, die das Ziel hat, Flächen im Innenbereich der Stadt effizienter
zu nutzen. Dabei soll neben der Nachverdichtung zur Schaffung von
Wohnraum dem Bedürfnis der Bewohner*innen nach Freiräumen
und sozialer Infrastruktur Rechnung getragen werden. Für die Kölner
Stadtentwicklung wird aktuell der „Köln Katalog Bestand“ erarbeitet,
der Strategien für nachhaltige, lebenswerte und zukunftsfähige Be-
standsquartiere entwickelt. Ziel ist es, durch integrierte Strategien
der mehrfachen Innenentwicklung mehr Wohnraum zu schaffen, die
Potenziale des Baubestandes effizient und nachhaltig zu nutzen und
die Flächenneuinanspruchnahme zu reduzieren.
In dem Zusammenhang wird die Gestaltung öffentlicher Räume
durch ein gezieltes Parkraummanagement und die Umgestaltung
von Straßen gefördert, um Stadtplätze und -räume aufzuwerten
sowie Platz für Grünflächen, Logistik, Fuß- und Radwege zu schaffen.
Gleichzeitig sollen bestehende Parkplatzflächen effektiver genutzt
und gebündelt werden.
Die Flächenverteilung soll zudem so gestaltet werden, dass ein
weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum für
Elektrofahrzeuge ermöglicht wird, um die infrastrukturelle Grundlage
für die Förderung von Elektromobilität weiter voranzubringen.
71
Innenstadt – Platz für Begegnungen
Die Innenstadt umfasst den linksrheinischen Stadtkern von Köln
innerhalb des Inneren Grüngürtels sowie den rechtsrheinischen
Stadtteil Deutz. Die Innenstadt ist gekennzeichnet durch Einzel-
handel, Gastronomie, Kultur und Sehenswürdigkeiten, aber auch
Wohnen. Durch die radiale Stadtstruktur bestehen viele Pendel-
beziehungen. Daraus resultiert eine Bündelung der Verkehre in
Richtung Innenstadt, die einen zentralen Verkehrsknotenpunkt bildet.
Die Innenstadt zeichnet sich durch eine Reihe von Vorteilen aus,
die sie zu einem attraktiven Lebensraum machen. Eine der größten
Chancen ist der hohe Anteil des Umweltverbunds am Modal Split, da
viele Kölner*innen, die in der Innenstadt wohnen, bereits umwelt-
freundliche Verkehrsmittel wie den öffentlichen Nahverkehr, das
Fahrrad oder den Fußweg nutzen. Dies zeigt sich sowohl im Modal
Split des Bezirks Innenstadt als auch in der hohen Dichte an Sha-
ring-Mitgliedschaften und der vergleichsweise geringen Pkw-Dichte.
Begünstigend dafür ist das gute Angebot des ÖPNV sowie das große
Angebot an Versorgungseinrichtungen, Kultur und Freizeitmöglich-
keiten, was den Anteil der kurzen Wege erhöht.
Dennoch weist die Innenstadt neben den beschriebenen Vorteilen
auch Defizite auf, die ihre Attraktivität und Nutzbarkeit einschränken.
Ein zentrales Problem ist der begrenzte Raum, der von zahlreichen
Verkehrsteilnehmenden beansprucht wird, was Nutzungskonflikte
hervorruft. Besonders in der Innenstadt verschärft die städte-
bauliche Struktur diese Herausforderung, da die mittelalterlichen
Gassen sowie die schmalen Straßenquerschnitte auch außerhalb der
Altstadt die verfügbare Verkehrsfläche zusätzlich begrenzen. Be-
sonders kritisch ist die unzureichende Barrierefreiheit. Es mangelt
vielerorts an Leitsystemen für Menschen mit Sehbehinderung und
ausreichenden Querungsmöglichkeiten für Menschen, die zu Fuß
gehen. Grünflächen sind nicht ausreichend vorhanden, obwohl sie
72
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
sowohl für eine gute Aufenthaltsqualität als auch für das Stadtklima
von großer Bedeutung sind. Die Infrastruktur für den Radverkehr ist
ungenügend und es mangelt neben Fahrradinfrastruktur auch an
qualitativ hochwertigen Fahrradabstellanlagen. Diese Schwächen
führen insbesondere in der Innenstadt zu Sicherheitsrisiken und
einer Vielzahl von Unfallhäufungsstellen.
Da innerhalb der Innenstadt bereits viele Wege mit dem Umwelt-
verbund gemacht werden, liegt der Schwerpunkt der strategischen
Ausrichtung für Wege in die Innenstadt verstärkt darauf, diese vom
Pkw auf den Umweltverbund zu verlagern.
Im Mittelpunkt steht die Gestaltung der Innenstadt als attraktiven
und lebenswerten Raum, der unter anderem den lokalen Einzel-
handel stärkt. Sie soll ein Ort der Begegnung sein, an dem sich
Menschen – unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel – sicher und
wohl fühlen und sich gerne aufhalten.
Fußverkehr: Barrieren abbauen
Besonders in der Innenstadt werden viele Wege zu Fuß zurückgelegt,
beispielsweise beim Einkaufen oder Sightseeing. Der Fußverkehr
ist besonders für kurze Distanzen attraktiv. Zu Stoßzeiten weist die
Innenstadt ein sehr hohes Fußverkehrsaufkommen auf, was zu sehr
beengten Verhältnissen beim zu Fuß gehen sowie zu Konflikten
zwischen Fußgänger*innen und anderen Verkehrsteilnehmenden
führt. Daher spielt die Schaffung von besseren Bedingungen und
mehr Raum für den Fußverkehr eine zentrale Rolle. Wo immer mög-
lich, sollten Gehwege ausgebaut und mögliche Hindernisse entfernt
werden. Besonders E-Scooter werden im Straßenraum häufig als
Hindernis wahrgenommen und stellen nicht nur für mobilitätsein-
geschränkte Personen ein Problem dar. Deswegen soll der Fokus
darauf gelegt werden, geeignete Abstellmöglichkeiten zu schaffen,
beispielsweise mit Mobilstationen oder einfachen Abstellflächen.
Eine Aufteilung des Gehwegs in eine Zone mit Möblierung und einer
freizuhaltenden Bewegungszone soll konsequent umgesetzt werden.
Gleichzeitig ist es von großer Bedeutung, direkte Verbindungen zu
stärken, damit auch Fußgänger*innen möglichst sicher und kom-
fortabel an ihr Ziel gelangen. Dazu gehören beispielsweise gute
Querungsmöglichkeiten und weniger Umwege für den Fußverkehr,
eine zentrale Forderung aus der Online-Beteiligung.
73
Nicht nur im Straßenraum, sondern auch zwischen den Stadtteilen
sollen direkte Verbindungen verbessert werden. Der Rhein sorgt als
natürliche Barriere dafür, dass Fußgänger auf Rheinquerungsmög-
lichkeiten angewiesen sind. Um die Barrierewirkung des Rheins zu
verringern, erscheint die Schaffung neuer Rheinquerungen wichtig.
Radverkehr: Raum nutzen
Zur Verlagerung kurzer Wege auf aktive Verkehrsmodi ist der Radver-
kehr zentral. Im Bereich des Einzelhandels und der Nahversorgung
besteht besonders großer Bedarf an hochwertigen Radabstellan-
lagen. Der Ausbau des Fahrradparkens in diesem Gebiet trägt als
strategische Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung des Fahrradfah-
rens bei. Der wichtigste Faktor für die Förderung des Radverkehrs ist
der Ausbau sicherer Fahrradinfrastruktur. In Beteiligungsformaten
wurde Sicherheit immer wieder als ein entscheidender Aspekt ge-
nannt, wenn es darum ging, was für die Menschen beim Radfahren
wichtig ist. Sichere Fahrradinfrastruktur bedeutet dabei nicht nur,
Platz für Radwege zu schaffen, sondern auch dafür zu sorgen, dass
diese durchgängig sind und auf den Hauptachsen möglichst von
anderen Verkehrsteilnehmer*innen getrennt verläuft.
Um die Attraktivität weiter zu erhöhen, muss auch die Reisege-
schwindigkeit verbessert werden. Analog zum Fußverkehr sollten
auch für den Radverkehr geeignete Rheinquerungsmöglichkeiten
geschaffen werden, um die Mobilität sicher zu gestalten und die Rei-
sezeiten zu verkürzen.
ÖPNV: Kapazitäten und Betriebsqualität erhöhen
Besonders in der Innenstadt ist das ÖPNV-Netz gut ausgebaut.
Daher liegt der Fokus hier auf der Verbesserung von Abläufen und
der Leistungsqualität. Damit sind vor allem die Zuverlässigkeit und
die Erhöhung von Taktfrequenzen gemeint, speziell zu den Randzei-
ten. Die Zuverlässigkeit ist ein entscheidender Faktor dafür, ob das
Verkehrsmittel gewählt wird oder nicht. Um mit dem privaten Pkw
konkurrieren zu können, muss der ÖPNV seine Zuverlässigkeit weiter
steigern.
74
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Daneben gilt es auch hier die natürliche Barriere des Rheins durch
die Stärkung der Ost-West-Verbindungen zu überwinden. Neben
der Optimierung bestehender Linienführungen über Rheinbrücken
sollen auch Alternativen getestet werden, wie beispielsweise der Ein-
satz von Wasserbussen oder Seilbahnen. Vor dem Hintergrund der
Entwicklungsprojekte Deutzer Hafen und Mülheimer Süden sollen
zudem die rechtsrheinischen Nord-Süd-Verbindungen im ÖPNV ge-
stärkt werden.
MIV: Straßenraum neu organisieren
Um alle strategischen Maßnahmen in der Innenstadt umzusetzen
und den Platz dafür zu schaffen, ist es erforderlich, den Straßen-
raum so umzugestalten, dass er den heutigen und zukünftigen
Ansprüchen gerecht werden kann. Besonders zur Umsetzung der
Maßnahmen der übrigen Handlungsfelder wird eine Reduktion des
ruhenden Verkehrs notwendig sein. Der dadurch gewonnene Raum
wird genutzt, um die Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr aus-
zubauen, Grünflächen zu schaffen und dem Lieferverkehr Raum zu
geben. Diese strategische Maßnahme zielt darauf ab, Nutzungskon-
flikte zu verringern und die Verkehrssicherheit für alle zu erhöhen.
Parallel dazu soll das Parkraummanagement so verbessert wer-
den, dass die Auslastung der Parkhäuser erhöht wird. Ziel ist es,
Parksuchverkehre zu vermindern und die für Pkw-Parken genutzte
öffentliche Fläche zu reduzieren.
Zur Erhöhung der Sicherheit und Verringerung von Unfallhäu-
fungsstellen sollen zudem mehr T empo-30-Bereiche (das heißt
streckenbezogen und Tempo 30-Zonen) eingerichtet werden. Diese
tragen maßgeblich dazu bei, schwere Unfälle zu vermeiden und die
Verkehrssicherheit zu erhöhen.
75
Multimodalität: Angebot strukturieren
Kölner*innen haben mit dem bestehenden Angebot von KVB-Rad,
Carsharing und privaten E-Scooter-Anbietern derzeit schon gute
Möglichkeiten, um multimodal in der Innenstadt unterwegs zu sein.
Darüber hinaus soll das Netz an Sharing-Stationen gemäß dem be-
reits beschlossenen Raumbuch Mobilstationen34 weiter ausgebaut
werden, um das Angebot in der Innenstadt zu erhöhen und damit
auch die Attraktivität gegenüber dem privaten Pkw-Besitz zu fördern.
Wirtschafts- und Lieferverkehr: Wege besser organisieren
Die hohe Einzelhandelsdichte in Kölns Innenstadt erfordert die
Sicherstellung bedarfsgerechter Lösungen für den Lieferverkehr.
Aufgrund der überregionalen Bedeutung der Innenstadt und der auf
den Stadtkern radial ausgerichteten Stadtstruktur bündelt sich dort
der Lieferverkehr. Um die Wege effizienter zu gestalten und Konflikte
mit dem privaten Pkw-Verkehr zu vermeiden, sollen beispielsweise
die Wirtschaftszonen, die erstmals im September 2024 in Köln im
Testbetrieb eingerichtet35 wurden, weiter bedarfsgerecht ausgebaut
werden. Diese Zonen sind ausschließlich Handwerksbetrieben sowie
Pflege- und Lieferdiensten vorbehalten und sollen besonders in Be-
reichen geschaffen werden, in denen hoher Parkdruck herrscht und
die Belieferung einen großen Zeitaufwand in Anspruch nimmt.
Daneben ist eine weitere potentielle Maßnahme die Förderung von
zentralen Umschlagstellen sowohl am Rande oder außerhalb der
Innenstadt als auch sogenannte (anbieterneutrale) Micro-Hubs in di-
rekter Innenstadtlage. An diesen Umschlagstellen können Waren von
großen Lieferfahrzeugen angeliefert, gesammelt, neu sortiert und auf
kleinere, umweltfreundlichere Transportmittel umgeladen und klein-
räumig in der Innenstadt verteilt werden.
Diese strategischen Maßnahmen tragen auch zur Erhöhung der Ver-
kehrssicherheit in der Innenstadt bei. Insbesondere Lieferverkehr,
der in zweiter Reihe parkt, ist ein Sicherheitsrisiko für Fuß- und Rad-
verkehr.
34 Vorlage 0910/2024
35 https:/ /www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/
26968/index.html
76
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Raumplanung und -nutzung: Stadtgrün stärken
Das Handlungsfeld Stadtplanung konzentriert sich besonders auf
die blau-grüne Infrastruktur und insbesondere auf die Begrünung
der Innenstadt, da es dort im Bestand zu wenige Grünflächen gibt.
Stadtgrün ist aber entscheidend, um die Stadt für die Herausforde-
rungen des Klimawandels zu wappnen und die Aufenthaltsqualität
zu erhöhen. Besonders in der Innenstadt wird eine starke Hitze-
belastung prognostiziert. Maßnahmen in diesem Handlungsfeld
wie beispielsweise Dach- und Fassadenbegrünung verbessern das
Stadtklima, schaffen Schatten und machen die Stadt mit der Entsie-
gelung von Flächen resilienter gegenüber Starkregenereignissen.
Durch die Umgestaltung des Straßenraums wird zudem mehr Platz
geschaffen, um Begegnungsräume zu schaffen, die den öffentli-
chen Raum lebenswerter machen. Darunter können beispielsweise
Spielangebote für Kinder, Sitzmöglichkeiten oder gastronomische
Angebote fallen.
77
Innere Stadt – Zuhause in meinem Veedel
Die Innere Stadt umfasst den Bereich Kölns, der zwischen dem In-
neren und dem Äußeren Grüngürtel bzw. rechtsrheinisch in diesem
Radius liegt. In der Inneren Stadt haben sich gemischte und dichte
Stadtteile mit lebendigen Stadträumen entwickelt, auch kulturelle
Angebote und gewerbliche Nutzungen sind in diesem Gebiet zu fin-
den. Besonders in der Inneren Stadt geraten die Stadtteile unter der
steigenden Verkehrsbelastung immer mehr unter Druck. Es besteht
ein hohes Potenzial zur Nachverdichtung, in deren Folge eine zusätz-
liche Steuerung neuer Verkehre notwendig wird.
In der Inneren Stadt bieten sich Chancen durch die überwiegend
gute Erschließungsqualität des öffentlichen Nahverkehrs sowie
durch einige Stadtteile mit vergleichsweise niedriger Pkw-Dichte wie
zum Beispiel Lindenthal, Ehrenfeld und Nippes. Generell ist zu beob-
achten, dass eine hohe Angebotsdichte des ÖPNV in Köln mit einer
niedrigeren Pkw-Dichte korreliert. Das große Potential einer hohen
Angebotsqualität im ÖPNV ist deutlich erkennbar.
Demgegenüber mangelt es in einigen Stadtteilen an einer aus-
reichenden Nutzungsdurchmischung. Dies führt dazu, dass
möglicherweise nicht alle Erledigungen für den täglichen Bedarf auf
kurzen Wegen im eigenen Stadtteil getätigt werden können. Je ge-
ringer die Nutzungsdurchmischung in einem Bezirk ist, desto länger
sind die täglich zurückgelegten Wege. In der Konsequenz werden
mehr Wege mit dem Pkw zurücklegt. Es mangelt in der Inneren Stadt
an Angeboten im Bereich Sharing-Dienste, die flexible multimoda-
le Mobilität fördern und dazu beitragen können, den Privatbesitz
von Pkws zu reduzieren. Ein kritischer Punkt für den ÖPNV sind die
wenigen Tangentialverbindungen innerhalb der Inneren Stadt sowie
fehlende Rheinquerungen, die die Erreichbarkeit und Vernetzung mit
benachbarten Stadtteilen erschweren und innenstadtzentrierte Ver-
kehre begünstigen.
78
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Bereits in den „Kölner Perspektiven 2030+“ wurde ein hohes Nach-
verdichtungspotenzial in der Inneren Stadt festgestellt. Daher zielen
die strategischen Maßnahmen in diesem Bereich besonders darauf
ab, Pkw-Fahrten zu reduzieren, indem Wege verkürzt werden. In
einem dichten Stadtviertel mit vielen Nahversorgungseinrichtungen
können viele Wege vermieden werden, da beispielsweise für Besor-
gungen keine Wege in andere Stadtviertel getätigt werden müssen.
Insgesamt liegt der Fokus bei diesem Raumtyp auf der Mobilität
innerhalb des eigenen Veedels und die Attraktivitätssteigerung
dessen. Zukünftig soll dies dazu beitragen, dass mehr alltägliche
Angebote im eigenen Veedel erreichbar und mit umweltfreundlichen
Verkehrsmitteln ansteuerbar sind, die Nachbarschaft und damit
letztendlich auch die Lebensqualität gestärkt wird. Dabei geht es
nicht darum, Menschen auf das Leben in ihrem Stadtviertel zu be-
schränken, sondern die Möglichkeit und Attraktivität zu schaffen,
viele Wege innerhalb des Veedels zu erledigen.
Fußverkehr: Alles erreichen
Hier liegt der Fokus darauf, dass alle Ziele innerhalb des eigenen
Veedels zu Fuß erreichbar sind. Je attraktiver außerdem Fußwege
gestaltet werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass Wege tatsäch-
lich zu Fuß zurückgelegt werden.36 Auch wenn fast überall Gehwege
vorhanden sind, sind bestehende Lücken zu schließen und die Quali-
tät im Sinne der Barrierefreiheit sowie des Komforts, wo immer es
geht, zu erhöhen. Das bedeutet konkret, dass Direktverbindungen
zu stärken und vor allem Querungssituationen verbessert werden
sollen, um sowohl Zeitersparnis als auch Komfort durch intuitive,
umwegfreie Routenführungen und durchgehende Gehwege zu
steigern. Gehwege sollen qualitativ hochwertig und in ausreichen-
der Breite ausgebaut werden, um ein angenehmes zu Fuß gehen
zu ermöglichen und barrierefrei sein, um Teilhabe unabhängig von
Mobilitätseinschränkungen zu gewährleisten.
36 Umweltbundesamt (2020): Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungs-
räumen
79
Radverkehr: Freie Fahrt ermöglichen
Den Radverkehr zu fördern ist ein wichtiger Baustein, um kurze
Wege im Veedel nachhaltig zurückzulegen. Der Fokus liegt auf dem
Ausbau eines zusammenhängenden und direkten Radverkehrsnet-
zes, das den Kölner*innen ermöglicht, sowohl innerhalb des Veedels
als auch in Richtung Innenstadt, der Äußeren Stadt sowie zu benach-
barten Veedeln sicher mit dem Fahrrad zu fahren. Der Radverkehr
soll auf durchgängigen Fahrradrouten beschleunigt werden, bei-
spielsweise durch Bevorrechtigung an Lichtsignalanlagen.
Neben einer attraktiven und sicheren Wegführung sind sichere
Fahrradabstellmöglichkeiten an Start- und Zielort Voraussetzung,
dass das Fahrrad als Verkehrsmittel zunehmend genutzt wird. Ins-
besondere in dicht besiedelten Veedeln sind nicht in jedem Gebäude
sichere und ausreichende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vor-
handen. Daher sollen künftig mehr gesicherte Abstellplätze in den
Quartieren sowie bei Einrichtungen des täglichen Bedarfs entstehen.
ÖPNV: Zwischenräume stärken
Der ÖPNV in der Inneren Stadt bietet nahezu flächendeckend eine
hohe Erreichbarkeit. Insbesondere die Verbindungen zwischen der
Inneren Stadt und der Innenstadt sind gut ausgebaut. Zukünftig
soll der Ausbau des Angebots jedoch stärker auf das Herstellen von
tangentialen Verbindungen sowie von weiteren Verbindungen über
den Rhein hinweg fokussiert werden. Auf diese Weise wird nicht nur
die Erreichbarkeit der Innenstadt gesichert, sondern auch die Anbin-
dung der benachbarten Veedel verbessert.
Darüber hinaus soll der ÖPNV beschleunigt werden und seine
Zuverlässigkeit erhöht werden, um die Reisezeiten zu verkürzen
und somit seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem privaten
Pkw deutlich zu verbessern. Möglichkeiten sind beispielsweise der
Einsatz von Busspuren, Ampelvorrangschaltungen, zeitlichen Maß-
nahmen zur Busbevorrechtigung oder Expressbuslinien.
80
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
MIV: Pkw-Verkehre neu organisieren
Um die Veedel zu attraktiven und lebenswerten Räumen weiterzu-
entwickeln, ist es wichtig, Lärm und Abgase so weit wie möglich
aus ihnen fernzuhalten. Dafür ist es notwendig, die Pkw-Verkehrs-
ströme zu bündeln. Als Grundlage dafür dient das erarbeitete
MIV-Grundnetz. Konkret bedeutet dies, dass sich wichtige MIV-Ver-
bindungen prioritär auf das MIV-Grundnetz konzentrieren sollen,
um Durchgangsverkehre möglichst aus untergeordneten Straßen zu
reduzieren. Der Ausbau von streckenbezogenen geschwindigkeits-
reduzierten Abschnitten wie T empo 40, 30 und 20 sowie Tempo
30-Zonen und von verkehrsberuhigenden Maßnahmen – wie bei-
spielsweise durch das Projekt „Mobil im lebenswerten Quartier“37
– ist dafür notwendig.
In den Veedeln ist der öffentliche Raum gerechter zu verteilen und
Platz sowohl für Aufenthalt und Begegnung als auch für nachhalti-
ge Mobilität zu schaffen. Hierfür ist eine Reduktion des ruhenden
Verkehrs im öffentlichen Straßenraum unerlässlich. Darüber hinaus
ist es wichtig, dass ordnungswidriges Parken nicht länger geduldet
und konsequent geahndet wird. So kann der öffentliche Raum besser
genutzt, die Sicherheit erhöht und die Lebensqualität in den Veedeln
nachhaltig gesteigert werden. Neben diesen restriktiven Maßnah-
men sind jedoch auch begleitende Anreize entscheidend: So kann
beispielsweise ein erweitertes Carsharing-Angebot den Umstieg
erleichtern und langfristig zur Reduzierung parkender Fahrzeuge
beitragen. Ebenso könnte die Integration unterausgelasteter Park-
häuser in das Bewohnerparken eine sinnvolle Ergänzung darstellen,
um alternative Stellplatzmöglichkeiten zu schaffen.
37 Mobil im lebenswerten Quartier – Stadt Köln
81
Multimodalität: Angebote erweitern
Da das bestehende Sharing-Angebot derzeit noch deutlich hinter
den Anforderungen, die im Raumbuch Mobilstationen definiert sind,
zurückbleibt, ist ein flächendeckender Ausbau dringend notwendig.
Mobilstationen sollen dabei im Veedel nicht nur als reine Verleih-
stationen, sondern auch als Begegnungsorte fungieren. Dabei ist es
jedoch entscheidend, zunächst auf eine flächendeckende Verfüg-
barkeit zu setzen um die Nutzung zu maximieren und mittelfristig
freie Flächen für eine gezielte Gestaltung zu schaffen. Erst wenn
ausreichend Mobilstationen etabliert sind und ihre Wirkung ent-
falten, können ergänzende Angebote zur sozialen Interaktion sowie
Maßnahmen zur Aufenthaltsqualität, wie Begrünung und Sitzgele-
genheiten, sinnvoll integriert werden.
Wirtschafts- und Lieferverkehr: Lieferverkehre bündeln
Die Reduzierung und Vermeidung ineffizienter Haustür-Paketzustel-
lungen haben das Potenzial, die Lieferverkehre in der Inneren Stadt
deutlich zu verringern. Jede Haustürzustellung erfordert die individu-
elle Auslieferung eines Pakets, was nicht nur den Parkdruck in dicht
bebauten Wohnquartieren erhöht, sondern auch Lärm und Emissio-
nen verursacht. Um diese Verkehrsströme effizienter zu gestalten,
sollten unter anderem verstärkt zentrale und nach Möglichkeit
anbieterneutrale Abholstellen eingerichtet und deren Ausbau vo-
rangetrieben werden. So können Zustellfahrten gebündelt werden
und damit ein negativer Einfluss auf die Wohnumgebung durch den
Zustellverkehr minimiert werden. Indem die Abholstellen an zent-
ralen Stellen installiert werden, die die Menschen häufig ansteuern,
wird zudem vermieden, dass durch die Abholung nicht noch weitere
Wege gemacht werden müssen.
Aus der Perspektive der Nutzenden können Abholstellen an
zentralen Orten wie beispielsweise wichtigen Nahversorgungsein-
richtungen in den Quartieren eine praktische Möglichkeit bieten,
alltägliche Wege zu kombinieren. Wenn Pakete während ohnehin
geplanter Erledigungen abgeholt werden, können zusätzliche Wege
vermieden werden.
82
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Falls nicht die Möglichkeit besteht, Pakete an Abholstellen abzu-
holen, sollte weiterhin eine Zustellung bis an die Haustür ermöglicht
werden – zukünftig jedoch auf umweltfreundlichere Weise. So sollte
der Einsatz von Fahrzeugen mit emissionsfreien Antrieben und Ver-
teilung von Paketen an möglichst anbieterneutralen Micro-Hubs in
der Logistik gefördert werden. Auch für den weiteren Lieferverkehr
ist die Unterstützung eines emissionsfreien Transports eine zentrale
Komponente.
Raumplanung und -nutzung: Nachbarschaft stärken
Um kurze Wege zu fördern, muss nicht nur die aktive Mobilität
gestärkt werden, sondern es müssen auch Angebote geschaf-
fen werden, die auf kurzen Distanzen erreichbar sind. Dazu ist
erforderlich, dass bestehende Flächen effizienter genutzt und
Doppelnutzungen gefördert werden (beispielsweise indem Flächen
tagsüber zum Liefern und abends zum Parken oder tagsüber als
Kindergarten und abends als Nachbarschaftsraum genutzt wer-
den). Quartiere sollen gezielt nachverdichtet werden, um Wohnraum,
Arbeitsplätze, Einrichtungen des täglichen Bedarfs und Freizeitange-
bote räumlich näher zusammenzubringen.
Im Zuge der Nachverdichtung des Veedels ist es jedoch ebenso
wichtig, ein angenehmes Wohnumfeld zu schaffen und damit auch
das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner*innen zu stärken.
Daher sollte der Fokus zukünftig noch stärker als bislang darauf lie-
gen, Begegnungsräume im öffentlichen Raum zu schaffen und die
Aufenthaltsqualität zu verbessern .
83
Äußere Stadt – Grün und gut verbunden
Die Äußere Stadt umfasst den Bereich Kölns, der außerhalb des
äußeren Grüngürtels liegt. Die Stadtstruktur ist äußerst heterogen
und reicht von teils suburbanen Wohngebieten bis hin zu Großwohn-
siedlungen. Die Nutzungsdurchmischung und Dichte der Quartiere
nehmen in diesem Gebiet deutlich ab. Soziale und kulturelle Ange-
bote sind in diesem Gebiet weniger stark ausgeprägt. Es befinden
sich große Gewerbegebiete in der Äußeren Stadt.
Ein wesentliches Charakteristikum der Äußeren Stadt liegt insbe-
sondere in den zahlreichen Grün- und Naherholungsflächen. Diese
bieten nicht nur eine hohe Aufenthaltsqualität, sondern tragen auch
positiv zum Stadtklima bei. Die Äußere Stadt verfügt zudem über
Park + Ride- sowie Bike + Ride-Möglichkeiten an wichtigen ÖPNV-
Knotenpunkten. Dadurch werden intermodale Reiseketten gefördert
und der Umstieg auf den Umweltverbund für die Einpendler*innen
erleichtert.
Die Verbesserungspotenziale der Äußeren Stadt sind vielfältig: Die
vergleichsweise hohe Pkw-Dichte ist unter anderem auf die be-
grenzte Erschließungsqualität des ÖPNV, unzureichende tangentiale
Verkehrsverbindungen für den ÖPNV sowie fehlende Radschnell-
verbindungen zurückzuführen. Außerdem fehlt ein umfassendes
Sharing-Angebot. Zwar gibt es in der Äußeren Stadt das höchste
Potential für private Ladeinfrastruktur. Dennoch ist anzumerken,
dass die öffentliche Ladeinfrastruktur weniger stark ausgebaut ist
als in den anderen Raumtypen.
84
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Vor diesem Hintergrund wurde bei der Entwicklung des Zielszenarios
zur Äußeren Stadt ein besonderes Augenmerk auf die Verlagerung
von Alltagswegen vom MIV auf den Umweltverbund gelegt. Um das
Umsteigen für potenzielle Nutzer*innen attraktiv zu gestalten, ist
ebenfalls die Verbesserung des Angebots der anderen Verkehrs-
mittel entscheidend. Dazu trägt beispielsweise die Beschleunigung
des ÖPNV bei. Gleichzeitig bleibt der MIV aufgrund der räumlich
heterogenen Struktur sowie der damit verbundenen komplexeren
Wegeketten und längeren Distanzen in den äußeren Stadtbereichen
von Bedeutung. Vielmehr ist die gute Verbindung mit dem Um-
weltverbund in angrenzende Stadtteile, die Förderung alternativer
Antriebe für den MIV, ebenso wie die Förderung von nachhaltigen
Liefermöglichkeiten wichtig.
Fußverkehr: Alles erreichen
Da in den Außenbereichen häufig größere Distanzen zurückgelegt
werden, hat sich dort eine Pkw-zentrierte Gestaltung des Straßen-
raums etabliert. Um der Dominanz des Pkw-Verkehrs im Straßenbild
entgegenzuwirken und auch für andere Verkehrsmittel attraktiv zu
machen, sollten vor allem Bereiche, die derzeit besonders Pkw-zent-
riert gestaltet sind, fußgängerfreundlich umgestaltet werden. Wenn
Wege zum Gehen oder Radfahren einladen, kann vermieden werden,
dass selbst kurze Distanzen mit dem Auto zurückgelegt werden.
Radverkehr: Schnell vorankommen
Um das Radfahren auch über längere Distanzen in der Äußeren
Stadt attraktiv zu gestalten, ist der Ausbau von RadPendlerRouten
sowohl in Richtung Innenstadt als auch zwischen den Stadtbezirken
von zentraler Bedeutung und deren weiteren Umsetzung anzu-
streben. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Schaffung direkter
und durchgängiger Verbindungen für den Radverkehr und dessen
Beschleunigung auf diesen Routen liegen. Die Routen sollen dabei
auch gezielt mit dem Umland verknüpft werden, sodass auch Ein-
pendler*innen von dem Angebot profitieren. Ergänzend können
Maßnahmen wie die Bevorrechtigung an Kreuzungen und fahrrad-
freundliche Ampelschaltungen erheblich zur Beschleunigung des
Radverkehrs beitragen. Um intermodale Reiseketten innerhalb des
Umweltverbundes zu ermöglichen, ist ein ausreichendes Angebot an
85
sicheren und nutzungsfreundlichen Fahrradabstellmöglichkeiten
an Umsteigepunkten des ÖPNV wichtig. Dies kann beispielsweise
durch Angebote wie überdachte Abstellmöglichkeiten an kleinen
ÖPNV-Punkten der Fall sein, oder der Ausbau von Bike + Ride-
Flächen an zentralen Umstiegsknotenpunkten.
ÖPNV: Angebot konkurrenzfähig machen
Die Entwicklung eines konkurrenzfähigen öffentlichen Nahverkehrs
erfordert einen klaren Fokus auf Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und
Pünktlichkeit. Da besonders in der Äußeren Stadt die Erschließungs-
qualität abnimmt, ist hier eine bedarfsgerechte Verbesserung
essenziell. Zudem ist die Erschließung innerhalb der Veedel und
nicht nur in Richtung Innenstadt dabei wichtig. Analog zu den an-
deren Raumtypen sollen auch hier vermehrt Verbindungen über
den Rhein ausgebaut und eingerichtet werden und effiziente neue
Lösungen geprüft werden. Darüber hinaus sollte das ÖPNV-Ange-
bot stärker mit den Anforderungen des Umlands abgestimmt und
sinnvoll vernetzt werden, um eine nahtlose Mobilität über alle neun
Stadtbezirke und die angrenzenden Kommunen hinweg zu gewähr-
leisten.
MIV: Pkw-Verkehr neuorganisieren
Um die Dominanz des Pkw-Verkehrs im Straßenraum dauer-
haft zu reduzieren, ist eine grundlegende Neuorganisation des
Pkw-Verkehrs notwendig. Dafür soll analog zum Raumtyp Innere
Stadt der Fokus auf der Bündelung von Durchgangsverkehren
auf dem MIV-Grundnetz liegen. Außerhalb dieses Grundnetzes
ist der konsequente Ausbau von T empo-30-Bereichen (das heißt
streckenbezogen sowie Tempo 30-Zonen) und weiteren verkehrsbe-
ruhigenden Maßnahmen vorzunehmen, um die Verkehrssicherheit
und die Lebensqualität in Wohngebieten zu erhöhen. Gleichzeitig
soll ordnungswidriges Parken zukünftig konsequent geahndet
werden. Gerade in der Äußeren Stadt gibt es häufig Probleme mit
dem Parken im öffentlichen Raum, weil dort viele Autos Parkplätze
blockieren, obwohl im privaten Bereich (wie zum Beispiel in Gara-
gen) ausreichend Platz vorhanden wäre. Neu gewonnener Platz soll
Angeboten des Umweltverbundes zugutekommen.
86
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Multimodalität: Pendlerverkehre verknüpfen
Um intermodale Reiseketten für Pendelnde besser zu verknüpfen,
soll das Netz an Sharing-Angeboten gemäß dem beschlossenen
Raumbuch für Mobilstationen flächendeckend ausgebaut werden.
Dieses Netz soll idealerweise sowohl stationäre Sharing- Angebote
als auch flexible Freefloating-Optionen in der Feinerschließung um-
fassen (für alle Arten des Sharings, das heißt Carsharing, Bikesharing
sowie Mikromobilität). Ergänzend dazu leistet der bedarfsgerechte
Ausbau von Park + Ride- sowie Bike + Ride-Anlagen einen wesent-
lichen Beitrag zur verbesserten Verknüpfung und einem nahtlosen
Übergang zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln.
Wirtschafts- und Lieferverkehr: Lieferverkehre bündeln
Analog zur Inneren Stadt bestehen die Potenziale im Lieferverkehr
darin, Fahrten zu vermeiden bzw. zu bündeln. Durch die Bündelung
von Lieferverkehren an zentrale Abholstationen, etwa an ÖPNV-
Knotenpunkten und an zentralen Stellen in Quartieren können
Fahrten besser gebündelt und vermieden werden. Besonders an
ÖPNV-Haltepunkten können Pendler*innen von einem solchen An-
gebot profitieren.
Zur weiteren Optimierung des Wirtschafts- und Lieferverkehrs in
der Äußeren Stadt werden im SULP noch weitere Maßnahmen be-
trachtet.
87
Raumplanung und -nutzung: Angebote dezentralisieren
Die Dezentralisierung von Angeboten – das heißt mehr Angebote
in den jeweiligen Stadtteilen der äußeren Stadt – schafft belebte
Veedel und sorgt für kürzere Distanzen, was die Erledigung von All-
tagsbesorgungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad begünstigt. Gerade
in diesem Raumtyp fehlt es teilweise an sozialen und kulturellen
Angebote. Eine gezielte, bedarfsgerechte Nachverdichtung mit
Einrichtungen des täglichen Bedarfs sowie von Freizeitangeboten
in den Veedeln ist besonders sinnvoll. Auf diese Weise entstehen
wertvolle Begegnungsräume. Um die Erreichbarkeit dieser Ange-
bote sicherzustellen, soll entsprechend des Ziels der Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“ eine am ÖPNV ausgerichtete Stadt-
entwicklung gefördert werden. Gerade Neubaugebiete sollen darauf
ausgerichtet werden, dass die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV schon
vor dem Einzug gewährleistet ist.
88
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Kölns Verflechtung mit der Region
Die Zukunft der Kölner Mobilität betrifft nicht nur die Menschen, die
direkt in Köln leben und wohnen, sondern auch jene Personen, die
regelmäßig zum Arbeiten, für ihre Ausbildung oder zu Freizeitaktivi-
täten nach Köln kommen. Derzeit hat Köln rund 450.000 Ein- und
Auspendler*innen im Berufsverkehr38. Eine intensive Verflechtung
mit der Region gilt auch für den Warenverkehr von und nach sowie
durch Köln. Gleichzeitig sollen sich die Kölner*innen gemäß des Ziel-
bildes „Ich komme gut durch Stadt und Umland“ nicht nur schnell,
zuverlässig und flexibel innerhalb Kölns sondern auch in die umlie-
genden Städte und Gemeinden bewegen können.
Der nachhaltige Mobilitätsplan zielt grundsätzlich auf die Entwick-
lungen von Maßnahmen für das Kölner Stadtgebiet ab. Aufgrund
der intensiven Verflechtungen haben diese Maßnahmen aber auch
Einfluss über die städtischen Grenzen hinweg. Ergänzend arbeiten
auch weitere Kommunen in der Region an Mobilitätsplänen, deren
Maßnahmen Einfluss auf die Mobilität in Köln haben können. Zur
Verzahnung der Aktivitäten der Stadt Köln mit dem links- und rechts-
rheinischen Umland (der gemäß der SUMP-Leitlinien sogenannten
functional urban area), wurde das Regionalforum mit zwei Sitzungen
eingerichtet. Teilnehmende waren 14 Kommunen, vier Kreise sowie
zehn regionsübergreifende Institutionen.39
Die erste Sitzung im Juni 2023 befasste sich mit der Wahrnehmung
der Angebots-Qualität aus Sicht der Pendelnden. Die Ergebnisse
flossen in die Chancen- und Mängelanalyse ein.
› Im Handlungsfeld des MIV wurde das gut ausgebaute Autobahn-
netz um Köln als Stärke benannt. Zudem bestünden bereits einige
gut genutzte P+R-Anlagen im Umland sowie erste regionsweite
38 Einpendeln und Auspendeln in Köln – Über Muster beim Berufspendeln 2023
39 Mitglieder des Regionalforums sind die Städte Bergisch Gladbach, Bonn,
Brühl, Dormagen, Düsseldorf, Frechen, Hürth, Leverkusen, Monheim, Niederkassel,
Pulheim, Rösrath, Troisdorf, Wesseling, die Kreise Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-
Bergischer-Kreis, Rhein-Kreis Neuss, Rhein-Sieg-Kreis und die übergreifenden
Akteure Autobahn GmbH, Bezirksregierung Köln, go.Rheinland, Köln und rechts-
rheinische Nachbarn (K&RN), Metropolregion Rheinland, Region Köln/Bonn e. V.,
Linksrheinisches Stadt-Umland Netzwerk (S. U.N.), Straßen.NRW, Zukunftsagentur
Rheinisches Revier, Zukunftsnetz Mobilität NRW
89
Sharing-Angebote, welche aber jeweils weiter auszubauen seien.
Eine Schwäche sei die zentrale Ausrichtung Kölns, die – verbun-
den mit vielen Transitverkehren – schnell zu Stau führen kann.
Zudem fehle ein überregionales Baustellen-Management.
› Im Handlungsfeld des ÖPNV und Inter- und Multimodalität
gebe es grundsätzlich ein sehr gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Es
fehlen jedoch Tangentialverbindungen um Köln herum sowie
damit verbunden verbesserte Möglichkeiten zur Rheinquerungen.
Verbesserungspotenzial besteht bei der Zuverlässigkeit, der Si-
cherheit und der Barrierefreiheit. Die Planung der Mobilstationen
in verschiedenen Größen wird begrüßt.
› Im Handlungsfeld Radverkehr wurden die regionalen Austausch-
formate von go.Rheinland hervorgehoben. Zudem werden gute
Erfahrungen mit Leihradsystemen auch in der Region gemacht,
wobei diese besser miteinander vernetzt werden sollten. Als
Schwächen werden Netzlücken sowie die mangelnde Qualität der
bestehenden Infrastruktur genannt. Die Rheinbrücken würden
zudem bessere Zugänge benötigen.
Die zweite Sitzung im Dezember 2024 befasste sich mit dem
Entwurf des Zielszenarios und den zugehörigen strategischen Maß-
nahmen. Die Ergebnisse flossen in die Strategieentwicklung ein.
› Das Zielszenario umfasst folgende strategische Maßnahmen, zu
denen ein deutlicher Umlandbezug identifiziert wurde:
– Pendel- und Logistikverkehre regional koordinieren
– Anreize für Arbeitgeber im Bereich Mobilitätsmanagement
schaffen
– Mobilitätsbeirat als Stakeholderübergreifendes Gremium
weiterführen
– Erweiterung der zentralen offenen Datenplattform
– Plattform für Logistik, Einzelhandel, Handwerksbetriebe und
Stadt schaffen
– Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes
der Stadt Köln (unter anderem mit Ergänzung von Mobilitäts-
aspekten) gemäß polyzentrischer Stadtentwicklung
– Integration von Gewerbegebieten
– Ausbau digitaler Echtzeitinformationen
– Park/Bike + Ride-Anlagen bedarfsgerecht ausbauen
– Ausbau RadPendlerRouten
– ÖPNV-Angebot mit Umland abstimmen und besser verknüp-
fen
– Angebotsausbau von Mobilstationen
– ÖPNV beschleunigen und Zuverlässigkeit erhöhen
– Rheinquerungen erweitern
90
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Folgende Aufgaben werden für die gemeinsame regionale Mobili-
tätsplanung als zentral angesehen:
› Weitere Abstimmung zu den fortgeschrittenen Planungen der
ÖPNV-Linien (insbesondere unter Berücksichtigung schwieriger
Finanzierungssituationen) und gemeinsame Aktivitäten zur Erhö-
hung der Zuverlässigkeit im ÖPNV.
› Ausbau des Park + Ride- und Bike + Ride-Angebots in der Region
(gemeinsam mit dem Zweckverband go.Rheinland), wobei das
Potential jedoch unterschiedlich hoch eingeschätzt wird.
› Stärkere Nutzung von Echtzeitinformationen, um den Verkehrs-
fluss auf der Straße zu verflüssigen und die Kommunikation im
ÖPNV zu verbessern.
› Stärkere Berücksichtigung der Mobilität bei der Siedlungsent-
wicklung.
› Weitere Zusammenarbeit zum Aufbau eines regionalen Bikesha-
ring-Systems und bei der Realisierung von Radverkehrsrouten
über die Gemeindegrenzen hinweg.
Die Sitzungen zeigten den Bedarf einer besseren Abstimmung der
Mobilitätsplanung auf regionaler Ebene. Auch die Verzahnung der
vorhandenen und in Entwicklung befindlichen Konzepte erscheint
wichtig. Das Regionalform soll daher auch in Stufe 2 fortgeführt wer-
den und so eine gemeinsame Arbeitsebene geschaffen werden.
91
Zielwerte
Für die erfolgreiche Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans
ist eine regelmäßige, methodisch fundierte und systematische
(Zwischen-)Bewertung der Fortschritte unerlässlich. Sie ist nicht
nur notwendig, um den Erfolg objektiv zu messen, sondern auch,
um den in der zweiten Stufe zu entwickelnden Maßnahmenkatalog
bei Bedarf anpassen und weiterentwickeln zu können und damit zu
gewährleisten, dass die Ziele des Leitbilds im vorgesehenen Zeit-
rahmen erreicht werden. Die Zielindikatoren wurden bereits während
der Leitbildentwicklung definiert und im Rahmen der Status quo-
Analyse wurden erste vorläufige Zielwerte festgelegt. Nach der
Entwicklung des Zielszenarios erfolgte die endgültige Festlegung,
die anschließend mit den Umsetzungspartnern der Stadt abge-
stimmt wurde. Die Zielindikatoren und -werte können in Stufe 2 noch
angepasst werden, beispielsweise, wenn sich die Datenlage verän-
dert oder erweitert.
Entlang der fünf Zielbilder wurden für alle 24 Zielindikatoren die
folgenden Zielwerte für das Jahr 2035 bestimmt, die durch die Um-
setzung der strategischen Maßnahmen erreicht werden sollen:
Ich komme gut durch Stadt und Umland
Ein wichtiger Indikator ist der Reisezeitvergleich zwischen ÖPNV
und MIV. Der aktuelle Wert von 1,73 bedeutet, dass Fahrten mit dem
ÖPNV im Durchschnitt 1,73mal so lange dauern wie mit dem Pkw.
Ziel ist es, dieses Verhältnis auf 1,5 zu senken, sodass der ÖPNV
konkurrenzfähiger wird. Dieser Zielwert basiert auf einer Empfehlung
des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)40 und wurde
mit den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) validiert.
Ein weiteres Kriterium ist die Erschließungsqualität des ÖPNV,
die sich nach dem Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu einem
10-Minuten-Takt-Angebot zur Hauptverkehrszeit (HVZ) und einem
15-Minuten-Takt zur Schwachverkehrszeit (SVZ) bemisst. Derzeit
haben 75 % der Bevölkerung in der HVZ und 65 % in der SVZ Zu-
gang zu solchen Takten. Als Zielwerte werden 82 % (HVZ) und 68 %
(SVZ) angestrebt, basierend auf Benchmark-Werten vergleichbarer
40 VDV (2019): Verkehrsschließung, Verkehrsangebote und Netzqualität im
ÖPNV
92
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Städte. Besonders Großstädte wie Berlin und Hamburg bieten höhe-
re Taktfrequenzen als Köln. Die Werte wurden ebenfalls mit der KVB
validiert.
Die Stauquote im MIV, gemessen als Anteil gestauter Fahr-
zeugkilometer an allen zurückgelegten Fahrzeugkilometern im
mobilitätsrelevanten Verkehrsnetz (MRV), liegt aktuell bei 2,1 %. Der
zukünftige Zielwert dient als Beobachtungsindikator, um Entwicklun-
gen im Verkehrsfluss zu überwachen. Die Daten sollen zukünftig mit
dem Mobilitäts-Cockpit (MoCKiii) der Stadt Köln beobachtet werden.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Pünktlichkeit und Ausfälle im
ÖPNV. Die Pünktlichkeitsquote betrug 2022 bei Stadtbahnen 79 %,
bei Bussen 75 % und im Schienenpersonenverkehr (SPNV) 76 %. Die
Ausfallquoten lag bei 6,4 % (Stadtbahn), 7,3 % (Bus) und 5,1 % (SPNV).
Ziel ist es, die Pünktlichkeit auf mindestens 90 % (Stadtbahn und
Bus) bzw. 95 % (SPNV) zu steigern, während die Ausfallquoten unter
2 % (Stadtbahn/Bus) bzw. 1 % (SPNV) gesenkt werden sollen. Diese
Ziele basieren auf einem Vergleich mit anderen Städten. Städte wie
Zürich erreichen diese Pünktlichkeitsquote, auch deutsche Städte
wie Berlin41 und Hamburg42 erreichen derzeit deutlich höhere Pünkt-
lichkeitsquoten von 91,3 % bzw. 94 % im Busverkehr und 90,8 % bei
Stadt- und Straßenbahn (Werte hier nur für Berlin).
Die Dichte der Mobilstationen, also die Anzahl an Mobilstationen pro
100.000 Einwohner*innen, liegt aktuell bei 1,6. Angestrebt wird eine
Dichte von 100 Stationen pro 100.000 Einwohner*innen, was aus
dem bereits beschlossenen Raumbuch Mobilstationen43 abgeleitet
und übertagen worden ist.
Bezüglich der Anzahl der Sharing-Mitgliedschaften (Car-, Bike-,
E-Scooter-Sharing) besitzen derzeit 47 % mindestens eine
Mitgliedschaft, 23 % besitzen mindestens zwei verschiedene Mit-
gliedschaften. Ziel ist es, die regelmäßige Nutzung – besonders dort,
wo derzeit noch wenig Angebot vorhanden ist – zu erhöhen, wobei
konkrete Zielwerte nicht definiert sind, und die Entwicklung über die
nächsten Jahre zu beobachten ist.
41 Daten aus dem Jahr 2022
42 Daten aus dem Jahr 2023
43 Vorlage 0910/2024
93
Der Ausbau des Radwegenetzes wird vorangebracht. Aktuell um-
fasst das sogenannte „gelbe Netz“ (Radverkehr wird getrennt
geführt) 482 km, während das „grüne Netz“ 883 km (Radverkehr im
Mischverkehr mit anderen Verkehrsarten geführt) umfasst. Aufgabe
ist es, ein Konzept zur Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen zu
erstellen und zu verwirklichen.44 Ein gutes Konzept hilft, den Aus-
bau des Radverkehrs voranzutreiben und die Grundlage für ein
durchgängiges und gut vernetztes System zu schaffen. Es sollen
verbindliche Qualitätsstandards für die Radinfrastruktur festgelegt
werden, um die Sicherheit im Fahrradverkehr zu erhöhen.
Zielindikator Status quo-Wert Zielwert
Reisezeitvergleich
(Reisezeitverhältnis von ÖPNV zu
MIV)
1,73 1,5
Erschließungsqualität
(Anteil erschlossene Einwohner*
innen im 10-Min.-Takt zur HVZ,
15-Min.-Takt zur SVZ)
› HVZ: 75 %
› SVZ: 65 %
› HVZ: 82 %
› SVZ: 68 %
Pünktlichkeit und Ausfälle ÖPNV
(Pünktlichkeit / Ausfälle)
› Stadtbahn: 79 % / 6,4 %
› Bus: 75 % / 3,7 %
› SPNV: 76 % / 5,1 %
› Stadtbahn/Bus: Pünktlichkeit
mindestens 90 % (ab 3 Min.),
Ausfallquote unter 2 %
› SPNV: Pünktlichkeit
mindestens 95 % (ab 5 Min.),
Ausfallquote unter 1 %
Stau MIV
(gestaute Fahrzeug kilometer)
2,1 % der im mobilitätsrele-
vanten Verkehrsnetz (MRV)
zurückgelegten Fahrzeugkilo-
meter sind gestaut
Beobachtungsindikator
Anzahl Mobilstationen pro 100 . 000
Einwohner*innen
1,6 100
Anzahl Sharing- Mitgliedschaften
(Car-, Bike,- E-Scooter-Sharing)
› Mindestens eine
Mitgliedschaft: 47 %
› Mindestens zwei
verschiedene
Mitgliedschaften: 23 %
Beobachtungsindikator
Ausbau der Radwege › Gelbes Netz: 482 km
› Grünes Netz: 883 km
Erstellung und Verwirklichung
eines Konzepts zur Umsetzung
von Radverkehrsmaßnahmen
44 Zielwert basiert auf den Ratsbeschluss (AN/0553/2024) „Erstellung und Ver-
wirklichung eines Konzepts zur Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen“
94
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Ich erledige vieles direkt im Veedel
Ein zentraler Indikator ist der Anteil kurzer Wege von weniger als
2 km (ohne Arbeitswege) an der Gesamtzahl aller Wege. Der aktuelle
Status quo-Wert beträgt 44 %. Ziel ist es, diesen Anteil auf mindes-
tens 50 % zu erhöhen, wobei kein Stadtbezirk unter 40 % liegen soll.
Ein weiterer Indikator ist die wahrgenommene Aufenthaltsqualität
im öffentlichen Raum, die durch eine durchschnittliche Bewertung
in repräsentativen Umfragen (Skala von 1 = sehr unzufrieden bis
5 = sehr zufrieden) regelmäßig gemessen werden soll. Der Zielwert
liegt bei mindestens 2,5. Der aktuelle Status quo-Wert wird derzeit
noch nicht erhoben, das soll aber in Zukunft geschehen. Als Grund-
lage für die Erstellung des Zielwertes wurde sich an anderen Städten
orientiert, die einen solchen Wert derzeit schon erreichen, wie zum
Beispiel die Stadt Dresden.
Ein dritter Zielindikator ist die Veränderung in der Anzahl der
Parkplätze, speziell die Umwandlung von Parkplatzflächen im öffent-
lichen Raum. Sie ist essenziell, um Platz für nachhaltige Alternativen
wie den Ausbau von ÖPNV- und Radinfrastruktur, Sharing-Angebo-
ten sowie breitere Gehwege zu schaffen. Auch Handwerker*innen,
Pflegekräfte und Lieferant*innen können von der Reduzierung
privaten Parkens im öffentlich Raum profitieren, da so der neu ge-
wonnene Raum für die Einrichtung von Wirtschaftszonen und
Lade- und Lieferflächen genutzt werden kann. Nicht zuletzt können
größere Parkplatzflächen zu begrünten Räumen oder Flächen für
neuen Wohnraum umgewandelt werden, der dringend benötigt wird.
Gleichzeitig ermöglicht ein effektives Parkraummanagement – wie
die Beendigung illegalen Parkens, die Mehrfachnutzung von Park-
häusern oder die Reaktivierung privater Garagen – eine effizientere
Organisation des verbleibenden Parkraums. Die Veränderung in der
Anzahl der Parkplätze wird als Beobachtungsindikator geführt, auch
weil es derzeit keinen Status quo-Wert zur Anzahl der Parkplätze in
Köln gibt. Es ist jedoch entscheidend, dass diese Daten in Zukunft
erhoben werden, um die Auswirkungen der Parkraumbewirtschaf-
tung zu analysieren, Potenziale für Umnutzungen zu identifizieren
sowie Parkdruck-Hotspots zu erkennen und darauf basierend geziel-
te Maßnahmen ableiten zu können.
95
Zielindikator Status quo-Wert Zielwert
Anteil kurzer Wege
(Anteil an allen Wegen außer
Arbeitswege)
44 % 50 % und in keinem Stadtbezirk
unter 40 %
Wahrgenommene
Aufenthaltsqualität
Wird zukünftig erhoben Mindestens Wert von 2,5 und
mehr in Umfrage (Skala 1 sehr
zufrieden bis 5 sehr unzufrieden)
Veränderung der Anzahl an
Parkplätzen
Wird zukünftig erhoben Beobachtungsindikator; Park-
raumreduzierung ergibt sich
durch die Umsetzung laufender
und künftiger Maßnahmen, zum
Beispiel durch Beendigung
illegalen Parkens
Ich kann am gesellschaftlichen Leben teilhaben
Ein wichtiger Indikator in diesem Zielbild ist die Barrierefreiheit des
ÖPNV. Derzeit sind 87 % der Haltestellen der Stadtbahn und 53 %
der Haltestellen im Schienenpersonennahverkehr barrierefrei ge-
staltet. Für die Barrierefreiheit von Haltestellen im Busverkehr lagen
zum Zeitpunkt der Erstellung keine Daten vor. Der aktuelle Wert liegt
unter den Anforderungen des Personenbeförderungsgesetzes, das
eine vollständige Barrierefreiheit vorschreibt. Ziel ist es also, 100 %
der Haltestellen barrierefrei auszubauen, um allen Menschen den
uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen. Dabei geht es nicht nur
um die formale Umsetzung der Barrierefreiheit, sondern auch um
deren tatsächliche Nutzbarkeit. So nützt beispielsweise ein Fahrstuhl
wenig, wenn er häufig außer Betrieb ist. Die gesetzliche Grundlage
dient hierbei als Zielwert und unterstreicht die rechtliche Relevanz
dieses Ziels.
Ein weiterer Indikator betrifft die Kostenbelastung durch ÖPNV-
Tickets, die insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen
eine große Rolle spielt. Der Status quo-Wert zeigt, dass ein Mo-
natsticket für KölnPass-Inhaber*innen derzeit etwa 6,5 % des
Haushaltseinkommens eines armutsgefährdeten Haushalts be-
ansprucht. Der Zielwert liegt bei maximal 5 %. Grundlage für die
Zielsetzung sind Benchmarks aus anderen Städten wie Düsseldorf,
Hamburg und München.
96
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Ein dritter wichtiger Aspekt ist die Erschließungsqualität des ÖPNV
in Sozialräumen, die darauf abzielt, dass auch benachteiligte Stadt-
gebiete gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind. Als
Sozialräume gelten in Köln diejenigen Stadtteile mit besonderem
Entwicklungsbedarf. Derzeit gibt es 15 derartige Gebiete45. Aktuell
liegt die Erschließung in diesen Räumen während der Hauptver-
kehrszeiten um 6 % und während der Schwachverkehrszeiten um
3 % über dem Durchschnitt der Gesamtstadt. Auch in Zukunft soll
sichergestellt werden, dass kein Sozialraum unter den städtischen
Durchschnitt oder dem Durchschnitt des jeweiligen Stadtbezirks
fällt. Diese Zielsetzung basiert auf Absprachen mit der KVB.
Zielindikator Status quo-Wert Zielwert
Barrierefreiheit ÖPNV › Stadtbahn: 87 %
› SPNV: 53 %
100 %
Kostenbelastung ÖPNV-Ticket 6,5 % 5 % oder weniger
Erschließungsqualität ÖPNV
in Sozialräumen
(Anteil mehr oder weniger
erschlossen zur HVZ und SVZ
gegenüber Gesamtstadt46)
› HVZ: +6 %
› SVZ: +3 %
Alle Sozialräume nicht unter
Kölner Durchschnitt und nicht
unter dem Durchschnitt des
Stadtbezirks
Ich fühle mich wohl, wenn ich unterwegs bin
Der Indikator Verkehrstote und Schwerverletzte beschreibt die An-
zahl der Menschen, die im Straßenverkehr schwer verletzt werden
oder tödlich verunglücken. 2022 verzeichnete der Status quo-Wert
668 Schwerverletzte und 13 Verkehrstote. Der Zielwert orientiert
sich an der „Vision Zero“ , die das Ziel verfolgt, keine Verkehrstoten
und Schwerverletzten mehr zu haben. Diese Zielwert basiert auf der
Zielsetzung des Verkehrssicherheitsprogramms des Landes NRW.
45 https:/ /www.stadt-koeln.de/artikel/02195/index.html
46 In der HVZ im 10-Min.-Takt und in der SVZ im 15-Min.-Takt
97
Der Indikator Unfallhäufungsstellen erfasst diejenigen Stellen im
Verkehrsnetz, die in den letzten fünf Jahren mehr als einmal als Un-
fallhäufungsstelle47 durch die Polizei definiert wurde. Aktuell gibt es
29 solcher Stellen. Der Zielwert ist auf 0 festgelegt, was bedeutet,
dass diese Stellen durch gezielte Maßnahmen oder Umbauten besei-
tigt werden sollen. Die Zielsetzung wurde auf Grundlage der „Vision
Zero“ getroffen.
Die wahrgenommene Sicherheit wird über Befragungen erfasst und
bewertet, wobei eine Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzu-
frieden) verwendet wird. Der Status quo-Wert liegt aktuell bei 3,31 in
ÖPNV-Fahrzeugen und 3,12 an Haltestellen. Das Ziel ist, diesen Wert
auf mindestens 2,5 oder besser zu steigern. Der Zielwert orientiert
sich an Benchmarks aus anderen Städten, wie beispielsweise der
Stadt Dresden und der Absprache mit der KVB. Die wahrgenom-
mene Sicherheit im öffentlichen Raum soll auch zukünftig erhoben
werden. Auch hierfür ist ein Zielwert von 2,5 festgelegt.
Der Indikator Anteil der Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad
zur Schule kommen, zeigt, dass aktuell 69 % der Kinder im Alter von
7 bis 10 Jahren den Schulweg aktiv mit dem Fahrrad oder zu Fuß
zurücklegen. Der Zielwert liegt bei 80 %. Dieser Zielwert wurde auf
Grundlage von internationalen Erfahrungswerten, wie beispielsweise
denen von niederländischen Städten, definiert.
Die wahrgenommene Sauberkeit wird ebenfalls über Befragungen
erhoben und liegt aktuell bei einem Durchschnittswert von 3,23 in
Fahrzeugen (Skala 1 bis 5). Der Zielwert ist mit mindestens 2,5 oder
besser definiert. Dies orientiert sich an Benchmarks und eigenen
Erfahrungen, die zeigen, dass die wahrgenommene Sauberkeit einen
direkten Einfluss auf die Zufriedenheit der Fahrgäste hat.
Der Indikator wahrgenommene Rücksichtnahme ist derzeit noch
ohne erhobenen Status quo-Wert, entsprechende Daten sol-
len zukünftig erhoben werden. Als Zielwert ist definiert, dass die
Rücksichtnahme mit einem Wert von mindestens 2,5 oder besser
bewertet werden soll.
47 Laut Erlass des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und
Verkehr vom 10.06.2021 liegt eine Unfallhäufungsstelle innerhalb der Einjahres-
betrachtung grundsätzlich dann vor, wenn sich auf einem Knotenpunkt oder einer
Strecke drei Unfälle des gleichen Typs ereignen.
98
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Allen Wahrnehmungsindikatoren wurden der gleiche Zielwert zu-
gewiesen. Das dient dem Zweck, dass keinem Indikator mehr oder
weniger Beachtung geschenkt wird.
Zielindikator Status quo-Wert Zielwert
Verkehrstote und Schwer verletzte 668 Schwerverletzte,
13 Verkehrstote
Keine Verkehrstoten und Schwer-
verletzten (Vision Zero)
Anzahl der Unfallhäufungsstellen,
die mehr als einmal in den letzten
5 Jahren gemeldet wurden
29 0
Wahrgenommene Sicherheit
(Skala von 1 bis 5)
› 3,31 im Fahrzeug
› 3,12 an den Haltestellen
Sicherheit im öffentlichen
Raum wird zukünftig erhoben
Mindestens Wert von 2,5 und
mehr in Umfrage (Skala 1 sehr
zufrieden bis 5 sehr unzufrieden)
Anteil der Kinder, die zu Fuß/mit
dem Fahrrad zur Schule kommen
69 % 80 %
Wahrgenommene Sauberkeit
(Skala von 1 bis 5)
3,23 im Fahrzeug Mindestens Wert von 2,5 und
mehr in Umfrage (Skala 1 sehr
zufrieden bis 5 sehr unzufrieden)
Wahrgenommene
Rücksichtnahme
Wird zukünftig erhoben Mindestens Wert von 2,5 und
mehr in Umfrage (Skala 1 sehr
zufrieden bis 5 sehr unzufrieden)
Ich bewege mich aktiv und tue etwas für Umwelt und Klima
Der Indikator Luftschadstoffe (NO₂, PM10) bezieht sich auf den Mit-
telwert der gemessenen Daten aller verkehrsnahen Messstationen
für Stickstoffdioxid (NO₂) und Feinstaub (PM10). Die aktuellen Sta-
tus quo-Werte betragen 31 µg/m3 für NO₂ und 16 µg/m3 für PM10.
Der Zielwert liegt bei 20 µg/m3 für NO₂ und 10 µg/m3 für PM10 und
orientiert sich am Zero Pollution Aktionsplan der EU.48
48 https:/ /eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=COM%3A2021%3A4
00%3AFIN
99
Der Indikator Lärmbelastung gibt den Anteil der Bevölkerung an, der
dauerhaft hohen Lärmbelastungen (LDEN > 55 dB(A)) ausgesetzt ist.
Der aktuelle Status quo-Wert liegt bei 49,7 %. Ziel ist es, diesen Anteil
um 30 % auf 34,8 % zu reduzieren, analog zu den Vorgaben des Zero
Pollution Aktionsplans der EU.
Der Indikator Treibhausgase (CO₂e) misst die jährlichen Emissionen
des Personen- und Güterverkehrs in Tonnen CO₂-Äquivalenten. Der
Status quo-Wert liegt derzeit bei 2,5 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalenten.
Ziel ist eine Reduktion auf 0,33 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalenten, um
die Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen. Der Zielwert basiert auf
dem Ratsbeschluss, der das Ziel festlegt, die Klimaneutralität 2035
in Köln zu erreichen. 49
Der Modal Split beschreibt den Anteil der Wege je Verkehrsmittel
an allen zurückgelegten Wegen (Umweltverbund, das heißt Fuß, Rad,
ÖPNV, sowie MIV (Pkw, Motorrad, Mofa)). Der Status quo-Wert be-
trägt aktuell 75 % Umweltverbund und 25 % MIV. Der Zielwert ist eine
Steigerung auf 80 % Umweltverbund und eine Reduktion des MIV
auf 20 %. Dieser Zielwert basiert auf der Annahme, dass die Klima-
neutralität 2035 nur mitunter mit einer Reduktion des MIV-Verkehrs
einhergeht.
Der Indikator Anzahl und Nachhaltigkeit von Pkw analysiert die An-
zahl der zugelassenen Pkw pro 1.000 Einwohner*innen sowie den
Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben in verschiedenen
Raumtypen. Diese Differenzierung erfolgt, um den spezifischen An-
forderungen und Gegebenheiten in den jeweiligen Gebieten gerecht
zu werden – etwa der unterschiedlichen Dichte von Wohnbebauung,
der Infrastruktur für öffentliche Verkehrsmittel und den Möglichkei-
ten für alternative Mobilitätsangebote:
› In der Innenstadt beträgt der Status quo-Wert 276 Pkw pro 1.000
Einwohner*innen mit einem Anteil alternativer Antriebe von 12 %.
Der Zielwert sieht weniger als 250 Pkw pro 1.000 Einwohner*
innen vor.
› In der Inneren Stadt liegt der Status quo-Wert bei 330 Pkw pro
1.000 Einwohner*innen und 7 % alternativen Antrieben. Der Ziel-
wert ist hier weniger als 270 Pkw pro 1.000 Einwohner*innen.
› In der Äußeren Stadt beträgt der Status quo-Wert 444 Pkw pro
1.000 Einwohner*innen mit 7 % alternativen Antrieben. Der Ziel-
wert liegt bei weniger als 400 Pkw pro 1.000 Einwohner*innen.
49 AN 1377/2021
100
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Die Zielwerte der Pkw-Dichte wurden durch die Prognosen des
Raumbuchs Mobilstationen hergeleitet. Insgesamt wird ein Anteil
von alternativen Antrieben in der Gesamtstadt von mehr als 50 % bis
2035 angestrebt. Der Wert ist notwendig, wenn die Klimaneutralität
2035 in Köln erreicht werden soll.
Zielindikator Status quo-Wert Zielwert
Luftschadstoffe
(NO₂, PM10)
› NO₂: 31 μg/m3
› PM10: 16 μg/m3
› NO₂: 20 µg/m3
› PM10: 10 µg/m3
Lärmbelastung
(Anteil der Einwohner*
innen betroffen von Lärm-
belastung >55 db(A))
49,7% 34,8 % (Reduzierung um 30 %)
Treibhausgase (CO₂e) 2,5 Mio. t CO₂-Äquivalente 0,33 Mio. t CO₂-Äquivalente
Modal Split › Umweltverbund: 75 %
› MIV: 25 %
› Umweltverbund: 80%
› MIV: 20 %
Anzahl und Nachhaltigkeit
von Pkw
Raumtyp Anzahl Pkw/
1.000 EW
Raumtyp Anzahl Pkw/
1.000 EW
Anteil mit
alternativen
Antrieben
[%]
Innenstadt 276 Innenstadt < 250
> 50Innere Stadt 330 Innere Stadt < 270
Äußere Stadt 444 Äußere Stadt < 400
101
Bewertung
Das erstellte Zielszenario wurde zum Abschluss noch einmal mit
Blick auf das Leitbild, das Ziel der Klimaneutralität, die Frage nach
der Umsetzbarkeit und die Sozialverträglichkeit bewertet.
Die Bewertung des Zielszenarios ermöglicht zu validieren, ob
die wesentlichen Bausteine der Strategie tragfähig sind und ob
deren Umsetzung unter den gegebenen Rahmenbedingungen
realistisch erscheint. Dazu wurden zudem noch wichtige externe
Schlüsselfaktoren zusammengestellt, welche die derzeitigen Rah-
menbedingungen beeinflussen können. Schlüsselfaktoren sind jene
externen Einflüsse auf die Mobilitätsplanung, deren Entwicklung in
Zukunft noch ungewiss ist. Entweder können sie sich positiv oder
negativ entwickeln. Die Schlüsselfaktoren wurde analog zu den
Trends mit Hilfe der Pestel-Analyse im Mobiliätätsbeirat am 6. De-
zember 2022 identifiziert. Die Schlüsselfaktoren verhalten sich dabei
komplementär zu den absehbaren Trends. In der Bewertung wurden
folgende Schlüsselfaktoren betrachtet:
› Die rechtlichen Experimentier- und Handlungsspielräume
für Kommunen
› Die Planungs- und Genehmigungsverfahren
› Die politische Unterstützung
› Die Abstimmung der Mobilitäts- und Stadtentwicklungsplanung
› Die persönliche Veränderungsbereitschaft
› Das Bewusstsein für eine barrierefreie Stadt
› Die finanziellen Handlungsspielräume der Stadt
› Die Bereitschaft von Lieferdiensten zur Kooperation
und Koordination
› Die alternativen und nachhaltigen Treibstoffe
› Die ÖPNV-Tarife und Energiepreise
102
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Im Anschluss darauf wurde das Zielszenario bewertet. Die Bewer-
tung überprüft dabei folgende Punkte:
› … ob das Leitbild erreicht wird: Alle strategischen Maßnahmen
wurden zunächst dahingehend betrachtet, inwieweit sie auf
die Zielindikatoren der fünf Zielbilder einzahlen. Damit wurde
sichergestellt, dass auch wirklich alle Aspekte des Leitbildes
bedient werden. Hierzu wurde ein Raster entwickelt, das die 24
Zielindikatoren der Zielbilder (siehe y-Achse) den strategischen
Maßnahmen (auf der x-Achse) gegenüberstellt.
Abbildung 17: Matrix zur Überprüfung der Erreichung der Zielwerte .
Beispiel Innenstadt für das erste Zielbild
Innenstadt – Zielbild „Ich komme gut durch Stadt und Umland“
Ausbau Radwege
Erschließungsqualität ÖPNV
Stau MIV
Reisezeitvergleich
Verspätungen und Ausfälle ÖV
Dichte Mobilstationen
Anzahl Sharing-
Mitgliedschaften
Mehr Platz auf Gehwegen schaffen
Schaffung Rheinquerungsmöglichkeiten
Direktverbindungen stärken
Ausbau Radabstellanlagen
Ausbau Radinfrastruktur
Schaffung
Rheinquerungsmöglichkeiten
Ost-West Verbindungen stärken
Reduktion ruhender Verkehr
Verbesserung Parkleitsystem
Tempo-30-
Bereiche ausbauen
Ausbau Sharing Angebote
Abstellmöglichkeiten für Mikromobilität
schaffen
Förderung zentraler Umschlagstellen
Umstrukturierung Ladezonen,
Aufbau Wirtschaftszonen
Schattenspendende Begrünung,
Entsiegelung fördern
Aufenthaltsqualität erhöhen
Rechtsrheinisch Nord–
Süd-Verbindungen
stärken
direkter Einfluss
indirekter Einfluss
kein Einfluss
Die durchgeführte Überprüfung aller strategischen Maßnahmen
hinsichtlich ihrer direkten oder indirekten Auswirkungen auf die
Zielbilder zeigt, dass jeder Zielindikator von mindestens einer
strategischen Maßnahme positiv beeinflusst wird. Besonders
wichtige Zielindikatoren, wie etwa der Modal Split, werden sogar
durch eine Vielzahl strategischer Maßnahmen adressiert.
103
Bei Zielindikatoren, die eher auf subjektive Wahrnehmungen ab-
zielen (zum Beispiel die wahrgenommene Sicherheit), deutet sich
an, dass nur wenige Maßnahmen einen direkten oder indirekten
Einfluss auf Veränderungen in diesen Bereichen haben. Dies kann
in der zweiten Stufe nachgeschärft werden.
› … die Erreichbarkeit des Kölner Klimaziels: Um zu berechnen, wie
der nachhaltige Mobilitätsplan zur Klimaneutralität im Verkehrs-
sektor beiträgt, wurden die CO₂-Emissionen für das Jahr 2035
geschätzt. Dazu wurden die prognostizierten Pkw-Kilometer aus
dem Kölner Verkehrsmodell als Ausgangspunkt genommen. In
einer Analyse wurde untersucht, wie sich der Modal Split bis 2035
entwickeln könnte, wenn die geplanten Maßnahmen umgesetzt
werden. Dabei wurden Modellierungen von Vergleichsstudien
genutzt, um die Werte auf Köln anzuwenden. Der Anteil des MIV
wurde mit den geschätzten Pkw-Kilometern und dem erwarteten
Energiemix der Fahrzeuge kombiniert, um die CO₂-Einsparung
abzuschätzen. Die genutzten Daten wurden mit der Koordina-
tionsstelle Klimaschutz abgestimmt.
Das Ergebnis zeigt: Das ambitionierte Ziel der Stadt Köln,
bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen, erfordert enorme
Anstrengungen und die nachfolgenden entscheidenden Wei-
chenstellungen: Zum einen müssen die Pkw-Kilometer auf den
Straßen deutlich reduziert und der Zielwert des Modal Split von
20 % erreicht werden. Zum anderen ist eine umfassende An-
triebswende unverzichtbar. Insbesondere elektrisch betriebene
Pkws und der ÖPNV bieten hier enormes Potenzial: Während
E-Fahrzeuge während ihres Betriebs im Kölner Stadtgebiet keine
Emissionen verursachen, emittieren konventionell betriebene
Fahrzeuge etwa 133 g CO₂50 pro Kilometer. Damit diese beiden
Weichen gestellt werden können, müssen sämtliche im Ziel-
szenario enthaltenen strategischen Maßnahmen konsequent
bis 2035 umgesetzt werden. Eine positive Entwicklung externer
Schlüsselfaktoren ist dabei eine weitere notwendige Vorausset-
zung. Dazu gehören unter anderem die politische Unterstützung
für den nachhaltigen Mobilitätsplan sowie die Anforderungen
an die Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Politik und Verwaltung
sollten daher zukünftig verstärkt daran arbeiten, diese Faktoren
aktiv zugunsten der Klimaneutralität zu steuern und günstige
Rahmenbedingungen zu fördern. Insbesondere vor den aktuellen
50 Umweltbundesamt (2022): https:/ /www.umweltbundesamt.de/themen/ver-
kehr/emissionsdaten#verkehrsmittelvergleich_personenverkehr_tabelle
104
Der Kern der Strategie: das Zielszenario
Herausforderungen eines knappen öffentlichen Haushalts und
Kosteneinsparung sowie Personalmangel im ÖPNV ist es in den
weiteren Schritten besonders wichtig, möglichst kosteneffizien-
te Maßnahmen für eine klimaneutrale Mobilität zu fördern und
gleichzeitig auf den Ebenen, die außerhalb des direkten Einfluss-
bereichs der Stadt Köln liegen, konsequent eine klimafreundliche
Mobilitätsplanung zu fordern.
› … die Umsetzbarkeit der strategischen Maßnahmen: Es wurde
geprüft, ob sich unter den strategischen Maßnahmen solche
befinden, deren unmittelbare Umsetzbarkeit fraglich ist. Dabei
geht es um Maßnahmen, die entweder aufgrund der aktuellen
rechtlichen Rahmenbedingungen nicht realisierbar sind oder
technologisch noch nicht umsetzbar.
Bereits bei der Entwicklung des Zielszenarios wurde darauf
geachtet, ausschließlich Handlungsoptionen aus den Strategie-
szenarien zu benennen, die bereits heute umsetzbar sind. Daher
wurden bewusst keine strategischen Maßnahmen berücksichtigt,
deren Entwicklung bis 2035 noch unklar sind. Ein Beispiel hierfür
sind autonome Fahrtechnologien, die im Strategieszenario mit
dem Fokus „Verbessern“ noch erwähnt wurden, jedoch im Ziel-
szenario keine Rolle mehr spielen. Stattdessen konzentriert sich
das Zielszenario auf Maßnahmen, die schon jetzt realisierbar sind
und in Köln teilweise bereits umgesetzt werden – wenn auch bis-
her nicht in ausreichendem Umfang.
› … die Sozialverträglichkeit der strategischen Maßnahmen: Die
Frage, inwieweit das Zielszenario als sozialverträglich gelten
kann, wurde auf zweierlei Weise geprüft. Einerseits wurde jede
einzelne strategische Maßnahme auf den Gesichtspunkt hin
betrachtet, ob sie dazu führt, dass bestimmte Personengruppen
in ihrer Mobilität behindert werden und somit ihre Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben erschwert wird. Andererseits wurde
die Sozialverträglichkeit des Zielszenarios durch den Runden
Tisch Mobilität und Gesellschaft überprüft. Dafür wurde es nach
den Kernelementen der sozialverträglichen Mobilität (Sicherheit,
Gesundheit, Zuverlässigkeit, Bezahlbarkeit, Barrierefreiheit, Er-
reichbarkeit und Teilhabe) qualitativ bewertet.
105
Bereits bei der Auswahl der strategischen Maßnahmen wurde
besonderer Wert daraufgelegt, dass sie sozialverträglich sind und
keine Bevölkerungsgruppe ausschließen. Die Überprüfung im
Beteiligungsformat „Runder Tisch Gesellschaft & Mobilität“ ergab,
dass alle Maßnahmen die zuvor definierten Kernelemente der
sozialverträglichen Mobilität im Wesentlichen abdecken. Damit
leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Planung einer sozial-
gerechten Mobilität in Köln. Lediglich beim Thema Zuverlässigkeit
wurde das Zielszenario durch den Runden Tisch Mobilität und
Gesellschaft weniger gut bewertet. Dies hing insbesondere damit
zusammen, dass die derzeitige Situation im ÖPNV keine ausrei-
chende Zuverlässigkeit bietet. Hier gilt es, die Maßnahmen in der
zweiten Stufe des nachhaltigen Mobilitätsplans diesbezüglich
nachzuschärfen.
106
Ausblick
107
Die Stadt Köln hat mit der ersten Stufe der Erarbeitung des nachhal-
tigen Mobilitätsplans einen bedeutenden konzeptionellen Schritt hin
zu einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Mobilitätsplanung
unternommen. Der Prozess unterstreicht das Bestreben der Stadt,
den Herausforderungen der wachsenden Rheinmetropole gerecht zu
werden und gleichzeitig den Anforderungen des Klimaschutzes, der
Lebensqualität, der Wirtschaft sowie der sozialen Ausgewogenheit
zu entsprechen.
Die zweite Stufe der Erarbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans
beginnt im Herbst 2025 und ist für 18 Monate angesetzt. In diesem
Zeitraum wird das erarbeitete Zielszenario mit konkreten Maßnah-
men unterlegt, die ersten Grundpfeiler für die Umsetzung gelegt und
ein zugehöriges Evaluationskonzept entwickelt. Mit dem dann fertig-
gestellten SUMP zeigt Köln, dass eine nachhaltige Mobilität nicht nur
Vision, sondern eine realisierbare Zukunftsoption ist.
Erster Schritt ist die Entwicklung und Bewertung von Maßnah-
menpaketen. In ihnen werden Maßnahmen zusammengeführt, die
aufgrund ihrer Wechselwirkungen besonders gut zum Erreichen des
Zielszenarios beitragen. Neben den bereits in Planung befindlichen
oder beschlossenen Maßnahmen („Sowieso-Maßnahmen“) werden
auch neue Maßnahmen entwickelt, welche strategische, infrastruk-
turelle, regulierende oder kommunikative Ansätze verfolgen. Alle
Maßnahmen werden anschließend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zur
Zielerreichung bewertet. Dabei werden auch Synergien bzw. Zielkon-
flikte zwischen den ausgewählten Maßnahmen identifiziert. Zudem
werden die Maßnahmen auf ihre Konsistenz mit bestehenden oder
sich in Planung oder Arbeit befindenden Planwerken überprüft.
Zweiter Schritt ist die Umsetzungsplanung. Darin wird die
Maßnahmenrealisierung unter Berücksichtigung von Finanzierungs-
möglichkeiten, Dringlichkeit, Umsetzungsaufwand, Abhängigkeiten
sowie eventuellen Unwägbarkeiten (beispielsweise im Rechtsrah-
men) geprüft. Durch diese Bewertung entsteht eine Priorisierung der
Maßnahmen hinsichtlich des Beitrags zur Zielerreichung sowie den
Umsetzungsanforderungen. Als Bewertungsergebnis entsteht eine
Umsetzungsstrategie mit klaren Zuständigkeiten, Zeitplänen und
Ressourcen. Maßnahmen mit einem besonders positiven Verhältnis
aus Wirkung und Umsetzbarkeit werden als „Schlüsselmaßnahmen“
mit einer besonders hohen Priorität berücksichtigt.
108
Ausblick
Ergänzend zu den Maßnahmen wird ein integriertes Zielnetz
entwickelt, das alle Verkehrsträger berücksichtigt und unter Berück-
sichtigung der entwickelten Maßnahmenpakete entsteht. Dieses
Netz zeigt eine klare Entwicklungsperspektive für die Straßeninfra-
struktur und wird Grundlage für künftige Planungen. Zudem dient es
der Einwerbung von Fördermitteln.
Um die Fortschritte messen zu können, wird – aufbauend auf den
bereits bestehenden Zielindikatoren – ein Evaluationskonzept ent-
wickelt. Es wird unter Abwägung von Aufwand und Effizienz ein Plan
dafür entwickelt, welche Zielindikatoren in welchem zeitlichen Tur-
nus evaluiert werden sollen.
Parallel zur zweiten Stufe des SUMP erarbeitet die Stadt Köln auch
einen „Sustainable Urban Logistics Plan“ (SULP), der darauf abzielt,
die städtische Logistik nachhaltiger, effizienter und umweltfreund-
licher zu gestalten. Die Planung berücksichtigt wie der SUMP auch
ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und zielt darauf ab,
die negativen Auswirkungen der urbanen Güterlogistik, wie Luft-
verschmutzung, Verkehrsstaus und Lärmbelästigung, zu reduzieren.
Die Maßnahmen aus SUMP und SULP werden miteinander verzahnt,
damit keine Widersprüche zwischen den beiden Plänen entstehen.
109
Glossar
110
Glossar
Produkt Erläuterung
Leitbild und
Zielbilder
Der Titel des Leitbildes „Besser durch Köln“ formuliert den
übergreifenden Anspruch des nachhaltigen Mobilitätsplans. Zur
Konkretisierung wurden fünf Zielbilder beschrieben. Sie beschreiben,
wie die Mobilität im Jahr 2035 aussehen soll:
› Ich komme gut durch Stadt und Umland: Mobilität ist schnell,
zuverlässig und gut vernetzt.
› Ich erledige vieles direkt im Veedel: Veedel ermöglichen kurze
Wege, laden zum Verweilen ein und stellen Erreichbarkeit sicher.
› Ich kann am gesellschaftlichen Leben teilhaben: Mobilität ist
barrierefrei, bezahlbar und eröffnet Chancen.
› Ich fühle mich wohl, wenn ich unterwegs bin: Mobilität ist sicher,
sauber und Menschen nehmen Rücksicht aufeinander.
› Ich bewege mich aktiv und tue etwas für Umwelt und Klima:
Mobilität trägt zu einem gesünderen Stadtleben bei und fördert
Klimaneutralität sowie die Anpassung an Klimafolgen.
Am 7. September 2023 hat der Rat der Stadt Köln das Leitbild mit
den fünf Zielbildern beschlossen. Es kann unter dem folgenden Link
eingesehen werden:
https:/ /ratsinformation.stadt-koeln.de/
getfile.asp?id=945390&type=do.
Status quo- und
Chancen- und
Mängelanalyse
Im Rahmen dieser Analyse wurde betrachtet, wie die Mobilität in
Köln heute im Vergleich zum Leitbild eingeschätzt wird. Chancen
gilt es weiter auszubauen, während Mängel zu reduzieren sind. Die
Analyse orientierte sich an der Struktur der fünf Zielbilder.
Die Status quo- und Chancen- und Mängelanalyse kann unter dem
folgenden Link eingesehen werden: stadt-koeln.de/mediaasset/
content/pdf68/mobililitaetsplan-status-chancen-maengel-
analyse_05-2024_bf_klein.pdf.
111
Produkt Erläuterung
Zielindikatoren
und Zielwerte
Die Zielindikatoren dienen dazu, das Leitbild messbar zu machen.
Insgesamt 24 Zielindikatoren zeigen den Umsetzungsgrad der
fünf Zielbilder und machen so die Wirkung der in Stufe 2 zu
entwickelnden Maßnahmen nachvollziehbar. Die Zielindikatoren
wurden daher auch bereits für die Chancen- und Mängelanalyse
angewendet.
Zu jedem der bestehenden Zielindikator wurden Zielwerte definiert.
Die in Stufe 2 zu entwickelnden Maßnahmen sollen dazu beitragen,
dass die Zielwerte bis zum Jahr 2035 erreicht werden.
Handlungs-
felder und
Stellschrauben
Zur Operationalisierung des nachhaltigen Mobilitäts plans wurden
sieben Handlungsfelder definiert. Für jedes dieser Handlungsfelder
gibt es sieben sogenannte „Stellschrauben“ , was insgesamt 49
Stellschrauben ergibt. Mit ihnen soll die Mobilität innerhalb des
Handlungsfeldes verändert und im Sinne des Leit bildes gestaltet
werden. Dabei handelt es sich um übergreifende Ansätze wie zum
Beispiel die Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Handlungsfeld
Fußverkehr. Die genaue Definition von Maßnahmen (zum Beispiel
Ausbau von Sitzmöglichkeiten im Wohngebiet) ist hingegen
Bestandteil der Stufe 2.
112
Glossar
Produkt Erläuterung
Szenarien Es wird zwischen verschiedenen Szenarien unterschieden:
› In Strategieszenarien werden Stellschrauben in unterschiedlicher
Auswahl und Intensität zusammengestellt. Dadurch wird ermittelt,
welche Kombinationen wie stark zur Erreichung des Leitbildes
beitragen. Im Rahmen des Erarbeitungsprozesses wurden
drei Strategie szenarien mit den Schwerpunkten „Vermeiden“ ,
„Verlagern“ und „Verbessern“ entwickelt und diskutiert. Dabei
wurden mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt. Die Diskussion
der Strategieszenarien mit dem Lenkungskreis sowie dem
Mobilitätsbeirat bildeten die Grundlage für die Erstellung des
Zielszenarios (siehe unten). Die Strategieszenarien werden daher
auch als „Arbeitsszenarien“ bezeichnet.
› Das Zielszenario stellt jene Kombination von Stellschrauben
dar, mit der das Leitbild am besten erreicht werden kann. Das
Zielszenario besteht aus strategischen Maßnahmen.
› Strategische Maßnahmen bieten einen Orientierungsrahmen,
der im weiteren Prozess von Stufe 2 mit detaillierten und – je
nach Möglichkeit – räumlichen Angaben gefüllt wird. Beispiel:
Im Handlungsfeld „ÖPNV“ gibt es die strategische Maßnahme
„Tangentialverbindungen schaffen“ . Eine konkrete Maßnahme, die
daraus in Stufe 2 abgeleitet werden könnte, wäre „Einrichtung
einer Expressbuslinie von Stadtteil x nach Stadtteil y“ .
113
Anhang:
Strategieszenarien
114
Anhang: Strategieszenarien
Strategieszenario A: Fokus „Vermeiden“
Einfluss der Stellschrauben:
Radverkehr
Fußverkehr
Inter- und
Multimodalität
Wirtschafts- und
Lieferverkehr
Raumplanung
und -nutzung
Fahrrad-
abstellplätze
Radverkehrsnetz
Radverkehrs-
infrastruktur
Angebotsvielfalt
von Fahrrädern
Platz für
Fußgänger*innen
Fußverkehrsnetz
Aufenthaltsqualität
Barrierefreiheit
Organisation und Mobilitätsmanagement
Information / Kommunikation / Kampagnen
ÖPNV
ÖPNV-Netz
Fahrplanangebot und
Haltestellendichte
Angebotsvielfalt
Zugänglichkeit
Einfachheit
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
Flächendeckende
Sharing-Angebote
Auf- und Ausbau von
Mobilstationen
Zugänglichkeit und
Einfachheit
Verknüpfung der
Verkehrsnetze
Motorisierter
Individualverkehr
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
MIV-Infrastruktur
MIV
-
Netz
Parkraum
Alternative Antriebe
und Fahrzeuge
Parkplätze für
Lieferungen und
Dienstleister
Wirtschafts- und
Lieferverkehrsnetz
Warenumschlag,
Abholstellen
Kompakte Bebauung
Klimaresiliente
Stadtplanung
Vielfältige Nutzung
von Gebäuden und
Flächen
Erreichbarkeit
alltäglicher Ziele
Automatisierung und Digitalisierung
Narrativ:
Die Kölner Veedel sollen sicher werden und die Aufenthaltsqualität
wird erhöht. Dafür wird ein Großteil des vom MIV beanspruchten
Raums umgestaltet und in grüne Oasen, Begegnungsorte und in
Fahrrad- und Fußinfrastruktur umgewandelt. Viele Angebote sollen
in unmittelbarer Nähe erreichbar und einfach zu Fuß und mit dem
Fahrrad zugänglich sein. Der PKW-Verkehr wird auf zentrale Haupt-
verkehrsstraßen gebündelt, sodass weniger überflüssige Fahrten
unternommen werden. Die Stadt wird grüner, sodass sich Lärm und
Abgase reduzieren. Einrichtungen des täglichen Bedarfs in der Nähe
zu haben und keine weiten Wege zurücklegen zu müssen, wird als
Qualität angesehen.
Um die negativen Auswirkungen nicht notwendiger Pkw-Verkehre zu
reduzieren, soll die aktive Mobilität, vor allem das Zu Fuß Gehen und
Radfahren, auf kurzen Wegen im Veedel gefördert werden. Beson-
ders auf kurzen Wegen sind Verkehrsmittel des Umweltverbundes
konkurrenzfähig zum MIV. Daher tragen kurze Wege zu alltäglichen
115
Zielen wie Schulen, Kitas, Supermärkten und anderen Orten des
täglichen Bedarfs sowie zu Verkehrsknotenpunkten (beispielsweise
ÖPNV-Haltestellen und Mobilstationen) wesentlich zur Reduktion
des MIV bei.
Sicheres und barriere-
freies Fußwegenetz
Umverteilung
Parkraum
Förderung sichere
Fahrradinfrastruktur
Mehr alternative Antriebe
im Lieferverkehr
Barrierefreiheit
im ÖPNV
Stärkung
Nutzungsmischung
FOKUS AUF
Die Förderung dieser kurzen Wege erfolgt durch die Stadtentwick-
lungsplanung, die eine vielfältige Nutzungsmischung im Veedel
unterstützt und neue Quartiere dort entstehen lässt, wo bereits ein
Schienenhaltepunkt existiert. Gezielte Einzelhandels- und Zentren-
planung unterstützt eine höhere Nutzungsdurchmischung in den
Veedeln. Die Attraktivität des zu Fuß Gehens und des Radfahrens
sowie die Nutzung von Rollstühlen, kleinen E-Fahrzeugen und spe-
ziell angepassten Fahrrädern für mobilitätseingeschränkte Personen
werden durch diese Herangehensweise gefördert. Diese Ansätze
schaffen Anreize für aktive Mobilität und tragen zu mehr Inklusion
und Teilhabe aller Menschen bei. Die Verbesserung der Fuß- und
Radwegenetze bedeutet eine sicherere, barrierefreie und komfortab-
lere Gestaltung der Infrastruktur, über die mobilitätseingeschränkte
Personen auch die barrierefreien Haltestellen des ÖPNV erreichen
können. Einladende und begrünte öffentliche Räume ermutigen
Menschen dazu, dort aktiv unterwegs zu sein, zu verweilen und sich
zu begegnen. Eine Umverteilung des Straßenraums zugunsten des
Fuß- und Radverkehrs und des Verweilens sowie die Umwidmung
und Entsiegelung von Parkplätzen ermöglichen es, öffentliche
Räume attraktiver zu gestalten. Werden nicht notwendige Pkw-Fahr-
ten vermieden, kann zudem ausreichender Raum für diejenigen
sichergestellt werden, die – beispielsweise aufgrund einer Mobili-
tätseinschränkung – zwingend auf einen Pkw angewiesen sind.
116
Anhang: Strategieszenarien
Neben der Attraktivierung der öffentlichen Räume für die aktive
Mobilität und das Verweilen gilt es, Durchgangsverkehre des mo-
torisierten Verkehrs durch die Veedel zu unterbinden. In der Folge
von weniger motorisiertem (Durchgangs-)Verkehr im Veedel und der
Umverteilung von Parkraum können Flächen gezielt für attraktivere
öffentliche Räume genutzt werden. So entsteht auch Raum für mehr
Begrünung, die in der Hitze des Sommers Schatten spendet und die
Umgebungstemperatur senkt. Im Status quo- und Chancen- und
Mängelbericht wird das Anknüpfen an das heutige Parkraumma-
nagement und den Beschluss zum Masterplan Parken als Chance
gesehen, um den Platzverbrauch des Parkraums zu reduzieren.51
Der Beschluss zum Raumbuch Mobilstationen bedeutet, dass es in
Zukunft durch ein flächendeckendes Netz von Mobilstationen mit
Car-Sharing weniger Pkw in der Stadt geben wird, wodurch sich der
Bedarf an Raum für den ruhenden Verkehr verringert.52
Auch der Einsatz von alternativen, kleineren Fahrzeugen wie Lasten-
rädern oder kleinen E-Fahrzeugen (LEV) im Lieferverkehr verringert
den Raumbedarf und sollte deshalb gefördert werden. Hinzu kommt
die Möglichkeit, das Abstellen von Pkw aus dem öffentlichen Raum
heraus in Quartiersgaragen oder Parkhäuser zu verlagern. In dem
dadurch neu gewonnenen Platz im öffentlichen Raum können mehr
Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Personen und den not-
wendigen und gewünschten Liefer- und Wirtschaftsverkehr sowie
für Pflegedienste und Handwerksbetriebe bereitgestellt werden. Die
konsequente Kontrolle garantiert, dass keine Fahrzeuge mehr illegal
auf Gehwegen geparkt werden und keine Behinderungen und Bar-
rieren für andere im öffentlichen Raum entstehen. Zusätzlich werden
Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und E-Scooter geschaffen, um
deren unerlaubtes Abstellen auf Gehwegen oder in Eingängen und
auf Zufahrten zu verhindern. Das gesamte Parken wird konsequent
kontrolliert und Verstöße werden konsequent geahndet.
51 Chancen- und Mängelbericht, S. 52
52 Der Verkehrsausschuss hat am 13.06.2024 das Raumbuch Mobilstationen
beschlossen.
117
Strategieszenario B: Fokus „Verlagern“
Einfluss der Stellschrauben:
Radverkehr
Fußverkehr
Inter- &
Multimodalität
Wirtschafts- und
Lieferverkehr
Raumplanung
und -nutzung
Fahrrad-
abstellplätze
Radverkehrsnetz
Radverkehrs-
infrastruktur
Angebotsvielfalt
von Fahrrädern
Platz für
Fußgänger*innen
Fußverkehrsnetz
Aufenthaltsqualität
Barrierefreiheit
Organisation und Mobilitätsmanagement
Information / Kommunikation / Kampagnen
ÖPNV
ÖPNV-Netz
Fahrplanangebot &
Haltestellendichte
Angebotsvielfalt
Zugänglichkeit
Einfachheit
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
Flächendeckende
Sharing-Angebote
Auf- und Ausbau von
Mobilstationen
Zugänglichkeit &
Einfachheit
Verknüpfung der
Verkehrsnetze
Motorisierter
Individualverkehr
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
MIV-Infrastruktur
MIV
-
Netz
Parkraum
Alternative Antriebe
und Fahrzeuge
Parkplätze für
Lieferungen &
Dienstleister
Wirtschafts- und
Lieferverkehrsnetz
Warenumschlag,
Abholstellen
Kompakte Bebauung
Klimaresiliente
Stadtplanung
Vielfältige Nutzung
von Gebäuden und
Flächen
Erreichbarkeit
alltäglicher Ziele
Automatisierung und Digitalisierung
Narrativ:
In der gesamten Stadt werden viele nachhaltige Mobilitätsoptionen
zur Verfügung gestellt. Sowohl ÖPNV, Sharingangebote als auch
ein sicheres Fuß- und Radwegenetz werden dafür flächendeckend
ausgebaut. auch bislang weniger angebundene Gebiete in der äu-
ßeren Stadt werden in dieses Netz integriert, sodass Pendler*innen
das Angebot nutzen können. Das hat zur Folge, dass Wege statt mit
dem privaten PKW mit dem Umweltverbund erledigt werden kön-
nen – Abgase und Lärm sinken. Die Erreichbarkeit und das schnelle
Vorankommen mit dem Umweltverbund werden als Qualität angese-
hen.
118
Anhang: Strategieszenarien
Nicht vermeidbare Wege sollen auf möglichst umweltfreundliche
Art und Weise vollzogen und Pkw-Verkehr auf den Umweltverbund
verlagert werden. Viele Pkw-Fahrten erfolgen bisher über längere
Distanzen, da es für viele Menschen zu aufwendig und zeitintensiv
ist, diese Distanzen mit aktiver Mobilität (zu Fuß oder mit dem Rad)
zurückzulegen.
Daher ist eine zentrale Herausforderung dieses Szenarios, die Quali-
tät des ÖPNV zu heben und den ÖPNV besser mit dem Fuß- und
Radverkehr zu verknüpfen, sodass es attraktiver wird, die längeren
Wege mit dem Umweltverbund zurückzulegen. Aber auch das (Elek-
tro-)Rad ist für längere Wege dann eine Alternative zur Autofahrt,
wenn durch gut ausgebaute, unterbrechungsfreie RadPendlerRou-
ten mit möglichst wenigen bzw. geringen Wartenzeiten an Ampeln
die Reisegeschwindigkeit und der Komfort für Radfahrende steigt.
Der Pkw wird oft als schnell, flexibel und stressfrei beschrieben.
Das zukünftige Verkehrssystem des Umweltverbunds erreicht eben-
solche Qualitäten und etabliert sich als erste Wahl für erreichbare
Ziele, was zu einer Verlagerung auch von längeren Wegen auf den
Umweltverbund führt. Dies geschieht einerseits durch eine flexi-
bel verfügbare Auswahl an Verkehrsmitteln wie ÖPNV, Fahrrad und
Sharing-Fahrzeugen, die den Menschen jederzeit leicht zugänglich
zur Verfügung stehen. Andererseits erreichen die Kölner*innen mit
diesen Verkehrsmitteln schnell ihr Ziel.
Ausbau eines sicheren
Fußwegenetzes
Optimierung des
MIV-Netzes
Ausbau schneller
(Pendler-)Radrouten
Entwicklung multi-
modaler Angebote
Schnelles vorankommen
im großen ÖPNV-Netz
Am ÖPNV ausgerichtete
Stadtentwicklung
FOKUS AUF
119
Diese Angebote sind in der gesamten Stadt vorhanden, kommen
also sowohl den Einwohner*innen in den Innenstadtgebieten und
Stadtteilzentren als auch den Bewohner*innen der weniger dicht be-
siedelten Stadtteile in der Äußeren Stadt zugute.
Das Fußverkehrsnetz wird ausgebaut, was bedeutet, dass die Geh-
wege barrierefrei sind, wo nötig verbreitert werden, die Querungen
barrierefrei, sicher und komfortabel gestaltet sind und Umwege
möglichst vermieden werden. Besondere Beachtung finden die We-
gegestaltung und Barrierefreiheit zu und von den ÖPNV-Haltestellen.
Der ÖPNV wird attraktiver, weil das Netz sowohl dichter ist als auch
schnelleres Vorankommen ermöglicht und daher mit dem Auto kon-
kurrieren kann. Neben der Netzerweiterung ist die Beschleunigung
durch signaltechnische, bauliche, betriebliche oder verkehrsorga-
nisatorische Maßnahmen von Bussen wichtig. Dazu gehört zum
Beispiel der Ausbau von Expressbuslinien oder die Einrichtung von
Busspuren.
Das Straßennetz für den MIV wird nach den Plänen zum MIV-Grund-
netz so optimiert, dass der MIV mit den festgelegten zulässigen
Höchstgeschwindigkeiten gut auf dem Pkw-Grundnetz fließt und
für alle Verkehrsteilnehmende verträglich und sicher ist. Die Gebiete
zwischen den Straßen des Grundnetzes bieten sich dann für weitere
verkehrsberuhigende Maßnahmen an. Zur besseren Verknüpfung
verschiedener Verkehrsmittel werden vermehrt Sharing-Angebote
an ÖPNV-Knoten für die „erste und letzte Meile“ bereitgestellt und
multimodale Mobilstationen sowie Park + Ride- und Bike + Ride-
Anlagen ausgebaut.
120
Anhang: Strategieszenarien
Strategieszenario C: Fokus „Verbessern“
Einfluss der Stellschrauben:
Radverkehr
Fußverkehr
Inter- &
Multimodalität
Wirtschafts- und
Lieferverkehr
Raumplanung
und -nutzung
Fahrrad-
abstellplätze
Radverkehrsnetz
Radverkehrs-
infrastruktur
Angebotsvielfalt
von Fahrrädern
Platz für
Fußgänger*innen
Fußverkehrsnetz
Aufenthaltsqualität
Barrierefreiheit
Organisation und Mobilitätsmanagement
Information / Kommunikation / Kampagnen
ÖPNV
ÖPNV-Netz
Fahrplanangebot &
Haltestellendichte
Angebotsvielfalt
Zugänglichkeit
Einfachheit
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
Flächendeckende
Sharing-Angebote
Auf- und Ausbau von
Mobilstationen
Zugänglichkeit &
Einfachheit
Verknüpfung der
Verkehrsnetze
Motorisierter
Individualverkehr
Alternative
Antriebe und
Fahrzeuge
MIV-Infrastruktur
MIV
-
Netz
Parkraum
Alternative Antriebe
und Fahrzeuge
Parkplätze für
Lieferungen &
Dienstleister
Wirtschafts- und
Lieferverkehrsnetz
Warenumschlag,
Abholstellen
Kompakte Bebauung
Klimaresiliente
Stadtplanung
Vielfältige Nutzung
von Gebäuden und
Flächen
Erreichbarkeit
alltäglicher Ziele
Automatisierung und Digitalisierung
Narrativ:
Die Verkehrsnetze in der Stadt werden digital vernetzt. Die Infra-
struktur des MIV-Netzes wird für die Nutzung mit autonomen Autos,
neuen Technologien wie selbstfahrenden Taxis und Lieferverkehr
mit nachhaltigen Antrieben angepasst. Durch die vorwiegende
Konzentration des MIV auf ein MIV-Netz wird mehr Platz für Fuß-
gänger*innen und Radfahrerende geschaffen und gibt es in den
Wohngebieten weniger Lärm und sauberere Luft. Keiner muss auf
sein präferiertes Verkehrsmittel verzichten, aber selbst eins zu be-
sitzen, ist nicht notwendig. Die große Auswahl an digital vernetzen
Verkehrsmitteln wird als Qualität angesehen.
Die Verkehrsmittel und ihre Netze werden vom technologischen
Fortschritt profitieren, der die Umweltverträglichkeit des Mobilitäts-
systems verbessert. Möglichkeiten zur Verbesserung der Fahrzeuge
wie zum Beispiel die Elektrifizierung (Antriebswende) des ÖPNV
und des MIV werden genutzt. Das gilt auch für die Potenziale
121
von Automatisierung und Digitalisierung, den Einsatz autonomer
Fahrzeuge und die Verknüpfung der Verkehrsnetze und der Sharing-
Angebote.
Sicheres Fuß- und
Radverkehrsnetz
Digital vernetztes, eigen-
ständiges MIV-Netz
Autonomer ÖPNV
unterschiedlicher Größen
Vernetzte Sharing-
Angebote
Förderung alternative
Antriebe
Optimierung im
(autonomen) Lieferverkehr
FOKUS AUF
Der Einsatz autonomer Fahrzeuge wird das Stadtbild verändern. Der
MIV-Anteil wird steigen, während die Anteile am Rad- und Fußver-
kehr sinken werden.53 Potenziale für positive Veränderungen liegen
dabei im ÖPNV, und hier insbesondere, wenn Angebot und Nach-
frage flexibler aufeinander abgestimmt werden und Fahrzeuggrößen
und Linienverläufe mit wenig Aufwand angepasst werden können.
Das MIV-Grundnetz wird für autonomes Fahren optimiert.
Die Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur (zum Bei-
spiel Ampeln) und der Umgebung sorgt für einen effizienteren
Verkehrsfluss mit weniger Stopps, wodurch Lärm und Schadstof-
fe (insbesondere PM10) reduziert werden. Zu Fuß Gehende und
Radfahrende profitieren bei Querungen von optimierten, fuß- und
radverkehrsfreundlicheren Vorfahrtsregelungen und Ampelschal-
tungen. Für die verschiedenen Verkehrsmittel werden die jeweiligen
Verkehrsnetze dort, wo dies möglich und sinnvoll ist, voneinander
getrennt. Durch die Konzentration des MIV auf das MIV-Grundnetz
entfallen abseits des Netzes Durchgangsverkehre und in den Wohn-
gebieten und Stadtteilzentren entsteht Raum für Fußgänger*innen,
53 UBA (2023): Digitalisierung und Automatisierung im Verkehr
122
Anhang: Strategieszenarien
Radfahrende und Aufenthalt. Die Konflikte zwischen den Verkehrs-
teilnehmenden werden reduziert.
Mittels kleineren On-Demand-Shuttles werden die Wohngebiete
erschlossen und der Anschluss an ÖPNV-Knotenpunkte gesichert,
von wo aus Busse auf Hauptnetzen die erweiterte Erreichbarkeit si-
cherstellen. Dank des autonomen Betriebs werden die Leistung des
ÖPNV gesteigert, eine hohe Taktfrequenz angeboten und Angebots-
zeiten erweitert. Auch Sharing-Angebote sind vernetzt und, sofern
sie motorisiert sind, mit alternativen Antrieben ausgestattet. Sie sind
mittels App und ÖPNV-Chipkarte buchbar, bezahlbar und mit ande-
ren ÖPNV-Angeboten verknüpft. Dank dieses leicht zugänglichen
multimodalen Angebots nimmt die Notwendigkeit ab, ein eigenes
Fahrzeug zu besitzen. Der Lieferverkehr ist ebenfalls vernetzt.
Ein ständiger Datenaustausch zwischen einzelnen Verkehrsmitteln
ermöglicht optimale und effiziente Routenplanung. Durch den Er-
halt von Echtzeitinformationen wie zum Beispiel Verkehrsdaten kann
der effizienteste Lieferweg berechnet werden. In der Konsequenz
ist es in den Wohnvierteln nun deutlich ruhiger und die Luftqualität
hat sich spürbar verbessert, da dort weniger motorisierte Fahrzeuge
unterwegs sind und die verbliebenen Fahrzeuge emissionsfrei be-
trieben werden.
Beratungsverlauf (10)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1167/2025
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 22.05.2025
- Erstellt
- 16.04.2025 11:31