4275/2021
Beantwortung der Anfrage der FDP-Fraktion "Corona im Abwasser" (AN/2394/2021)
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/53/530 Vorlagen-Nummer 24.03.2022 4275/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 29.03.2022 Beantwortung der Anfrage der FDP-Fraktion "Corona im Abwasser" (AN/2394/2021) Die FDP Fraktion stellt folgende Anfrage an die Verwaltung: 1. Welche Ergebnisse konnten aus den Kölner Abwasserproben gewonnen werden? 2. Konnten die Ergebnisse aus dem Abwasserscreening in Köln in die Pandemiebekämpfung einbezogen werden? 3. Inwieweit konnten die Ergebnisse des Abwasserscreenings auf Coronaviren für die Einsatz- planung der mobilen Impfteams genutzt werden? 4. Gibt es eine Teilnahme an den zitierten Modellprojekten bzw. Forschungsprojekten? Zur Beantwortung der Fragen 1-3 wurde seitens der Verwaltung eine Stellungnahme der Stadt- entwässerungsbetriebe Köln (StEB) eingeholt, die die Fragen wie folgt beantwortet: Die StEB Köln beteiligte sich mit dem UFZ (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung), der TU Dresden und etwa 50 Kläranlagen aus ganz Deutschland im Frühjahr/Sommer 2020 an einem deutschlandweiten Abwasssermonitoring auf Covid 19. Im Ergebnis hatte man zwar wertvolles Basiswissen zum Corona-Nachweis aus Abwasser gewinnen können, konnte aber noch keine di- rekten Aussagen zum aktuellen Infektionsgeschehen abgeben. Das betraf nicht nur Stadt Köln, sondern das gesamte Projekt mit allen daran beteiligten Partnern. Da diese Forschung aber bereits sehr vielversprechende Ergebnisse zum Abwasserscreening enthielt, wurden die Aktivitäten – vor allem durch die im Winter 2020/2021 wieder deutlich anstei- genden Inzidenzen – wieder aufgegriffen. Die StEB Köln haben sich Anfang des Jahres 2021 am Projekt „CoroMoni“ beteiligt, das die deutschen Forschungsaktivitäten in den bereits durch das BMBF geförderten Verbundprojekten zur Thematik des Abwassermonitorings von SARS-CoV-2 miteinander vernetzt hat. Von Oktober 2021 bis Februar 2022 führte die StEB in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ein eigenes Corona-Monitoring mit dem TZW Karlsruhe (Technologiezentrum Wasser) als Partner durch. Über 60 Proben aus dem GKW Stammheim und dem Klärwerk Langel wurden entnommen und vom TZW analysiert. Die Untersuchungen zeigen für beide Kläranlagen vergleichbare Ergeb- nisse. Während der „delta- Welle“ konnte die Pandemieentwicklung mit einem zeitlichen Vorlauf zwischen ca. vier und zehn Tagen abgeschätzt werden. In der aktuellen „Omikron-Welle“ ist eine Korrelation der Inzidenzzahlen mit den Abwasserdaten schwieriger und damit auch die Abschät- zung einer „Vorlaufzeit“. Gründe sind wahrscheinlich das geänderte Ausscheidungsverhalten der Omikron-Variante und der Meldeverzug von Inzidenzzahlen. Im Dezember konnte die StEB die Omikron-Variante erstmals im Kölner Abwasser feststellen. Der Anteil von Omikron ist zurzeit in Köln vorherrschend und liegt sowohl in Stammheim als auch in Langel bei über 90 Prozent. Es wird beabsichtigt, die Probenahme im Klärwerk Langel einzustellen, weil sich gegenüber den Er- gebnissen in Stammheim kein Erkenntniszugewinn bietet. Die Untersuchungen in Stammheim wird die StEB bis zum Beginn des ESI-CorA-Vorhabens (s. u.) weiterführen, um eine lückenlose 2 Datenreihe sicherzustellen. Ebenfalls im Herbst 2021 haben sich die StEB Köln zusammen mit dem Gesundheitsamt um die Teilnahme an einem Modellprojekt des Bundes „ESI CorA“ ( Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser) zum Corona-Abwasser-Monitoring beworben, das aus EU-Mitteln fi- nanziert wird. Das GKW Stammheim hat als einer von 20 Pilotstandorten unter insgesamt 119 Bewerbern den Zuschlag erhalten. Neben Köln beteiligen sich Potsdam, Berlin, Stuttgart, Tübin- gen, Altötting, Hof, Bremen, Büdingen, Hamburg, Rostock, Bramsche, Bonn, Köln, Dinslaken, Neustadt an der Weinstraße, Grömitz, Saarbrücken, Dresden, Rollsdorf und Jena an dem Projekt. Grundlage waren die Ergebnisse der frühen Forschung im Sommer 2020 und des CoroMoni- Projektes, nach denen die Überwachung von Abwasser als Früh- und Entwarnungssystem für die Corona-Pandemie gilt. Ziel dieses Projektes ist die Einführung einer systematischen Überwa- chung von SARS-CoV-2 und seinen Varianten im Abwasser. Die Auftaktveranstaltung mit allen Projektbeteiligten fand am 09.02.2022 statt. An den Pilotstand- orten soll die praktische Umsetzung des Abwassermonitorings erarbeitet werden. So können schon frühzeitig Trends in der Pandemieentwicklung und die Verbreitung neuer Varianten von SARS-CoV-2 erkannt werden. Die Pilotstandorte starten gestaffelt ab Mitte Februar. Die Untersu- chungen im GKW Stammheim werden Mitte März aufgenommen. Über 11 Monate sollen Fragestellungen rund um die Probenahme, den Probentransport, die Ana- lytik und Auswertung beantwortet werden. Zudem soll die praxisnahe Umsetzung optimiert wer- den, indem das Datenmanagement, die Zusammenführung mit Daten des Gesundheitssektors, sowie die Melde- und Übermittlungswege entwickelt und erprobt werden. Es soll auch geprüft werden, ob die flächendeckende Einführung eines Abwassermonitorings oder eher ein repräsen- tatives Monitoring befürwortet werden kann. Ergänzend wird geprüft, für welche weiteren Erreger (beispielsweise Polio, Influenza, AMR) das abwasserbasierte Surveillance System genutzt wer- den könnte. Die Federführung des Modellvorhabens „ESI CorA“ übernehmen das Bundesministerium für Um- welt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Als Steuerungsgremium wurde ein Bund-Länder-Verbände-Lenkungsgremium eingesetzt, in dem neben den federführenden Ministerien auch das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg), je- weils eine Ländervertretung für den Bereich Gesundheit und Umwelt (Abwasser), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Deutscher Städtetag vertreten sind. Für die Begleitung des Pilotvorhabens wurden weitere Gremien gebildet, in denen neben dem Robert Koch-Institut (RKI) und dem Umweltbundesamt (UBA) auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den BMBF geförderten Vorhaben eingebunden sind. Zu Frage 4: Die in der Beantwortung der Fragen 1-3 angesprochenen Untersuchungen erfolgen in Eigeninitia- tive von StEB Köln und Gesundheitsamt über 3 Monate. Die StEB Köln und das Gesundheitsamt haben sich darüber hinaus mit dem Großklärwerk Köln- Stammheim als Pilotstandort um eine Teilnahme an dem mit EU-Mitteln geförderten Modellprojekt des Bundes beworben. Die Auswahl der auf eine Anzahl von 20 begrenzten Pilotstandorte trifft der Bund. Eine Entscheidung wird kurzfristig erwartet. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 4275/2021
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 24.03.2022
- Erstellt
- 07.12.2021 11:26