V/0038/2020
Zahnpflege in Kindertagesstätten in Münster
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Berichtsvorlage
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V/0038/2020 V/0038/2020 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Zahnpflege in Kindertagesstätten in Münster Beratungsfolge 28.05.2020 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrauche r- schutz und Arbeitsförderung Bericht 17.06.2020 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: 1. Einleitung In den letzten Jahren haben die Kindertagesstätten hinsichtlich ihres Platzangebotes auch für jüngere Kinder sowie der gebuchten Stunden erhebliche Veränderungen erfahren. Für Münster bedeutet dies für den Zeitraum 2012/13 bis 2019/20 - eine deutliche Zunahme der Ganztagsbetreuung von 913 auf 1.788 Plätze (3 5 Stunden) und von 4.880 auf 8.069 Plätze (45 Stunden) - einen Anstieg der U3-Plätze von 1.631 auf 2.831. (Quelle: Bericht zur Kindertagesbetreuung in Münster zum Kindergartenjahr 2019/2020, Stadt Münster – Amt für Kinder, Jugendliche und Familien) Durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung und der U3 -Betreuung kommt den Kindertageseinrichtun- gen eine zunehmend wichtigere Rolle auch in Bereichen wie gesunder Ernährung und Zahnpflege zu. Gleichwohl ist festzustellen, dass die Bereitschaft für das tägliche Zähnep utzen in den Kitas nachg e- lassen hat. Um einen Überblick über die aktuelle Situation bezüglich des Zahnpflegeverhaltens in den Kitas in Münster zu erhalten, wurde durch das Gesundheits- und Veterinäramt ein Fragebogen entwickelt und an alle Einrichtungen verschickt (s. u.). Auf den folgenden Seiten erfolgen zunächst eine Darstellung der Aktivitäten des Zahnärztlichen Dienstes und des Arbeitskreises Zahngesundheit sowie des aktuellen Standes der Zahngesundheit in Münster, bevor auf die Fragebogen-Aktion detailliert eingegangen wird. In der Diskussion werden auf Basis der Aussagen der Fachgesellschaften sowie gesetzlicher Grundlagen zur Zahnpflege die E r- gebnisse erörtert; der Bericht endet mit den sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen. Gesundheits- und Veterinäramt 13.05.2020 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Dr. Noch Telefon: 492-5440 NochP@stadt-muenster.de - 2 - V/0038/2020 2.1 Aktivitäten des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheits- und Veteri- näramtes sowie des Arbeitskreises Zahngesundheit - Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen in 1 -2jährigem Rhythmus mit Prophylaxe -Impuls (jährliche Untersuchungen in Schwerpunkt-Kindergärten mit erhöhter Anzahl an Kariesbefunden) - Gruppenprophylaxe durch Prophylaxefachkräfte des Arbeitskreises Zahngesundheit (Zusammenschluss von Gesundheits - und Veterinäramt, niedergelassenen Zahnärzten und Krankenkassen) - Regelmäßige Versorgung aller Einrichtungen mit Zahnpflege-Materialien (für die Kitas kostenlos) - Programm „Kita mit Biss“ mit Zertifizierung für Kitas, die sich besonders um die Zahngesundheit kümmern – dies beinhaltet: Zahngesunde Ernährung Schnuller-Entwöhnung Tägliche Zahnpflege mindestens nach einer Mahlzeit Beratung der Eltern zur häuslichen Zahnpflege und Ernährung 2.2 Daten zur Zahngesundheit Die Zahngesundheit in Münster liegt auf einem guten Niveau und konnte auch in den letzten Jahren weiter verbessert werden. Wie in anderen Bereichen auch, liegen Stadtteile mit erhöhtem Entwic k- lungsbedarf deutlich unter den Durchschnittswerten, andere Stadtteile deutlich darüber. Nachfolgend sind die Ergebnisse der zahnärztlichen Untersuchungen für alle Kitas und exemplarisch für eine Kita mit besonders vielen auffälligen Befunden aufgeführt. Kita- Zahngesundheit 2018 Naturgesund: keine Karies, keine Zahnfüllungen Karies: aktuell vorhandene Karies, die therapiert werden muss Saniert: keine Karies, vorhandene Karies wurde durch Füllungen behandelt 3. Fragebogen- Aktion in den Kitas Im Sommer 2019 führte das Gesundheitsamt eine Befragung zum Zahnputzstatus in den Kindert a- gesstätten in Münster durch (Fragebogen s. Anlage). - 3 - V/0038/2020 190 Einrichtungen erhielten einen einseitigen Fragebogen, um das aktuelle Zahnput zverhalten in den Kindertagesstätten zu eruieren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kitas die Möglichkeiten zu geben, sich zu diesem Thema zu äußern. Nachfolgend die Auswertung der einzelnen Frageste l- lungen: 3.1 Zahnpflege in den Kitas in Münster Es zeigte sich eine Rücklaufquote von 80,5% mit dem Ergebnis, dass in der überwiegeden Mehrzahl der Einrichtungen eine regelmäßige Zahnpflege erfolgt (77,8%). 3.2 Alter der Kinder in Jahren, ab dem die Zähne geputzt werden Alter Anzahl Kitas % < 1 Jahr 15 12,6 1 Jahr 50 42,0 2 Jahre 36 30,3 3 Jahre 18 15,1 Gesamt 119 100,0 3.3 Anteil der Kinder, der das Zahnputzangebot durchschnittlich regelmäßig nutzt In 114 von 118 Einrichtungen, die diese Frage beantworteten, nutze mehr als die Hälfte der Kinder das Angebot des Zähneputzens (95,8%), in nur 4 Einrichtungen sei es weniger als die Hälfte der Kinder (3,4%). 3.4 Seit wann findet kein gemeinsames Zähneputzen mehr statt? In ca. zwei Dritteln der Einrichtungen, in denen die Kinder die Zähne nicht putzen, werde seit Jahren keine Zahnpflege mehr durchgeführt (67,7%), in ca. einem Drittel dieser Kitas sei dieses Angebot in den letzten Monaten vor der Befragung eingestellt worden (29,4%); eine Kita machte hierzu keine Angaben. 3.5 Gründe für die Entscheidung gegen das gemeinsame Zähneputzen Der meistgenannte Grund, weshalb nicht mehr geputzt werde, war der Hygieneaspekt (88,2%). - 4 - V/0038/2020 Am zweithäufigsten genannt wurden zeitliche und personelle Ressourcen (70,6%). 14,7% der Einrichtungen, die nicht mehr putzen, gaben an, auf Wunsch der Eltern mit dem Putzen aufgehört zu haben. Die weiteren genannten Gründe (32,4%) bezogen sich in erster Linie auf räumliche Gegebenheiten und laufende Baumaßnahmen. 3.6 Initiative "KiTa mit Biss" 24 der Einrichtungen, die sich an der Befragung beteiligten, gaben an, bereits an dem Programm „Kita mit Biss“ teilzunehmen (15,7%), weitere bekundeten ihr Interesse, hier mitzumachen. 89 der befragten Einrichtungen, die noch nicht an dem Programm teilnehmen, gaben an, die Initiat i- ve nicht zu kennen (70,1%). 4. Diskussion 4.1 Stellungnahmen der Fachgesellschaften, gesetzliche Grundlagen Die Empfehlung der DAJ (Dt. Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V.): „Mundgesundheit in der Kita – das sollte die Einrichtung umsetzen: Tägliches Zähneputzen nach einer der Hauptmahlzeiten. Die Einrichtung unterstützt das Erlernen eines kindgerechten Zähneputzens, beispielsweise nach der „KAI-Methode: Erst werden die Kauflä- chen gebürstet, dann die Außen- und Innenflächen der Zähne.“ Die Wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK (Dt. Gesellschaft Für Zahn -, Mund- und Kiefer- heilkunde): „Erzieher und Lehrer sind aufgrund ihrer pädagogischen Ausbildung und ihres täglichen Konta ktes mit den Kindern nach entsprechender Instruktion durch den Zahnarzt besonders geeignet, die Inhal- te zahnmedizinischer Gesundheitserziehung zu vermitteln. Eine große Zahl von Autoren hält es für angemessen, wenn zweimal am Tag die Zähne geputzt werden.“ Im §10 (2) KiBiz heißt es: „In den Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege ist die gesundheitliche Entwicklung der Kinder zu fördern.“ Zusammen mit dem Inhalt des § 21 SGB V (Gruppenprophylaxe) lässt sich auch vom Gesetzgeber die Forderung nach einer regelmäßigen Zahnpflege im Kindergarten ableiten, auch wenn konkret keine zwingende Verpflichtung dazu ausgesprochen wird. 4.2 Erörterungen Die hohe Rücklaufquote und die Tatsache, dass die große Mehrheit der Einrichtungen (77,8% der zurückgesandten Bögen) die regelmäßige Zahnpflege durchführt, sind ein erfreuliches Ergebnis. Positiv aufgefallen ist auch, dass in ca. 55 % der Einrichtungen die Zahnpflege bereits bei den unter zweijährigen Kindern angeboten wird, wobei angemerkt werden muss, dass nicht alle Kitas in Müns- ter Kinder aufnehmen, die jünger als zwei Jahre sind. Spätestens ab dem Alter von drei Jahren wird - 5 - V/0038/2020 laut der Rückmeldungen bei der Befragung in allen Kitas die Zahnpflege durchgeführt. Der meist genannte Grund der 34 Ein richtungen, die keine Zahnpflege mehr betreiben, betrifft die Hygiene; hier ist allerdings eher von einer subjektiven Wahrnehmung statt objektiver Ansteckung s- gefahr auszugehen, was durch die Stellungnahme des RKI (Robert-Koch-Institut) untermauert wird. Zum Thema „Zahnbürsten in Kindergemeinschaftseinrichtungen“ heißt es dort: „Es sind keine B e- richte über virale oder bakterielle Infektionen beim Verwechseln von Zahnbürsten mitgeteilt worden.“ Hier einzuordnen ist auch der Grund „Wunsch der Eltern“: Hierunt er verbirgt sich erfahrungsgemäß meist auch der Hygiene-Aspekt, der sich durch die oben genannte Aussage zerstreuen lässt. Die zeitlichen/personellen Gründe sind nachvollziehbar, lassen sich aber durch optimierte Organisa- tion (z. B. Einteilung von Kleingruppen, die von versierten Vorschulkindern bei der Zahnpflege ange- leitet werden) und weitere Maßnahmen abfedern. Die weiteren genannten Gründe, überwiegend Waschräume und Baumaßnahmen betreffend, sind zum Teil vorübergehender Natur oder lassen sich zumindest verbessern. Die im Freitext erfolgten Kommentare der Einrichtungen betreffen vor allem Details in der Kommuni- kation und die Versorgung mit Zahnpflege-Materialien. Die Antworten zum Bekanntheitsgrad der Initiative „Kita mit Biss“ waren etwas überraschend, da ein Großteil der Einrichtungen hierüber innerhalb der letzten Jahre persönlich informiert wurde (übe r- wiegend die Einrichtungsleitungen). Hier kann vermutet werden, dass durch die Personalsituation und die damit zusammenhängende hohe Wechselquote im T eam Informationsdefizite entstehen und das Ausfüllen des Fragebogens nicht immer von den Leitungen erfolgte. 5. Schlussfolgerungen Trotz der insgesamt positiven Ergebnisse muss der Trend zur Aufgabe der Zahnpflege gestoppt und ins Positive umgekehrt werden, damit die allgemein gute Zahngesundheit gehalten werden kann und insbesondere die auffälligen Befunde in den Kitas mit besonderem Entwicklungsbedarf verbe s- sert werden. Dies ist die Aufgabe des vorhandenen multiprofessionellen Teams aus Zahnärzten/i nnen, Prophyla- xefachkräften und Erzieher/innen für die nächsten Jahre, was in gemeinsamer Anstrengung auch gelingen kann. Insbesondere zu nennen sind hier: - Individuelle Beratung in den Kitas zur Beibehaltung bzw. Wiederaufnahme der Zahnpflege unter Berücksichtigung von Hygiene -Aspekten und personellem Aufwand; Hinweise zur O r- ganisation und Aufbewahrung der Zahnpflege-Materialien - Beratung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien bei der Planung von neuen Ei n- richtungen im Hinblick auf die Gestaltung von Waschräumen; Hilfestellung zur Verbesserung der vorhandenen räumlichen Situationen - Ausbau des Programms „Kita mit Biss“ mit Gewinnung weiterer Einrichtungen; regelmäßige Vorstellung der Initiative im Leitungsteam der Kitas - Unterstützung der Eltern und des Elternwillens bei der Durchsetzung der täglichen Zahnpfl e- ge in den Kindertagesstätten - 6 - V/0038/2020 - Verstärkung der Kooperation mit niedergelassenen Zahnärzten im Arbeitskreis Zahngesun d- heit und Gewinnung neuer Zahnarztpraxen für die Gruppenprophylaxe in den Kitas - Optimierung der Versorgung der Kitas mit Materialien zur Zahnpflege - 7 - V/0038/2020 In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Fragebogen zum Zähneputzen in den Einrichtungen
Anlage A
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Anlage A zur V/0038/2020 Kurzüberblick Im Sommer 2019 führte das Gesundheitsamt eine Befragung zum Zahnputzstatus in den Kin- dertagesstätten in Münster durch.190 Einrichtungen erhielten einen Fragebogen, um das aktuel- le Zahnputzverhalten in den Kindertagesstätten zu eruieren. Es zeigte sich eine Rücklaufquote von 80,5% mit dem Ergebnis, dass in der überwiegeden Mehrzahl der Einrichtungen eine regelmäßige Zahnpflege erfolgt (77,8%). Ziele/Teilziele/Zielerreichung Ziel: Ermittlung des aktuellen Zahnputzstatus in den Einrichtungen, nach Alter der Kinder differenziert, sowie den Gründen, weshalb eine Zahnpflege nicht / nicht mehr angeboten und durchgeführt wird. Zielerreichung: Durch die hohe Rücklaufquote der Fragebögen ergibt sich ein guter Überblick über die aktuelle Situation. In der großen Mehrheit der Kitas (77,8%) wir das regelmäßige Zähneputzen durchge- führt; positiv aufgefallen ist auch, dass in ca. 55 % der Einrichtungen die Zahnpflege bereits bei den unter zweijährigen Kindern angeboten wird. Trotz der insgesamt positiven Ergebnisse muss der Trend zur Aufgabe der Zahnpflege gestoppt und ins Positive umgekehrt werden, damit die allgemein gute Zahngesundheit gehalten werden kann und insbesondere die auffälligen Befunde in den Kitas mit besonderem Entwicklungsbe- darf verbessert werden. Die Gründe gegen die Zahnpflege lagen überwiegend im hygienischen, aber auch im räumlichen und personellen Bereich. Hier ist die Aufgabe des vorhandenen multi- professionellen Teams aus Zahnärzten/innen, Prophylaxefachkräften und Erzieher/innen durch individuelle Beratung und Aufklärung, auch weiterer Multiplikatoren, die Zahnpflege als festen Bestandteil des Tagesablaufs zu etablieren, was in gemeinsamer Anstrengung auch gelingen kann. Durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung und der U3-Betreuung kommt den Kindertagesein- richtungen eine zunehmend wichtigere Rolle auch in Bereichen wie gesunder Ernährung und Zahnpflege zu. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Es werden keine zusätzlichen Mittel benötigt Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Im §10 (2) KiBiz heißt es: „In den Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege ist die gesundheitliche Entwicklung der Kinder zu fördern.“ Zusammen mit dem Inhalt des § 21 SGB V (Gruppenprophylaxe) lässt sich auch vom Gesetzge- ber die Forderung nach einer regelmäßigen Zahnpflege im Kindergarten ableiten, auch wenn kon- kret keine zwingende Verpflichtung dazu ausgesprochen wird. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Eine unmittelbare Relevanz für die o.g. Querschnittsthemen ist nicht vorhanden.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0038/2020
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 17.02.2020
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37