0120/2023
Datenbasierte Evaluation der autofreien Zone Deutzer Freiheit
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
5318 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
III/68/681/2
681/2
Vorlagen-Nummer 18.01.2023
0120/2023
Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Wirtschaftsausschuss 19.01.2023
Datenbasierte Evaluation der autofreien Zone Deutzer Freiheit
hier: Anfrage (AN/215/2022) der Fraktion Volt in der Sitzung des
Wirtschaftsausschusses am 24.11.2022, TOP 4.1
Die Fraktion Volt bittet um die Beantwortung folgender Fragen:
1. „Welche Annahmen bezüglich der Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft wurden vor
dem Verkehrsversuch gemacht?“
Antwort der Verwaltung:
Die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts der Stadt Köln (Entwurf 2020)
trifft für das Stadtteilzentrum Deutz, das aus der Deutzer Freiheit und unmittelbar angrenzen-
den Anschriften in den Seitenstraßen besteht, unter anderem folgenden Aussagen:
„Versorgungsfunktion: Im Wesentlichen für den Stadtteil Deutz, perspektivisch aufgrund des
geplanten Stadtteilzentrums Deutz, Deutzer Hafen nur noch für den nördlichen Stadtteil, dar-
über hinaus Mittagspausenbedarf für Büroangestellte nahgelegener Einrichtungen (u. a.
Stadtverwaltung, Versicherungen, LVR)“.
Aufgrund der überwiegenden Nahversorgungsfunktion erreicht der maßgebliche Teil der
Kundschaft die Deutzer Freiheit fußläufig oder mit dem Fahrrad. Aus diesem Grund geht die
Verwaltung davon aus, dass aus dem Transformationsprozess in Richtung Autofreiheit keine
signifikanten negativen Folgen für die lokale Wirtschaft entstehen. Darüber hinaus belegen
wissenschaftliche Befunde1, dass eine Aufwertung des städtischen Raums und die Förderung
des Umweltverbunds die lokale Wirtschaft fördern können. Im Rahmen der geplanten Evalua-
tion sollen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen für den lokalen Einzelhandel untersucht-
werden.
1 Z. B.: Arancibia, Daniel, Steven Farber, Beth Savan, Yvonne Verlinden, Nancy Smith Lea, Jeff Allen,
and Lee Vernich. 2019. “Measuring the Local E conomic Impacts of Replacing On -Street Parking With
Bike Lanes.” Journal of the American Planning Association 85 (4): 463 –81.
https://doi.org/10.1080/01944363.2019.1638816.
Liu, Jenny, and Wei Shi. 2020. “Understanding Economic and Business Impacts of Stre et Improve-
ments for Bicycle and Pedestrian Mobility - A Multi-City, Multi -Approach Exploration.” NITC -RR-
1031/1161. Portland, OR: Transportation Research and Education Center (TREC).
https://doi.org/10.15760/trec.248.
Schneidemesser, Dirk, and Jody Betzien . 2021. “Local Business Perception vs. Mobility Behavior of
Shoppers: A Survey from Berlin.” Findings, June. https://doi.org/10.32866/001c.24497.
Agnes Förster, Constanze Ackermann, Katja Tischen. 2017. „Verkehrsversuch Fußgängerzone Send-
https://www.livingstreets.org.uk/media/3890/pedestrian -pound-2018.pdf
2
linger Straße – Koordinierung, Evaluierung und Dokumentation des Verkehrsversuchs sowie Begleitung
der Öffentlichkeitsarbeit Evaluationsbericht“. https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/4656516
Lawlor, Ellis. 2013. The pedestrian pound. Just Economics for Living Streets.
https://www.livingstreets.org.uk/media/3890/pedestrian -pound-2018.pdf
2. „Liegen der Verwaltung aktuell belastbare, inflationsbereinigte Zahlen vor, die ein verän-
dertes Kaufverhalten auf autofreien Straßen nach deren Umwandlung belegen?“
Antwort der Verwaltung:
Derartige Daten liegen für die neuen autofreien Räume in Köln und insbesondere die aktuelle
Zeit unter Einfluss von Corona, Inflation etc. nicht vor.
3. „Welche positiven Auswirkungen für die lokale Wirtschaft etwa im Hinblick auf die
Gastronomie zeichnen sich ab?“
Antwort der Verwaltung:
Einige Gastronomen befürworten den Verkehrsversuch, da sie eine Aufwertung ihrer Außen-
gastronomie erleben. Im Rahmen des Verkehrsversuchs haben Betriebe Außengastronomie
neu eingerichtet oder erweitert oder den Verkehrsversuch zum Anlass genommen, den
Standort Deutzer Freiheit beizubehalten.
4. „Hat die Stadt andere oder ähnliche Versuche in anderen Städten (DE/EU) als Vorlage
genommen und wie wurde in diesem Bezug die Auswirkungen auf den lokalen Einzel-
handel eingeschätzt?“
Antwort der Verwaltung:
Die Verwaltung beobachtet auch Versuche in anderen Städten und tauscht sich im Zukunfts-
netz Mobilität NRW auf regionaler Ebene aus. Es sind wissenschaftliche Befunde bekannt,
dass eine Aufwertung des städtischen Raums und die Förderung des Umweltverbunds die
lokale Wirtschaft fördern können (s. o.).
5. „Was wird aus Sicht der Verwaltung benötigt, um den Verkehrsversuch „Autofreie Deutzer
Freiheit“ mit positiven Auswirkungen für die lokalen Einzelhändler*innen sowie die ande-
ren Betroffenen (insbesondere die Anlieger*innen) fortzuführen?“
Antwort der Verwaltung:
Die Verwaltung setzt hier auf den Dialog mit Vertreter*innen der verschiedenen Gruppen in
den bereits erfolgten Fachgesprächen und dem von der Bezirksvertretung Innenstadt be-
schlossenen Veedelsbeirat. Hier wird eine eventuelle Nachsteuerung des Verkehrsversuchs
mit den relevanten Akteuren besprochen. Bei Vorliegen eines Ergebnisses aus den hier ge-
führten Gesprächen müssten diese Anpassungsvorschläge von der Bezirksvertretung Innen-
stadt beschlossen werden.
Gez. Egerer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0120/2023
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 18.01.2023
- Erstellt
- 10.01.2023 17:09